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Bachelorabsolventen - leistungsschwach und gut bezahlt?

Praktikum im Controlling [@ sirnabolo - Fotolia]

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Die Bologna-Reform sollte besser qualifizierte und praxisnähere Absolventen hervorbringen. Doch 16 Jahre später ist klar, dass diese Ziele verfehlt wurden. Denn die Wirtschaft ist unzufrieden mit den Bachelor-Absolventen – und entlohnt sie dennoch fürstlich.

Vier große Ziele hatte die Bologna-Reform in Deutschland: Durch den Bachelorabschluss sollten Berufseinsteiger jünger und damit international wettbewerbsfähiger werden, zudem sollten Auslandssemester und -Aufenthalte leichter integriert werden können und Studiengänge an verschiedenen Hochschulen vergleichbarer gemacht werden. Daneben sollte die Praxisrelevanz der Studiengänge gefördert werden.

Die Unternehmen beklagen fehlende Praxisorientierung der Bachelor-Absolventen

Doch diese Ziele scheinen verfehlt. Die Ergebnisse einer Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeigen, dass Unternehmen mit der Leistung von Bachelor-Absolventen unzufrieden sind, die bei ihnen ihre Karriere beginnen. In den letzten Jahren nahm die Unzufriedenheit sogar konstant zu. Die Unternehmensvertreter klagen vor allem über die fehlende Praxisorientierung der Einsteiger. Zudem seien diese oft unreif und wenig lebenserfahren. Diese Einschätzung überrascht, denn schließlich kam die Forderung nach jüngeren Absolventen vor allem aus der Wirtschaft. Daneben fordert der DIHK nun eine stärkere Begrenzung der Studienplätze, da diese auf Kosten der dualen Berufsausbildung entständen. Dabei sollten die Studienplätze aber keineswegs nur nach den Abiturnoten vergeben, sondern alternative Voraussetzungen geprüft werden.

Viele Unternehmen haben ihre eigenen Schlüsse aus der aktuellen Debatte gezogen und bieten den Absolventen Trainee-Stellen an, die sie auf den eigentlichen Einstieg in das Unternehmen vorbereiten sollen. Auf solche Programme lassen sich die Ergebnisse einer aktuellen Gehaltsstudie wohl zumindest teilweise zurückführen.

Bachelorgehälter: Autoindustrie und Pharmabranche zahlen am besten

Die Zeitschrift PersonalMarkt veröffentlichte auf Basis von mehr als 150.000 aktuellen Vergütungsdaten eine Studie über die Einstiegsgehälter von Bachelor-Studenten. Im Licht der aktuellen Debatte um die unzureichende Qualifikation der Absolventen überraschen die Ergebnisse, denn das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Bachelors ist mit 42.400 Euro auffallend hoch.

Absolventen können vor allem in der Automobilbranche und in der Pharmaindustrie mit einem hohen Durchschnittsgehalt von 51.219 Euro beziehungsweise 50.375 Euro rechnen. Im Bankensektor verdienen Bachelor-Absolventen durchschnittlich 48.690 Euro. Im oberen Gehaltssegment liegen die Gehälter in diesen Branchen bei rund 61.000 Euro.

Es liegt nahe, die hohen Gehälter auf die zunehmende Verbreitung von Trainee-Stellen für Bachelorabsolventen zurückzuführen. Sind die Absolventen zu unerfahren, bilden die Unternehmen sie eben selbst bis zur Berufsreife aus – und können sie so schließlich entsprechend entlohnen. Das Trainee-Programm der Deutschen Telekom dauert beispielsweise 15 bis 18 Monate und führt die Absolventen in bis zu fünf verschiedene Geschäftsfelder ein. Dabei wird der Trainee von einem Mentoren begleitet und kann eine Phase im Ausland verbringen. Zusätzliche Trainings und Veranstaltungen runden das Programm ab. Diese intensive, unternehmensspezifische Ausbildung führt dazu, dass der Trainee einen vergleichbaren Wissensstand wie ein Masterabsolvent hat und dementsprechend ähnlich gut verdient.

Die Ziele der Bologna-Reform scheinen nur in notgedrungener Zusammenarbeit mit den Unternehmen erreicht werden zu können. Die Berufseinsteiger sind dadurch natürlich nur scheinbar jünger als zuvor.

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