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Sparschwein Sparen Geldanlage [Quelle: Pixabay.com, Autor: andibreit]

Quelle: Pixabay.com, andibreit

Ab 2018 greifen einige steuerliche Änderungen, auf die es einen Blick zu werfen lohnt. Einige positive Entwicklungen beruhen auf Gerichtsentscheidungen, die auch die Finanzverwaltung zum Umdenken bewogen haben.

Zu Jahresbeginn erhöht sich das monatlich ausgezahlte Kindergeld für das erste und zweite Kind auf 194 Euro, für das dritte Kind auf 200 Euro und ab dem vierten Kind auf jeweils 225 Euro. Der Kinderfreibetrag steigt dann auf 3.714 Euro, bei zusammenveranlagten Eltern auf 7.428 Euro. Allerdings wird das Kindergeld nur noch für sechs Monate rückwirkend nach Antragstellung ausgezahlt. Kindergeldberechtigte sollten daher künftig die Anträge auf Kindergeld rechtzeitig stellen, um nichts zu verschenken.

Zumindest ein wenig werden sich die folgenden Faktoren auswirken: die Erhöhung des Grundfreibetrags in der Einkommensteuer auf 9.000 Euro, der jedem Steuerpflichtigen zusteht; der Höchstbetrag für berücksichtigungsfähigen Unterhalt auf ebenfalls 9.000 Euro; der weitere Abbau der sogenannten kalten Progression.

Schafft ein Arbeitnehmer Arbeitsmittel an, die er beruflich im Rahmen seiner nichtselbstständigen Tätigkeit nutzt, kann er die Aufwendungen als Werbungskosten geltend machen. Hier wird zum Jahresstart die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) von 410 Euro auf 800 Euro netto angehoben. Liegt also etwa der Kaufpreis für einen Bürostuhl unter 800 Euro netto (952 Euro brutto), können die Kosten im Jahr des Kaufs sofort in voller Höhe als Werbungskosten angesetzt werden. Bei darüberliegenden Kosten müssen diese auf ihre Nutzungsdauer verteilt werden – zum Beispiel bei einem PC regelmäßig über drei Jahre.

Eine positive Änderung ergibt sich aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs. Wenn mehrere Steuerpflichtige die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer erfüllen (unter anderem kein anderer Arbeitsplatz) und sich ein häusliches Arbeitszimmer teilen sowie die entsprechenden Kosten aufteilen, kann nun jeder den Höchstbetrag von 1.250 Euro nutzen. Das Urteil bedeutet aber auch für den Fall, dass von einer Person mehrere Arbeitszimmer genutzt werden, zum Beispiel bei doppelter Haushaltsführung, der Höchstbetrag nur einmal genutzt werden kann.

Neuigkeiten gibt es für Arbeitnehmer, denen ein Dienstwagen auch zur privaten Nutzung überlassen wurde. Wird der geldwerte Vorteil nach der Ein-Prozent-Methode berechnet, also ein Prozent des Listenpreises jeden Monat als steuerpflichtiger Betrag veranschlagt, können nun auch individuell getragene Aufwendungen wie zum Beispiel Benzinkosten mindernd berücksichtigt werden. Durch diesen Abzug darf der geldwerte Vorteil aber nicht negativ werden.

Positiv ist die neue Berechnung der sogenannten Zumutbarkeitsgrenze, deren Überschreiten Voraussetzung dafür ist, dass außergewöhnliche Belastungen wie etwa Krankheitskosten berücksichtigt werden können. Bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte eines Steuerpflichtigen mit einem Kind in Höhe von 60.000 Euro betrug die Zumutbarkeitsgrenze beispielsweise bisher 2.400 Euro (vier Prozent von 60.000). Nach der neuen Berechnung liegt sie bei 1.736 Euro. Bei unterstellten außergewöhnlichen Belastungen von 3.000 Euro machen sich nun 1.264 Euro steuerlich bemerkbar (bisher nur 600 Euro). Das Sammeln von Belegen kann sich also lohnen. Sofern verfahrensrechtlich noch möglich, können Steuerpflichtige bisher nicht deklarierte Aufwendungen auch noch für vergangene Jahre nachreichen, wenn mit der neuen Berechnungsart die Zumutbarkeitsschwelle erreicht wird.

Ab dem 1. Januar 2018 gelten neue Regeln für die Investmentbesteuerung, die auch Privatanleger betreffen. So sind bei Anlegern in Publikums-Investmentfonds nun Ausschüttungen des Fonds, Vorabpauschalen (als Ersatz für die bisher steuerpflichtigen ausschüttungsgleichen Erträge) und Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen steuerpflichtig. Bei der Vorabpauschale fließt – anders als bei einer Ausschüttung – kein Geld. Der Anleger mit Inlandsdepot muss daher dafür sorgen, dass bei der Depotbank ausreichend Mittel vorhanden sind, damit diese die auf die Pauschale anfallende Steuer an den Fiskus abführen kann.

Zum 31. Dezember 2017 erfolgt im Zuge der Umstellung ein fiktiver steuerpflichtiger Verkauf der Fondsanteile, die dann als zum 1. Januar 2018 angeschafft gelten. Den aus dem fiktiven Verkaufsvorgang ermittelten Gewinn muss der Anleger erst bei tatsächlicher Veräußerung versteuern. Bei sogenannten Alt-Anteilen (vor dem 1. Januar 2009 erworbene Fondsanteile) ist der Gewinn aus der fiktiven Veräußerung steuerfrei. Aber die Wertsteigerungen, die solche Alt-Fondsanteile ab dem Jahresbeginn 2018 erfahren, sind steuerpflichtig. Allerdings kann dafür ein Freibetrag von 100.000 Euro in Anspruch genommen werden. Nach dem derzeitigen Stand wird der Freibetrag erst im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung berücksichtigt.

Anleger mit Auslandsdepots sind grundsätzlich verpflichtet, ihre Erträge im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung anzugeben. Anleger mit Inlandsdepots sollten prüfen, ob sie im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung die Anlage "Kap" ausfüllen – unter anderem für die Günstigerprüfung und die Berücksichtigung des Freibetrags bei Veräußerung von Alt-Fondsanteilen.

Martina Ortmann-Babel ist Steuerberaterin und Partner bei EY in Stuttgart.

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