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Leidenschaft, die Leiden schafft

Stressfaktor Arbeitseinstellung [Quelle: Fotolia]

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Sehen Sie in Ihrer Arbeit keinen Sinn? Dann sollten Sie dringend etwas ändern.

Hand aufs Herz: Gehen Sie morgens gerne ins Büro? So gerne, dass Ihre Freunde Sie darum beneiden? Oder stellen Sie sich bei jeder Besprechung im Kollegenkreis die Sinnfrage, nach dem Motto: "Was mache ich eigentlich hier?" Meist gefolgt von der Sinnantwort: "Ich gehöre in Wahrheit ganz woanders hin - und ich weiß sogar, wohin!" Dann sollten Sie dringend etwas ändern. Denn auf Dauer ist diese Lebens- und Arbeitseinstellung ungesund.

Das legt zumindest eine neue Studie von Michele Gazica und Paul Spector von der Universität von South Florida nahe. Die beiden Psychologen befragten dafür 378 Fakultätsmitglieder von 36 öffentlichen Hochschulen in den USA. Die Teilnehmer waren zwischen 27 und 82 Jahren alt, darunter freie Dozenten ebenso wie Professoren mit eigenem Lehrstuhl. Gazica und Spector wollten vor allem wissen, ob die Befragten den Eindruck hatten, dass ihr Beruf gleichzeitig ihre Berufung war. Wenig überraschend: Wer seiner Leidenschaft nachging, war zufriedener mit seinem Job, fühlte sich gesünder und sah sein eigenes Leben allgemein positiver. Kurzum, er war glücklicher.

So weit, so erwartbar. Doch die Wissenschaftler wollten es genauer wissen. Deshalb unterschieden sie bei den Teilnehmern noch mal. Und zwar zwischen denen, die sich ihrer Berufung gar nicht erst bewusst waren - und denen, die ihre eigene zwar kannten, diese aber vernachlässigten. Dabei bemerkten sie: Die Befragten ohne Berufung waren glücklicher als jene, die ihrer nicht nachgingen.

Psychologen teilen die arbeitende Bevölkerung in drei Gruppen. Die erste sieht in ihrer Tätigkeit hauptsächlich einen Job. Solche Menschen gehen morgens ins Büro, weil sie wissen, dass sie dadurch ihre Miete zahlen, Kleidung kaufen und in den Urlaub fahren können. Am Montagmorgen sehnen sie schon den Freitagabend herbei, und sonntags nach dem "Tatort" denken sie bereits mit Grauen an den nächsten Tag. Die zweite Gruppe strebt besonders nach einer steilen Karriere - vor allem deshalb, weil sie dadurch Einfluss gewinnt und ihr Selbstwertgefühl steigern will. Bitte nicht missverstehen: Es ist völlig in Ordnung, einer dieser beiden Gruppen anzugehören. Aber dann lamentieren Sie bitte nicht ständig, dass Ihnen die Arbeit keinen Spaß macht. Denn wahre Verve kann nur die dritte Gruppe entwickeln: jene, die in ihrem Beruf gleichzeitig eine Berufung sieht. Die nicht primär für viel Geld oder eine hohe Führungsposition schuftet - sondern weil sie die Arbeit im besten Sinne des Wortes erfüllt. Das klingt vielleicht nach esoterischem Gesäusel, lässt sich aber nicht leugnen. Doch wer den Eindruck hat, seine wahre Berufung zu ignorieren, ist nicht nur unglücklicher und lebt ungesünder - sondern im Job meist auch erfolgloser.

Insofern ist die Studie der beiden US-Psychologen Warnung und Appell zugleich: "Eine Berufung zu haben ist nur dann von Vorteil, wenn man ihr auch tatsächlich nachgehen kann", schreiben Gazica und Spector. "Wenn man sie jedoch ignoriert, kann sie uns schaden." Sogar mehr, als gar keine zu haben.

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