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Was sind Führungskompetenzen?

Konferenztisch

Quelle: Freeimages.com, johka

Viele leistungsorientierte Studenten haben den Wunsch, später einmal eine Führungsposition zu übernehmen. Doch was bedeutet es eigentlich, eine Führungskraft zu sein? Welche Kompetenzen muss man mitbringen? Was kommt auf einen zu? Wir haben mit Trainer und Berater Joachim Stempfle gesprochen. Er gibt unter anderem Seminare zum Thema Führungskompetenzen.

Ein großes Aufgabenfeld von atrain ist die Führungskräfteentwicklung. Dabei handelt es sich meist um von Unternehmen bezahlte Entwicklungsmaßnahmen für Führungskräfte, Führungsnachwuchskräfte oder Trainees. Für Forschungsprojekte arbeitet atrain auch mit Hochschulen zusammen - das stelle aber eher die Ausnahme dar, so Stempfle. "Bei den Hochschulen scheitert es meist an der Finanzierung. Kaum eine Hochschule bezahlt externe Firmen für Seminare. Die Dozenten können keine Seminare zum Thema Führung geben, da sie selbst oft wenig von Führungskompetenzen verstehen. Man muss selbst in einem Unternehmen tätig gewesen sein, um die Anforderungen zu kennen, die an Führungskräfte gestellt werden", sagt Stempfle.

Was eine gute Führungsperson ausmacht

Auf die Frage, was für ihn Führungseigenschaften seien, antwortet Joachim Stempfle: "Ich mag den Begriff Führungseigenschaften nicht, ich halte den Begriff "Kompetenzen" für angemessener. Früher dachte man, extrovertierte Menschen seien die besseren Führungspersonen. Heute weiß man aber, dass auch introvertierte Menschen gute Führungskräfte sein können." Die Führungsfähigkeit hängt also nicht nur von den Personeneigenschaften ab. "Es gibt drei große Kompetenzbereiche: die soziale Kompetenz, die sogenannten "Business-Fähigkeiten" und der Umgang mit der eigenen Person", erklärt er. Nachfolgender Kasten gibt eine Übersicht, darüber was man sich unter diesen Kompetenzen vorstellen kann. "Die Ansprüche an Führungskräfte sind aber je nach Unternehmen unterschiedlich und werden in der Regel in Form eines Führungskompetenzmodells firmenintern beschrieben", so Joachim Stempfle.

Niemand wird als Führungskraft geboren

Was kann man also tun, um seine eine gute Führungskraft zu werden. Kann man Führungskompetenzen erlernen? Joachim Stempfle sagt: "Voraussetzungen der Persönlichkeit, zum Beispiel Drive und Gestaltungswille, sind wichtig, aber Führungskompetenzen sind innerhalb bestimmter Grenzen erlernbar. Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine Person in allen genannten Führungskompetenzen gleich stark ist." Daher gibt es generell zwei Möglichkeiten für eine Führungskraft, mit ihren Schwächen umzugehen. Entweder sie arbeitet an ihren Schwächen oder sie kompensiert ihre Schwächen. Das kann sie zum Beispiel tun, indem sie bestimmte Aufgaben an Mitarbeiter delegiert, die die Aufgabe gut erfüllen können.

Studenten spielen Chef

Viele Studenten haben vor, nach ihrem Studium eine Führungsposition zu erreichen. Doch wissen sie überhaupt, was es heißt, eine Führungskraft zu sein. Joachim Stempfle kann von den Erfahrungen mit seinen Seminarteilnehmern berichten. "Das Führungsverständnis und die Führungspotenziale sind bei den Studenten unter unseren Seminarteilnehmern sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es ist immer sehr von der Person und dem Studienfach abhängig. Viele Studenten stellen sich Führung sehr einfach vor, sie glorifizieren sie. Aber es gehört viel dazu, auf dem Chefsessel zu sitzen", erklärt er. "Man muss sich im Klaren darüber sein, was auf einen als Führungskraft zukommt. Und man muss bereit sein, sich ständig weiterzuentwickeln. Denn man kommt als Führungskraft oft in schwierige Situationen. Um das den Studenten bewusst zu machen, sind Rollenspiele in den Seminaren sehr wichtig", untermauert Stempfle.

Die eigenen Mitarbeiter für sich gewinnen

Im Laufe der Zeit haben sich die Anforderungen an Führungskräfte massiv gewandelt. Das liegt nicht nur an den Unternehmen, sondern auch an den Mitarbeitern, die anspruchsvoller geworden sind. Sie fordern Feedback und wollen ebenso gefordert wie gefördert werden. "Viele Studenten haben noch keine Vorstellung davon, wie schwierig es ist, Mitarbeiter zu führen. Eine formale Legitimation als Führungskraft reicht noch lange nicht aus – erfolgreiche Personalführung heißt, die eigenen Mitarbeiter zu gewinnen und sich fortlaufend deren Akzeptanz und Respekt zu erarbeiten. Gleichzeitig muss man die vorgegebenen Ziele erreichen. Daraus entstehen Spannungsfelder und Konflikte, die vielfach nur schwer aufzulösen sind. Das ist vielen so nicht bewusst", untermauert Stempfle.

Naturwissenschaftler im Nachteil

Allgemein haben Studenten naturwissenschaftlicher Fächer einen Nachteil beim Thema Führungskompetenz, da dieses Feld im Studium in der Regel nicht beackert wird. Besonders für Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer ist es daher wichtig, sich frühzeitig mit Führungskompetenzen zu beschäftigen. Denn sie landen oft in Führungspositionen und sind dann meist unvorbereitet. "Ich habe von vielen jungen Führungspersonen gehört, die keine Ahnung hatten, was auf sie zukommt und einfach ins kalte Wasser geschmissen wurden. Wir haben das Seminar "Leadership" bei Roche auch deshalb angeboten, um Hochschulabsolventen einen frühzeitigen Einblick in die Führungspraxis zu ermöglichen", so Stempfle.

Unterstützung für die Hochschulen

Dr. Dieter Scheidemandel (79) ist Gründungsgesellschafter des gemeinnützigen Dr. Meyer-Camberg-Instituts. Er setzt sich dafür ein, dass Hochschulen nicht nur Fachvorlesungen, sondern auch Soft-Skill-Seminare in ausreichender Anzahl und Qualität anbieten. Denn Soft Skills sind besonders in Führungspositionen sehr wichtig. "Die Öffentlichkeit und auch die Studenten müssen sich bewusst werden, dass sich Hochschulen nicht darauf beschränken dürfen, nur Fachwissen zu vermitteln, sondern auch Persönlichkeitswerte", so Scheidemandel. Die Hochschulen verfügen allerdings bislang über zu wenig ausgebildetes Personal, um genügend Seminare zum Erwerb dieser Fähigkeiten anzubieten. Die Seminare sollten nach den Erfahrungen der Wirtschaft auf zwölf Teilnehmer beschränkt sein.

Junge Leute lernen leichter

Die Hochschulen brauchen deshalb Unterstützung von außen, zum Beispiel von Stiftungen. Allerdings fehlt derzeit noch die Erkenntnis, dass die Ausbildung der persönlichen Fähigkeiten ein sehr wichtiges und nützliches Betätigungsfeld für Stiftungen ist. "Man hat dort noch nicht erkannt, welche große Breitenwirkung man erzielen könnte, wenn unsere Hochschulabsolventen nicht nur gute Fachleute wären, sondern an den Hochschulen auch in angemessener Weise Führungskompetenzen vermittelt bekämen", sagt Scheidemandel. "Unsere Trainer übernehmen äußerst gerne Studentenseminare, weil sie hier mit sehr motivierten Seminarteilnehmern arbeiten können, die sehr gute Lernerfolge aufweisen. Mit bereits länger im Beruf stehenden, in ihren Verhaltenmustern schon stark geprägten Arbeitnehmern, die noch dazu weniger aus eigenem Antrieb als auf Anordnung des Chefs kommen, sind Seminarerfolge wesentlich schwerer zu erreichen."

Warum ist es für dich wichtig, Soft-Skill-Seminare schon während des Studiums zu besuchen?

Weil man während des Studiums mehr Zeit hat und man sich mit Soft Skill-Seminaren gut auf den Beruf vorbereiten kann. Zudem bewirbt man sich schon während des Studiums und braucht das Wissen auch für Bewerbungsgespräche. Nach dem Studium wäre meiner Ansicht nach schon zu spät.

Werden an deiner FH Soft Skills vermittelt?

Im Rahmen der allgemeinwissenschaftlichen Pflichtfächer werden Seminare zu beispielsweise Rhetorik oder Mitarbeiterführung gegeben, allerdings sind die Kurse sehr schnell belegt und für die große Zahl der Studenten nicht ausreichend.

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Kommentare (2)

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  1. Sieger

    Sinnlos

    Führer sind geboren. Sie brauchen keine bezahlten Flüsterer.

  2. Thilo

    Datum?

    Sehr guter Artikel! Ist der Artikel aus diesem Jahr?

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