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Gute Zeiten für Gehaltssprünge

Sprung, springen, Frauen [Quelle: sxc.hu, Autor: speedy2]

Sprung, springen, Frauen [Quelle: sxc.hu, Autor: speedy2]

Banken und Versicherungen stellen in fast allen Abteilungen wieder Experten ein. Besonders gern gesehen sind Frauen.

Max Lehmann muss derzeit Sonderschichten einlegen. Im Herbst vergangenen Jahres plante der Personaler der Hypovereinsbank (HVB) im Jahr 2011 rund 180 Trainees einzustellen - doch da hat er sich gründlich verschätzt. Mittlerweile muss er knapp 250 Stellen mit Berufseinsteigern besetzen. Dank der boomenden Konjunktur und dem Ende der Bankenkrise "ist unser Bedarf an qualifizierten Hochschulabsolventen noch deutlich größer, als wir vor ein paar Monaten erwartet haben", sagt Lehmann.

Die steigende Nachfrage gilt nicht nur für Einsteiger, sondern auch für erfahrene Fachkräfte, die seit mehreren Jahren in der Finanzbranche tätig sind und einen Arbeitgeberwechsel für einen weiteren Karriereschritt inklusive Gehaltssprung planen. Die Zeiten dafür sind wieder günstig.
 
Denn angesichts des demografischen Wandels, der dafür sorgt, dass die Zahl der Arbeitnehmer insgesamt sinkt, und des zunehmenden Kampfes der Unternehmen um gut ausgebildete Fachkräfte, können sogar diejenigen profitieren, die nur durchschnittliche Zeugnisse vorlegen.
 
Mittelfristig wird sich dieser arbeitnehmerfreundliche Trend wohl noch verstärken. So sagt zum Beispiel Christine Kuhl von der Personalberatung Odgers Berndtson: "Viele Unternehmen werden in absehbarer Zeit Schwierigkeiten bekommen, ihren Personalbedarf zu decken."
 
Um die entstehenden Personallücken durch die anstehende Verrentung der sogenannten Baby-Boomer-Generation zu füllen, setzen viele Unternehmen der Finanzbranche speziell auf die Förderung von Frauen. Um sie für Führungsaufgaben in der noch von Männern dominierten Hierarchie vorzubereiten, werden ihnen meist Mentoren zur Seite gestellt und spezielle Fortbildungen offeriert.
 
Einige Arbeitgeber haben jedoch auch erkannt, dass für Frauen und Männer, vor allem wenn sie gleichzeitig Eltern oder Pflegende älterer Angehöriger sind, zusätzliche Unterstützung durch den Arbeitgeber notwendig ist. Denn nur so lässt sich Berufs- und Privatleben unter einen Hut bekommen.
 
Angebot und Nachfrage regeln bekanntlich den Preis. Übertragen auf die Verdienstmöglichkeiten bedeutet das für qualifizierte Arbeitnehmer: "Die Gehälter sind selbst in den bewegten vergangenen Jahren stabil geblieben", sagt Georg Albes, Direktor bei der Personalberatung Robert Half. Er ergänzt: "Für Spezialisten, die über besonderes Know-how verfügen, schaut die Gehaltsentwicklung sogar sehr positiv aus. Bei einem Jobwechsel können sie einen großen Gehaltssprung machen."
 
Derzeit suchen die Banken in erster Linie Ökonomen, gefolgt von Naturwissenschaftlern, Informatikern und Juristen. Ähnlich breit ist die Palette der gefragten Fachkräfte bei den Versicherungen: In den Bereichen Risikomanagement, Controlling, Rechnungslegung, IT und Produktentwicklung sind noch zahlreiche Stellen für Mathematiker, Ingenieure und EDV-Profis offen.

Im Bereich Compliance - auf diesem Gebiet überwachen Experten, dass Unternehmen alle gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien sowie selbst auferlegte Regeln einhalten - sucht die gesamte Finanzbranche nach Spezialisten.

 "Außerdem haben Mitarbeiter mit Interesse am Vertrieb und hoher Kundenorientierung sehr gute Chancen", sagt Michael Gold, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland.
 
Bei der Allianz etwa stehen besonders Mathematiker hoch im Kurs, aber auch Informatiker sowie Rechts- oder Wirtschaftswissenschaftler. "Entscheidend ist jedoch der Gesamteindruck eines Bewerbers", sagt Stephan Steiger, stellvertretender Leiter des Personalmarketings.

Was das konkret bedeutet, umreißt Robert Szwedo, Abteilungsdirektor Personalmanagement beim Versicherungskonzern Axa: "Kommunikative Kompetenz, ein Gespür für Menschen, die Fähigkeit, sich auch auf internationaler Ebene souverän zu bewegen - das alles zählt mindestens ebenso viel wie analytische Brillanz."
 
Solche Fähigkeiten haben auch im Bankensektor an Bedeutung gewonnen: Karin Reuschenbach-Coutinho von der renommierten Frankfurt School of Finance & Management vermutet: "Diese Entwicklung ist eine Folge der Diskussion um Boni und die gesellschaftliche Verantwortung der Banker."
 
Gute Aussichten also für alle, die den nächsten Karriereschritt wagen. HVB-Personalmanager Max Lehmann muss sich wohl auf weitere Sonderschichten einrichten.

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