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Vermögensunterschiede in einer Beziehung

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Quelle: Christin Hume, unsplash.com

Wie bestreitet man denselben Alltag mit verschiedenen Mitteln? Wie sorgt man für eine gemeinsame Zukunft vor – und wie für eine getrennte? Über Vermögensunterschiede in einer Beziehung, und was eine Anwältin und eine Paartherapeutin raten.

Von außen sieht man es vielen Paaren nicht an. Wenn zum Beispiel Jochen und Sabine wie jeden Donnerstag beim Italiener das Wochenende einläuten, müsste man genau hinschauen, um zu erkennen, dass Sabine sich ein bisschen mehr freut über den Primitivo, den der Wirt spendiert; oder dass für Sabine nach dem Roten Schluss ist, während Jochen sich noch ein Helles genehmigt – und dann die Rechnung übernimmt. Das Ehepaar isst in denselben Restaurants, kauft dieselben Theaterkarten und fährt in denselben Urlaub. Die Kontostände und Gehaltszettel der beiden aber weisen weniger Gemeinsamkeiten auf.

Als Projektmanagerin verdient Sabine nicht einmal halb so viel wie ihr Partner, der sein eigenes Unternehmen führt. Auch ihr angespartes Vermögen ist deutlich kleiner als das ihres Mannes. Wenn Sabine dann noch drei Jahre zur Familiengründung aus dem Job aussteigt, werden die Vermögensunterschiede weiter wachsen. Und während Jochen irgendwann zwei Eigentumswohnungen im Zentrum Frankfurts erben und damit fürs Alter vorgesorgt haben wird, muss sie sich mit ihrer Schwester ein geerbtes altes Häuschen auf dem Land teilen.

So wie Sabine und Jochen geht es vielen (heterosexuellen) Paaren in Deutschland – sei es wegen systematischer Defizite wie der Gender Pay Gap, infolge individueller Entscheidungen wie der Wahl eines Studienfachs, oder schlicht aufgrund zufälliger Faktoren wie Erbschaften und Schenkungen. Sechs Prozent beispielsweise verdienen Frauen bei gleicher Arbeitsleistung und Qualifikation im Durchschnitt weniger als ihre männlichen Kollegen; die unbereinigte Gender Pay Gap beträgt sogar über 20 Prozent. Und während sich die Vaterschaft nicht nachweisbar auf das persönliche Nettovermögen von Männern auswirkt, wächst das Nettovermögen von Müttern signifikant langsamer als das von Frauen ohne Kinder. Kaum verwunderlich, dass das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung das durchschnittliche individuelle Nettovermögen einer Frau in Deutschland mit lediglich 70.000 Euro beziffert, während es beim Mann im Schnitt 27.000 Euro mehr sind. Schlägt sich dann noch das Glück in Form einer Erbschaft auf die Seite des Besserverdienenden, gerät im Kern einer Beziehung etwas ins Wanken. Wahrgenommen wird diese Schieflage nahezu täglich – angesprochen deutlich seltener.

Kein Wunder, sagt Paarberaterin Alexandra Hartmann: "In Deutschland ist es generell schwer, über Geld zu sprechen – auch außerhalb von Paarbeziehungen. Nicht umsonst sagt man hierzulande: Über Geld spricht man nicht, man hat es. Das Schweigen hat also weniger mit der Paarbeziehung selbst als mit unserer Erziehung und Kultur zu tun."

Unproblematischer wird der Mangel an Kommunikation dadurch aber nicht: "Die größte Todsünde in einer Beziehung ist, zu schweigen, zu lügen oder sich zu verstellen, wenn einen etwas stört – dazu gehört auch die finanzielle Unausgeglichenheit einer Beziehung", betont Hartmann. Wie wichtig es wäre, über Finanzen zu sprechen, zeigt auch eine Statista-Umfrage: Ein ungleiches Maß von Geben und Nehmen ist der dritthäufigste Trennungsgrund in Deutschland – womit zwar nicht nur, aber auch finanzielles Geben und Nehmen gemeint ist.

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