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Mehr als Kaffeekränzchen für die Karriere

Powerfrau Boss Motivation Erfolg [Quelle: Unsplash.com, Autor: Brooke Lark]

Quelle: Unsplash.com, Brooke Lark

Nahezu jedes größere Unternehmen hat ein eigenes Frauennetzwerk – und auch private Initiativen speziell für Frauen gibt es in Fülle. Was hat es mit diesen Bündnissen auf sich – und was bewirken sie? Immerhin sind die Führungsetagen nach wie vor männlich dominiert. Wir haben nachgefragt.

Ohne Kontakte keine Karriere: Immer wieder zeigt sich, dass das Vorwärtskommen im Job nicht nur von Leistung und/oder Glück abhängt, sondern auch davon, die richtigen Leute zu kennen und sie auf von sich zu überzeugen. Denn nur jede zweite oder dritte Stelle – die genaue Zahl variiert je nach Quelle – wird überhaupt ausgeschrieben. Auch Aufträge werden gerne an Personen vergeben, die man schon kennt und denen man vertraut. Netzwerken ist also Pflicht, wenn man es beruflich zu etwas bringen will.

Leichter gesagt als getan: Vielen Menschen widerstrebt die Vorstellung, andere aktiv um Unterstützung zu bitten und ihre Beziehungen "auszunutzen". Gerade Frauen wird diese Hemmung zum Verhängnis – denn gleichzeitig müssen sie auch noch gegen das Prinzip der sozialen Homophilie ankämpfen: Gemäß des Mottos "Gleich und gleich gesellt sich gern" bevorzugen wir unbewusst die Menschen, die uns ähnlich sind – und für Ähnlichkeit ziehen wir neben Herkunft und Bildungsgrad auch das Geschlecht als Kriterium heran. Heißt: Wenn auf Führungspositionen vor allem ältere Männer sitzen, haben junge Männer eher die Chance auf Förderung als junge Frauen.

Diese Probleme abzufangen ist ein Grund, aus dem seit den Neunzigerjahren vermehrt Frauennetzwerke gegründet wurden und werden – als private Initiative ebenso wie in Unternehmen. Trotzdem sind auch im Jahr 2017 die Führungsetagen noch überwiegend mit Männern besetzt. Haben Frauennetzwerke also ihre Wirkung verfehlt? Und sollten Frauen unter diesen Umständen nicht lieber mit Männern netzwerken? Über diese Frage haben wir mit Vertreterinnen unternehmensinterner und privat initiierter Frauennetzwerke gesprochen.

XX-Change

Wann und warum wurde Ihr Netzwerk gegründet?

Im Herbst 2015 saßen wir im Biergarten auf dem Oktoberfest. An eine Initiative für Frauen hatten wir schon länger gedacht, hier aber den Entschluss gefasst, klein und unkompliziert anzufangen. Wir wollten eine Plattform schaffen, auf der sich Frauen offen und ehrlich begegnen. Dem "Ich bin Karrierefrau, Übermutter, Teilzeit-Model und führe die perfekte Beziehung"-Gehabe, das wir in manchem Karrierenetzwerk beobachteten, wollten wir eine Alternative entgegensetzen.

Was ist die Grundidee von XX-Change?

Die Grundidee ist, einen Raum zu schaffen, in dem sich Frauen austauschen, inspirieren und kooperieren. Wir treffen uns alle zwei Monate. Eine Teilnehmerin gibt einen Impuls zu einem Thema, das sie bewegt – sei es ihre Gehaltsverhandlung, ihr Kinderwunsch oder ihr Fotoprojekt. Danach bleibt Raum zum Austausch. Wir wünschen uns Offenheit nach innen und Diskretion nach außen. So hoffen wir, dass eine echte Kooperationskultur anstelle einer Wettbewerbskultur gelebt werden kann. Das hat bisher so gut funktioniert, dass es uns selbst überrascht hat.

Welche Erfolge kann Ihr Netzwerk bereits vorweisen?

Messbarer Erfolg ist nicht das, worum es uns geht. Wir verstehen uns weder als Karrierefeminismus-Seminar noch als esoterischen Gesprächskreis. Gewonnen ist schon etwas, wenn der Austausch funktioniert, die Frauen zufrieden und bestenfalls inspiriert nach Hause gehen. Das kann die vermeintlich banale Erkenntnis sein, dass wir alle während einer Jobsuche schon mal den Glauben an uns selbst verloren haben. Wir freuen uns aber natürlich sehr, wenn wir sehen, dass unser Netzwerk Früchte trägt: Eine Teilnehmerin hat für ihr Buch ("Der große Polt") jemanden gesucht, der bayerische Wörter in Lautschrift übersetzen kann. Das hat geklappt.

Sollten Frauen nicht lieber mit Männern netzwerken – wo doch die Führungsetagen überwiegend mit Männern besetzt sind?

Natürlich sollen und können Frauen mit Männern netzwerken. Die Praxis zeigt aber, dass das manchmal immer noch schwierig ist, auch wenn die klassischen "Silberrücken" seltener werden. Es gibt immer noch eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster (bei Männern und Frauen), die Frauen strukturell benachteiligen. Unbedacht ausgesprochene Sätze wie "Wir müssen aufpassen, nicht irgendwann nur noch junge Frauen im gebärfähigen Alter im Unternehmen zu haben" fallen in diese Kategorie. Wir sind nicht naiv, aber eines glauben wir trotzdem: Wenn Frauen sich unterstützen, profitieren am Ende alle davon.

Kontakt und weitere Informationen unter xx-change@posteo.de.

webgrrlies

Wann und warum wurde Ihr Netzwerk gegründet?

Die webgrrls wurden vor 20 Jahren gegründet, als die ersten Berufe mit den digitalen Medien entstanden. Wir, die sogenannten digital immigrants, haben uns damals an die digitalen Medien herangetastet und es kamen die ersten Berufe im Online-Bereich auf. Aus diesem Anlass haben sich die webgrrls gegründet – für Frauen in digitalen Berufen, daher auch unser Name. Das Netzwerk hat sich schnell über die ganze Bundesrepublik ausgebreitet und heute hat jedes Bundesland eine eigene Regionalleitung. Seit 15 Jahren haben wir uns in Bayern auch für Frauen aus anderen Berufen geöffnet. Wir machen regelmäßig Veranstaltungen. In Bayern haben wir jeden Monat mindestens zwei. Wir hören Vorträge, frühstücken gemeinsam oder gehen Mittagessen. Austausch ist ein zentraler Punkt in unserem Netzwerk. Für junge Frauen – wir sagen immer bis "gefühlte 32" – haben wir in Bayern vor zwei Jahren die webgrrlies ins Leben gerufen. Für die gibt es pro Jahr noch einmal vier eigene Veranstaltungen. Unser Ziel ist es, den jungen Damen einen besseren Berufseinstieg zu ermöglichen. Dafür behandeln wir Themen wie Studienwahl, Berufswahl, Gehaltsverhandlungen oder Konfliktmanagement am Arbeitsplatz.

Welche Erfolge kann Ihr Netzwerk bereits vorweisen?

Wir haben ein webgrrlie, das ist Anfang 20 und arbeitet bei einer Unternehmensberatung. Sie hat regelmäßig unsere Workshops und Einzel-Coachings besucht und ist dann gestärkt in ihre nächste Gehaltsverhandlung gegangen. Das Ergebnis: sechs Tage mehr Urlaub und eine Gehaltserhöhung von 20 Prozent. Der Trick dahinter war ganz einfach: Sie hat sich optimal auf ihren Chef eingestellt, genau analysiert, wie er tickt und wie sich genau auf ihn eingehen kann. Das ist eine Geschichte, die erzählen wir immer wieder gerne. Die webgrrlies profitieren vom Input der webgrrls: Alle, die bei unseren Veranstaltungen referieren, sind schon jenseits der 40. Unser Ziel ist, unsere Erfahrungen aus unserem langen Berufsleben weiterzugeben, damit die jungen Damen nicht mehr die gleichen Probleme haben wie wir.

Sollten Frauen nicht lieber mit Männern netzwerken – wo doch die Führungsetagen überwiegend mit Männern besetzt sind?

Jein. Als Grundlage und für die ersten Schritte des Netzwerkens ist ein geschützter Raum wie ein Frauennetzwerk sicherlich ein sehr guter Einstieg. Wir können Dinge wie Gehaltsverhandlungen gezielt üben oder uns bei der Jobfindung unterstützen. Wir können uns aber auch einfach mal ausheulen. Je weiter die Karriere voranschreitet, umso wichtiger ist es, auch mit Männern zu netzwerken. Die machen uns ja seit Jahrhunderten vor, wie das funktioniert, wie man sich in Vereinigungen zusammenschließt. Ab gewissen Positionen geht es überhaupt nicht mehr ohne die Männer. Aber gerade am Anfang – deshalb habe ich auch die webgrrlies mitgegründet – sind wir da und geben Hilfestellung, rücken zusammen und schauen auch: Was ist typisch weiblich? Viele von uns sind schlechter im Verhandeln, sind schlechter im Durchsetzen usw. Den Unterschieden geben wir Raum und sagen dann aber: "So, ihr Lieben, jetzt geht es mal zur Sache“.

Aber am Ende geht es ohne die Männer natürlich nicht. Deswegen dürfen die auch gerne zu unseren webgrrlies-Veranstaltungen kommen. Eine Mitgliedschaft ist nicht möglich, aber gegen eine Gebühr können sie bei Vorträgen dabei sein.

Kontakt und weitere Informationen: www.webgrrls-bayern.de

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