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51 Jahre, 146.412 Euro

Geldscheine [Quelle: freeimages, Autor: iprole]

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Der Handelsblatt-Gehältervergleich: GmbH-Geschäftsführer verdienen in diesem Jahr rund 6,4 Prozent mehr.

Wenn man eine Beschreibung eines Geschäftsführers einer beliebigen GmbH anfertigen will, müssten seine Eckdaten lauten: Der typische Geschäftsführer ist männlich, 51 Jahre alt und Fahrer eines Dienstwagens der gehobenen Mittelklasse. Er trägt Personalverantwortung für bis zu 150 Mitarbeiter, arbeitet 50 bis 60 Stunden pro Woche und bezieht dafür ein Jahresgehalt von 146.412 Euro. Dies sind natürlich nur Durchschnittswerte, basierend auf einer Studie des Handelsblatts und der Beratung BBE Media in Kooperation mit dem Deutschen Steuerberaterverband, die in diesem Jahr zum 20. Mal durchgeführt wurde.

Rund 3.150 GmbH-Geschäftsführer haben sich an der Untersuchung beteiligt und gewährten Einblicke in Festgehälter, Tantiemen, Pensionszusagen und Extras wie Dienstwagen. Anders als bei börsennotierten Kapitalgesellschaften gibt es bei GmbHs keine Pflicht, die Bezüge offenzulegen. Insofern dient die jährliche Handelsblatt- Studie vielen Finanzverwaltungen als Richtschnur. Die Studie zeigt: Im Schnitt hat sich die Gesamtvergütung der GmbH-Geschäftsführer gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent erhöht. Dies ist – gemessen an den bescheidenen Gehaltserhöhungen vieler Arbeitnehmer – ein ordentlicher Sprung, allerdings ein nicht allzu großer, wenn man die zweistelligen Erhöhungen der Geschäftsführergehälter früherer Jahre zugrunde legt.

"Bei den GmbH-Geschäftsführern wird es grundsätzlich keine rasanten Entwicklungen bei den Bezügen geben", meint Peter Rath, Vergütungsexperte von BBE Media. Bei Fremdgeschäftsführern würden darauf die Gesellschafter achten und bei Geschäftsführern, die auch Gesellschafter sind, bleibe der Fiskus das Korrektiv. Denn wer sein Festgehalt zu hoch ansetzt, läuft Gefahr, dass das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung wittert. Da das Geschäftsführergehalt als Betriebsausgabe verbucht wird, könnte das Unternehmen auf diese Weise die zu zahlende Gewerbesteuer senken. Unter den GmbH-Geschäftsführern sind die Spitzenverdiener auch in diesem Jahr in der Industrie zu finden. Im Mittelwert beziehen die Chefs in diesem Wirtschaftszweig eine Gesamtvergütung von 162.530 Euro. Dies ist ein Medianwert, das bedeutet, die eine Hälfte der Befragten verdient mehr, die andere weniger. Während die durchschnittliche Vergütung der Industrie-Chefs im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken ist, hat es im Einzelhandel einen bemerkenswerten Zuwachs gegeben: Jahresfestgehalt und Tantieme belaufen sich dort im Median auf 130.453 Euro – im Jahr zuvor waren es 98.340 Euro.

"Geschäftsführer sind keine Beamten, sie pochen nicht auf einen Inflationsausgleich", sagt Steuerberater Rolf Leuner von der Beratung Rödl & Partner. Seiner Erfahrung nach würden sich die Chef nur dann eine Gehaltserhöhung genehmigen, wenn es in dem Unternehmen einen deutlichen Umsatz- oder Gewinnsprung gegeben habe. "Schließlich denken Geschäftsführer unternehmerisch." Die Bezüge orientieren sich nicht zuletzt an der Unternehmensgröße: Bei Firmen mit einem Umsatz bis fünf Millionen Euro liegen die Jahresgesamtbezüge bei 143.846 Euro, während Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 25 Millionen Euro ihren Geschäftsführern im Median 331.072 Euro bezahlen. Der Spitzenverdiener der diesjährigen Umfrage arbeitet im Großhandel, Abteilung Textil-/Leder-/ Sportwaren – er gab sein Gesamtgehalt mit 2,6 Millionen Euro an. Damit spielt er bereits in der Liga der Dax-30-Vorstandschefs, die 2013 nach Berechnungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz im Schnitt 3,3 Millionen Euro bekamen.

Nicht nur in der Gehaltsstruktur zeigt sich eine gewisse Bescheidenheit, auch in der Wahl des Dienstwagens waltet bei vielen GmbH-Geschäftsführern die Vernunft: Der Firmenwagen ist ein Modell der gehobenen Mittelklasse, im Schnitt liegen die Ausgaben dafür bei 68.400 Euro. Mercedes E-Klasse, 5er BMW und Audi A6 heißen die beliebtesten Modelle in den Garagen der Firmen. Nur vereinzelt gibt es Ausreißer: Einer der Befragten gab den Anschaffungspreis seines Firmenwagens mit 251.000 Euro an. Einen deutlichen Unterschied stellten die Studienautoren in der Vergütung zwischen Männern und Frauen fest. "Männliche Geschäftsführer verdienen erheblich mehr", konstatiert BBE-Experte Rath. Die weibliche Spitzenverdienerin gab ihre Gesamtvergütung nicht im Millionenbereich, sondern "nur" mit 431.329 Euro an. Auch die Dienstautos der Chefinnen kosten im Mittelwert rund 10.000 Euro weniger als die ihrer männlichen Pendants. Rath erklärt dies unter anderem mit dem Umstand, dass Frauen oft kleinere Unternehmen leiten würden und dadurch ihre Gesamtvergütung geringer ausfalle.

Geschäftsführer in der Industrie verdienen am besten

Jahresgehälter (dunkelblau) und Tantiemen (hellblau) von GmbH-Chefs nach Branchen 2014. Alle Angaben sind Medianwerte: Die eine Hälfte der Befragten verdient mehr, die andere weniger.

[Quelle: Handelsblatt]
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