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Is doch nur Geld

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ZEIT-Autorin Luisa interessiert sich nicht für Sparpläne – wie angeblich viele Frauen. Lässt sich Investieren lernen wie eine Fremdsprache? Zu Besuch auf einem Geldseminar.

"Geld ist ja da", stand auf einem Sticker in meiner alten WG-Küche. Die Küche ist Geschichte, die Einstellung habe ich behalten: Solange genügend Geld da ist, um das nächste Taxi zu bezahlen, gucke ich lieber nicht auf mein Konto. Mich mit Geld zu befassen, langweilt mich. Steuererklärung? Macht meine Steuerberaterin. Flug verpasst? Dann buche ich eben einen neuen. Wenn Verwandte beim Abendessen über die Rente reden wollen oder Kollegen mich nach meinem Vermögenssparplan fragen, verschwinde ich auf die Toilette.

Aktienkurse und Bausparverträge interessieren mich nicht, so wie mich auch Science-Fiction-Filme nicht interessieren. Der Unterschied ist: Aus meiner Abneigung gegen Scifi erwächst mir kein größerer Nachteil. Manchmal muss ich mir anhören, dass ich etwas verpasse oder keinen guten Filmgeschmack habe, aber damit kann ich leben.

Beim Geld ist es anders. Sich nicht für Geld zu interessieren hat Konsequenzen. In der Regel führt es dazu, dass man es schneller ausgibt und es sich eher nicht vermehrt. In Gehaltsverhandlungen und auf dem Flohmarkt gibt man sich mit dem erstbesten Angebot zufrieden. Schulden bei Freunden oder Kollegen vergisst man. Dass andere einem etwas schulden, allerdings auch. Was auf dem Konto so passiert: keine Ahnung.

Werde ich später arm sein?

Mir ist das im vergangenen Jahr passiert, als ich das Geld für die Airbnb-Wohnung für ein paar Freunde und mich in Tel Aviv vorgestreckt habe. Erst ein knappes Jahr später, als ich gezwungen war, mich mit meinem Kontostand auseinanderzusetzen, habe ich gemerkt, dass ich die 500 Euro nie bekommen hatte. Die Überweisung meiner Freunde kam nicht durch. Kein Ding, wirklich, wir haben darüber gelacht. Ist ja nur Geld. Und ein paar Tage später war es auch da.

Ein ungutes Gefühl blieb trotzdem. Was merke ich eigentlich noch alles nicht? Wie viele Honorare sind mir als freie Journalistin wohl schon entgangen, weil ich so selten auf mein Konto gucke? Wie viel Geld habe ich schon an kaum genutzte Fitnessstudios verloren, nur weil ich die Probeverträge erst viel zu spät gekündigt habe? Werde ich später arm sein? Trotz Job, einfach nur weil ich zu faul war, mich um eine private Altersvorsorge zu kümmern?

Ich fragte mich aber auch: Ist mein Desinteresse vielleicht nur eine faule Ausrede, weil ich zu feige bin, hart zu verhandeln und das Konzept von Markterwartung und Kurs-Gewinn-Verhältnis einfach nie so richtig verstanden habe? Ich entschied, es zu versuchen. Ich wollte den Umgang mit Geld lernen, so wie ich mal für ein Semester Türkisch gelernt habe.

Zu doof, um Aktien zu kaufen?

Als ich das erste Mal von einem Geldseminar für Frauen hörte, war ich empört. Als seien Frauen zu doof dafür, Aktien zu kaufen. Es interessierte mich einfach nicht. Dann recherchierte ich und merkte: Ob aus Desinteresse oder Unfähigkeit, wie mir geht es vielen Frauen. Frauen verdienen nicht nur weniger Geld als Männer. Sie sind auch schlechter darin es zu vermehren, wenn sie welches haben.

Ich rufe die Finanzprofessorin Alexandra Niessen-Ruenzi von der Uni Mannheim an, um sie zu fragen, was sie von einem Geldseminar für Frauen hält. Sie sagt: "Frauen sind nicht schlechter darin, sie haben es nur nicht gelernt." Niessen-Ruenzi muss es wissen: Sie forscht zu geschlechtsspezifischen Unterschieden auf dem Finanzmarkt und hat herausgefunden, dass Männern eine Geldanlage wichtiger ist als Frauen. Männer glauben häufiger als Frauen, dass es ihnen im Leben weiterhilft, sich mit Aktien auszukennen. "Dieser Unterschied in der Bedeutung, die Frauen und Männer der Geldanlage zumessen, ist der Kern des Problems", sagt Niessen-Ruenzi.

Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem Sie bereuen, dass Sie sich nicht mit Geldanlage beschäftigt haben. 

Finanzprofessorin Alexandra Niessen-Ruenzi, Uni Mannheim

Das Desinteresse der Frauen lässt sich kulturell erklären. Bis 1962 durften Frauen nicht mal ein eigenes Bankkonto eröffnen und noch bis 1974 brauchten sie die Erlaubnis ihres Ehemannes, um überhaupt Geld zu verdienen. Kurz: Frauen sind auch deshalb zurückhaltender mit Investitionen, weil sie sich lange gar nicht mit ihnen beschäftigen durften.

Weniger erfolgreich sind Frauen auf dem Finanzmarkt nicht: Eine Auswertung von 600.000 Wertpapierdepots der Direktbank ING Diba hat herausgefunden, dass weibliche Sparer in zwölf Monaten eine Rendite von 5,8 Prozent erzielten, männliche Sparer im selben Zeitraum nur 4,1 Prozent. Das könnte daran liegen, dass Männer ungeduldiger beim Investieren sind. Sie kaufen und verkaufen häufiger als Frauen. Dass Frauen insgesamt etwas erfolgreicher sind, könnte daran liegen, dass sie mehr abwägen und vorsichtiger sind.

"Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem Sie bereuen, dass Sie sich nicht mit Geldanlage beschäftigt haben", sagt Niessen-Ruenzi zu mir und es klingt ernst.

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