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"Frauen brauchen keinen Papageien"

Frauen im Gespräch [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Frauen werden häufig belehrt und unterbrochen. Oft werden ihre Ideen überhört. Welche Strategien dagegen helfen, erklärt die Kommunikationstrainerin Isabel García.

ZEIT ONLINE: Frau García, in den USA hat sich ein neuer Begriff etabliert: Manterrupting, also wenn Männer Frauen beispielsweise in Meetings unterbrechen. Warum haben besonders Frauen häufig im Job das Gefühl, dass sie sich rhetorisch nicht durchsetzen können?

Isabel García: Ich glaube, das hat viel mit Geschlechterstereotypen zu tun. Gerade in Politik und Wirtschaft bestimmen Hierarchien noch sehr stark, wer Macht hat und gehört wird. Emotionen gelten oft noch als unprofessionell. Meiner Beobachtung nach neigen Frauen dazu – nicht zuletzt bedingt durch traditionelle Geschlechterrollen –, emotional zu kommunizieren. Sie haben einen kooperativen Kommunikationsstil.

Woran machen Sie das fest?

Ein kooperativer Kommunikationsstil liefert oft mehr Hintergrundinformationen. Frauen, die so sprechen, gehen in der Regel davon aus, der andere wolle den Gesamtzusammenhang verstehen. Sie sagen dann nicht etwa: "Das Projekt läuft gut." Sondern erwähnen vielleicht auch, wie die Startschwierigkeiten überwunden wurden, ehe sie zu der Aussage kommen, dass das Projekt gut läuft. Diese Kommunikation wirkt aber auf Menschen, die einfach nur an einer der Kernbotschaft interessiert sind, nicht klar. Und wer generell dominant ist, neigt dann automatisch dazu, den anderen zu unterbrechen, um ihn auf diese Weise auf den Punkt zu bringen. Wichtig ist aber: Das gilt ganz sicher nicht für alle Männer und Frauen. Aber eine gewisse Tendenz bei den jeweiligen Geschlechtern ist erkennbar.

Im Weißen Haus sollen die Mitarbeiterinnen nun ein Bündnis geschlossen haben: Wenn eine Frau in einer Besprechung eine gute Idee äußert, wiederholt eine andere das Gesagte, um dem Inhalt mehr Gehör zu verschaffen. Das soll auch verhindern, dass ein Mann die Idee wiederholt und als seine ausgibt. Ist das eine sinnvolle Strategie?

Zunächst ist es sicherlich gut, sich Verbündete zu suchen. Andererseits begeben sich Frauen mit dieser Strategie mental in eine unterlegene Rolle – wer sich aber als kleiner betrachtet, steht mit den anderen in der Kommunikation nicht auf Augenhöhe. Besser ist es, diese Augenhöhe herzustellen. Denn Frauen brauchen keinen Papageien, der das Gesagte nachplappert.

Aber oft werden Frauen nicht auf Augenhöhe wahrgenommen.

Ich glaube, dass das nicht immer wirklich so ist. Ob ich auf Augenhöhe wahrgenommen werde, hängt auch von meiner eigenen Einstellung ab. Man kann tatsächlich viel über den Kopf – also das Mentale – steuern. Sobald sich jemand als ebenbürtig wahrnimmt, verhält er oder sie sich auch so.

Sie behaupten also, es stimmt gar nicht, dass Frauen häufiger unterbrochen werden? Oder sie sind selbst daran schuld?

Nein, das sage ich nicht. Es stimmt, dass Frauen das häufiger als Männer erleben. Oder auch, dass andere ihnen ihr eigenes Fachgebiet ungefragt erklären. Das ist unverschämt, ja. Aber dieses Verhalten ist kein Grund, sprachlos zurückzubleiben und sich dann tatsächlich kleiner zu fühlen. Oft ist so ein Kommunikationsverhalten gar nicht so persönlich gemeint, wie es ankommt. Denn ob uns die Kommunikation eines anderen verletzt, das entscheiden wir immer noch selbst.

Wie meinen Sie das?

Es lohnt sich, die Unterbrechung gar nicht erst emotional zu bewerten. Kritik an einer Idee bedeutet nicht automatisch auch Kritik an der Person. Ebenso wenig bedeutet das Befürworten einer Idee, dass auch die Person befürwortet wird. Wer merkt, dass die Kommunikation im Team einem persönlich zu schaffen macht, kann versuchen, den Inhalt des Gesagten zu komprimieren und zu analysieren: Was wurde wirklich gesagt? Interpretiere ich vielleicht eine Aussage hinein, die gar nicht kommuniziert wurde?

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