Partner von:

Sparen und arbeiten

Sparschwein, Sparen, Geld [Quelle: unsplash.com, Autor: Fabian Blank]

Quelle: unsplash.com, Fabian Blank

Eine Studie belegt erstmals den engen Zusammenhang zwischen Lebensarbeitszeit und Größe der Rentenlücke an lebensnahen Beispielen.

Aktuell liegt das gesetzliche Rentenniveau bei 48 Prozent des Nettoeinkommens vor Steuern. So lautet die amtliche Ziffer. Sie gilt für einen Arbeitnehmer, der 45 Jahre lang immer das jeweilige Durchschnittseinkommen erzielt hat. Das schafft kaum jemand. Und daher lässt sich an dieser abstrakten Zahl auch sehr schlecht ablesen, wie viel zusätzliche Vorsorge nötig ist.

Eine neue Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag von Fidelity International hat versucht, anhand typischer Erwerbsverläufe heute 43-jähriger Männer und Frauen zu einer realistischeren Einschätzung zu kommen. 85 Prozent des letzten verfügbaren Einkommens sind danach nötig, um den erreichten Lebensstandard zu halten. Dabei steigt das Einkommen der Männer während ihres Erwerbslebens deutlich, während die Lohnkurve bei Frauen im Durchschnitt deutlich flacher verläuft.

So kann eine 1975 geborene Friseurin mit einem aktuellen Monatseinkommen von 1.473 Euro, wenn sie mit 63 in Rente geht, laut Studie eine gesetzliche Rente von 908 Euro in heutigen Preisen erreichen. Ihr Einkommen wächst bis dahin auf 1.859 Euro. Um die Rentenlücke zu schließen, braucht die Friseurin 88.500 Euro Vorsorgevermögen. Dazu müsste sie ab sofort 240 Euro monatlich, also 15,6 Prozent ihres Einkommens, etwa in eine Riester-Rente einzahlen – eine Realverzinsung von drei Prozent vorausgesetzt. Ginge sie mit 65 in Rente wären 167 Euro nötig. Bei der für den Geburtsjahrgang 1975 geltenden Regelaltersgrenze von 67 Jahren wären es aber nur noch 116 Euro, bei Rentenbeginn mit 70 gar nur 45.

Bei Besserverdienern läuft es nicht anders. So müsste ein gleichaltriger verheirateter Softwareentwickler mit 4.715 Euro Bruttogehalt ab sofort über 1.077 Euro, also mehr als ein Fünftel seines Einkommens auf die hohe Kante legen, um die ihm bei Rentenbeginn mit 63 drohende Versorgungslücke von 396.000 Euro bis Lebensende zu schließen. Bei Rentenbeginn mit 67 wären es 651 Euro im Monat und bei Rentenalter 70 nur 412 Euro. Würden die Friseurin und der Softwareentwickler von Anfang an ergänzend vorsorgen, wären zur Sicherung des Lebensstandards bei Rentenbeginn mit 70 nur 1,2 Prozent beziehungsweise 4,4 Prozent des Gehalts als ergänzende Vorsorge erforderlich. Sieben Konstellationen haben die Bochumer Experten durchgerechnet. "Jedes Mal zeigt sich", so Finanzwissenschaftler Martin Werding, dass der zusätzliche Vorsorgebedarf durch die Wahl eines späteren Rentenbeginns stark gesenkt werden kann." Bei vorzeitigem Rentenbeginn sei die erforderliche Zusatzvorsorge dagegen oft kaum noch zu leisten.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel
Jobletter

Alle 2 Wochen Jobs & Praktika in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren