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Der deutsche Immobilienboom nimmt extreme Ausmaße an

Wohnung, Immobilienpreise, Kosten [Quelle: pixabay.com]

Quelle: pixabay.com

Prognosen, wonach sich die Immobilienpreise in Deutschland beruhigen könnten, lagen dramatisch daneben. Neue Zahlen offenbaren, dass es in den vergangenen zwölf Monaten einen historischen Anstieg gab.

Die Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland steigen wieder schneller und erreichen immer neue Rekorde. Wer bisher davon ausging, dass die Käufer nach den bereits erfolgten Preisanstiegen der vergangenen Jahre wieder vorsichtiger sein müssten, wird von einer aktuellen Marktstudie des Immobilienverbands Deutschland (IVD) eines Besseren belehrt.

Im Durchschnitt stiegen die Immobilienpreise in den 370 vom IVD untersuchten Städten innerhalb von zwölf Monaten um 9,4 Prozent. "Das ist der höchste Anstieg seit 20 Jahren", sagte Jürgen Michael Schick, Präsident des Branchenverbands, bei der Präsentation der Zahlen. Dabei gelte die Formel "je größer die Stadt, desto stärker die Preissteigerung".

Damit hat der deutsche Immobilienmarkt sogar den Häusermarkt in China überholt. Von August 2015 bis August 2016 stiegen die Preise in den 70 größten Städten des von Bauboom und Landflucht geprägten Riesenstaates "nur" um 9,2 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte weniger als in Deutschland. In Megastädten wie Shanghai oder Peking fiel der Anstieg mit mehr als 30 beziehungsweise 20 Prozent besonders kräftig aus.

Selbst in kleineren Städten steigen die Preise

Dafür findet der Preisauftrieb in Deutschland inzwischen auch in der Breite statt, also in kleineren Städten und in dem bislang eher mäßig verteuerten Marktsegment der Einfamilien- und Reihenhäuser. "Die Preissteigerungen hier sind bemerkenswert, da der Markt als recht stabil gilt", so IVD-Präsident Schick. "Von 1996 bis 2010 tat sich beim Preis gar nichts. Seither gibt es einen Anstieg um 25 Prozent."

Auch bei Eigentumswohnungen in den Großstädten ist das Ende des Preisbooms noch längst nicht erreicht. Im Gegenteil. In Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern verteuerten sich Bestandswohnungen mit mittlerem Wohnwert im Schnitt um 9,4 Prozent. Vor zwölf Monaten hatte der IVD einen Anstieg um 7,5 Prozent verzeichnet. Wohnungen mit gutem Wohnwert sind sogar 11,6 Prozent teurer als im Vorjahr.

Teilweise extrem hat sich das Wohnen in Frankfurt am Main verteuert. Wer dort eine Wohnung in guter Lage und mit gutem Wohnwert kaufen möchte, muss heute knapp 30 Prozent mehr bezahlen als vor gut zwölf Monaten. Betrachtet man also allein diesen prozentualen Anstieg, liegt die vergleichsweise beschauliche Stadt am Main auf Augenhöhe mit der Megametropole Shanghai. In Köln verteuerten sich solche Bestandswohnungen – mithin die bei Anlegern begehrteste Objektklasse – um 17,4 Prozent, in Hamburg um 13,3 Prozent.

Preisanstieg bei Eigentumswohnungen [Quelle: Die Welt]

Geldpolitik und Stadtflucht lösen Preissteigerungen aus

Als Grund für den anhaltenden Preisboom sieht der IVD einerseits die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Refinanzierung von Baukrediten für Banken und Sparkassen extrem verbilligt hat. Baugeld mit zehnjähriger Zinsbindunsfrist bekommt man aktuell für weniger als 1,1 Prozent jährlichen Effektivzins.

Andererseits zögen immer mehr Menschen in die Metropolen, was den Wohnraum dort knapper macht. Stadtplanung und Gesetzgeber hätten diese Entwicklung verschlafen, beklagt der IVD-Präsident: "Die Politik hat zu spät reagiert. Das spiegelt sich jetzt in den Zahlen", sagte Schick.

Lediglich bei Neubauwohnungen hat sich der Preistrend nicht beschleunigt. Im Vorjahr lag die Teuerung in diesem Bereich bei knapp sechs Prozent, ebenso wie in diesem Jahr. Der Grund: Neue Wohnungen sind wegen aufwendiger technischer und energetischer Ausstattung ohnehin schon sehr teuer, und die Investoren sind hier offenbar nicht dazu bereit, jeden Preisanstieg mitzugehen.

Für professionelle Investoren ist Deutschland zu teuer

Bei den Quadratmeterpreisen ist nach wie vor München mit Abstand am teuersten. Eine Bestandswohnung kostet hier im Schnitt 4.200 Euro pro Quadratmeter, im Neubau werden sogar 5.900 Euro verlangt. Einfamilienhäuser sind in der bayerischen Landeshauptstadt für die allermeisten Haushalte auf einem unerreichbar hohen Preisniveau: Der Durchschnittspreis liege hier inzwischen bei 840.000 Euro für ein Eigenheim – der Zuwachs gegenüber 2015 betrug hier 8,4 Prozent.

Kosten einer Eigentumswohnung [Quelle: Die Welt]

Billiger kommen Hauskäufer in Bremen zum Zuge, dort liegt der Preisdurchschnitt bei 220.000 Euro. Auffällig ist allerdings: Auch in Bremen steigen die Hauspreise inzwischen rasant – gegenüber 2015 nämlich um rund zehn Prozent.

Während die privaten Immobilienkäufer in deutschen Städten scheinbar jeden Preis zu zahlen bereit sind, wird es den Profis mulmig zumute. Martin Eberhardt, Geschäftsführer von Bouwfonds Investment Management, einer der größten Immobilien-Investoren in den Niederlanden und mittlerweile auch in Deutschland aktiv, sagt: "Deutschland ist sehr teuer geworden. Vor einem Jahr habe ich schon gedacht, wir hätten den Preishöhepunkt erreicht. Das war falsch. Jetzt lautet meine Prognose, dass die Preise sogar noch weiter steigen, aber dafür die Renditen auch weiter fallen."

Sein Unternehmen, das auch als Kapitalsammelstelle für Großanleger fungiert, müsse sich deshalb umorientieren: "In den Niederlanden haben wir wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Für uns als Investor ist das zu teuer, deshalb weichen wir aus. Zum Beispiel nach Polen. Dort werden wir auch weiter kaufen."

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