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Der Ball liegt bei den Banken

Frau Flipchart Präsentation Referat Rhetorik [© Robert Kneschke - Fotolia.com]

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Der UBS-Verwaltungsratsvorsitzende über die Männerdominanz in den Banken, die Vorzüge weiblicher Vorstandschefs und die gesellschaftliche Verantwortung der Branche.

Axel Weber hat sichtlich Gefallen gefunden an seinem Job als Verwaltungsratspräsident der Schweizer UBS – nicht zuletzt auch an den landschaftlichen Vorzügen seines Dienstsitzes. Zu Beginn des Interviews zieht er die Vorhänge auf, um den Blick auf die immer noch schneebedeckten Berge rund um den Zürichsee freizulegen. Ausnahmsweise soll es im Interview mit dem Handelsblatt nicht vorrangig um die UBS und die Geldpolitik gehen, sondern vor allem um die Frauenförderung. Anlass ist der erste "Women's Finance Summit" des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung am Dienstag in Berlin, für den sich Weber persönlich sehr engagiert hat. Denn mehr Frauen im Investmentbanking hätten die Exzesse der Finanzkrise, die auch die UBS hart getroffen hat, vielleicht verhindern können, sagt er.

Herr Weber, Sie wollen das Thema Frauenförderung voranbringen. Aber in der UBS-Konzernleitung sind bislang lediglich zwei von zwölf Mitgliedern Frauen, halb so viele wie angepeilt. Woran liegt das, an den Frauen oder an der UBS?

Ich finde, wir haben mit der Ernennung von Sabine Keller-Busse und Kathryn Shih in die Konzernleitung vor anderthalb Jahren einen guten Anfang gemacht, und im Verwaltungsrat sind von elf Mitgliedern vier Frauen. Mein erklärtes Ziel ist es, dort über die Zeit die Parität zu erreichen. Grundsätzlich ist unsere Ambition, den Anteil von Frauen in Führungspositionen auf ein Drittel zu erhöhen. Aber da werden wir nicht aufhören. Gerade auch in der Vermögensverwaltung sollten wir deutlich mehr Frauen in Führungspositionen haben.

Warum gerade da?

Zum einen investieren Frauen anders als Männer. Die Mehrheit der Frauen ist nicht nur an finanziellen Gewinnen interessiert, sondern sie wollen auch etwas in der Gesellschaft bewegen. Und zum anderen befinden sich mittlerweile über 30 Prozent des globalen Vermögens in den Händen von Frauen. Die Banken können hier eine Vorreiterrolle einnehmen, indem sie Frauen stärker in die Investmentprozesse einbeziehen.

Das heißt, es geht bei der Frauenförderung eigentlich nur ums Geschäft?

Nein, natürlich nicht. Aber neben allen gesellschaftlichen Gründen gibt es immer auch einen geschäfts-politischen Aspekt. So beraten wir in der Vermögensverwaltung auch viele Erben. Dort haben sie schon aus rein demografischen Gründen einen überproportionalen Anteil an Kundinnen. Und auch die Anzahl der Unternehmerinnen steigt stetig.

Dennoch hinken Banken beim Frauenanteil weiter hinterher. Würden gesetzliche Quoten helfen?

Ich halte Zwang immer nur für den zweitbesten Weg. Aber der Ball liegt ganz klar bei den Banken. Die Branche muss verstehen, dass es schon aus reinem Eigeninteresse gute Gründe dafür gibt, Frauen in ihrer Karriere zu helfen.

Und wie kann man dabei helfen?

Wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg. Wir fokussieren uns auf drei Dinge: Zum einen wollen wir mehr Frauen einstellen. So hat UBS 2016 ein Programm lanciert, mit dem wir Frauen, die aus familiären Gründen für mehr als zwei Jahre aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, dabei helfen, die Karriere wiederaufzunehmen. Zweitens wollen wir weniger Frauen verlieren. Und drittens wollen wir natürlich auch mehr Frauen befördern.

Bis wann wollen Sie den Anteil der Frauen in Führungspositionen auf ein Drittel anheben?

Wir haben keinen festen Zeitrahmen. Aber es ist klar, dass wir das bei jeder neu zu besetzenden Stelle fest im Blick haben. Ich führe beispielsweise derzeit Gespräche für die Nachbesetzung des in diesem Jahr aus dem Verwaltungsrat ausgeschiedenen Joseph Yam. Dabei ist klar, dass wir wieder jemanden mit Asien-Expertise suchen. Gerade in dieser Region gibt es sehr viele Frauen in Führungspositionen.

Warum ist das Thema für Sie so wichtig?

Wir müssen versuchen, Expertise aus allen möglichen Lebensbereichen in die Bank zu bringen. Vor der Finanzkrise herrschte Monotonie an der Spitze der Banken: alles Männer mit Finanzerfahrung. Heute werden Banken viel stärker von der Öffentlichkeit beobachtet, und die Kundenbasis hat sich ebenfalls verändert. Sie müssen schon allein deshalb in ihren Führungsgremien sehr viel stärker die Gesellschaft insgesamt repräsentieren. Außerdem belegen viele Studien, dass ein vielfältiges Team bessere Resultate hervorbringt.

Frauen erhalten oft an Männerkarrieren orientierte Tipps, um voranzukommen. Wenn Frauen nur die besseren Männer sein sollen, klappt es dann wirklich mit der Vielfalt?

Es geht eben gerade nicht darum, dass Frauen Männerkarrieren machen sollen. Sondern darum, dass Frauen Karriere machen. Es gibt aus meiner Sicht keine Muster für einen typischen Karriere- weg, weder für Frauen noch für Männer. Das ist bei jedem etwas anders. Beratungsexpertise, die Fähigkeit, sich in Kunden reinzudenken, ist bei Frauen häufig stärker ausgeprägt. Es ist aber leider so, dass Frauen in höheren Rängen unterrepräsentiert sind. Dabei haben wir eine sehr breite Basis an top ausgebildeten Frauen. Aber der Alltag im Beruf führt oft dazu, dass viele von ihnen auf der Karriereleiter nicht weiterkommen. Genau das müssen wir korrigieren, indem wir dafür sorgen, dass Familie und Beruf besser vereinbar gemacht werden können.

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