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Was soll ich tun?

Hengeler Müller Einstiegsmöglichkeiten (Autor: kantver, Quelle: Fotolia.com)

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Wer länger nachdenkt, fällt die besseren Entscheidungen? Stimmt nicht. Wer die falsche Wahl trifft, ist verloren? Quatsch. Einfach mal machen wird belohnt? Genau. Eine Kampfschrift gegen die Qual der Wahl.

Herzlichen Glückwunsch. Mit diesen Worten müsste jede Erstsemester-Vorlesung beginnen, in jedem Hörsaal an jeder Hochschule dieses Landes. Denn wer ein Studium beginnt, hat bereits Unwahrscheinliches geleistet: Er hat sich für eine aus 16.634 Möglichkeiten entschieden. So viele Studiengänge hat die Hochschulrektorenkonferenz im letzten Wintersemester in Deutschland gezählt.

Niemand informiert sich ernsthaft über 16.634 Optionen. Doch auch wer weiß, was er will, steht heute vor einem ziemlich unübersichtlichen Angebot. Wer früher zum Beispiel BWL gewählt hätte, ein Fach, das in so gut wie jeder Hochschulstadt angeboten wurde und das fast überall denselben Namen trug, muss sich heute schon vor dem Bachelor entscheiden: lieber International Business studieren oder International Management? Oder International Business Management? Wobei, was unterscheidet das eigentlich von International Business Administration und International Business Studies?

Nach der Entscheidung für ein Fach folgt für viele Leute die Wahl einer Stadt, dann die Zimmersuche, Mitbewohnercastings, die Frage nach Auslandssemestern (wo?) und Praktika (wann?), verbunden mit neuer Wohnungssuche und neuen Castings, dieses Mal für Zwischenmieter.

Wer sich dann noch verliebt (treu bleiben oder offen? Monogam leben? Poly?), über den Traumjob grübelt oder über das kommende Wochenende, der ahnt: Das Studium ist die entscheidungsreichste Zeit des Lebens. Und jede Entscheidung, so ist das wohl bei den meisten Menschen, ist verbunden mit der Angst, eine falsche Wahl zu treffen – und das Beste im Leben zu verpassen. Kann man dem entkommen? Man kann. Ein Fluchtplan in vier Schritten.

Erstens: Das Problem erkennen

Mehr Auswahl bedeutet mehr Freiheit. Wahr oder falsch? Barry Schwartz tippt, dass die meisten bei dieser Frage "wahr" wählen. "Angebot ist das Dogma der westlichen Welt", sagt der amerikanische Psychologe. Dass er damit recht haben könnte, zeigt sich unter anderem an den Hochschulen. Seit Jahren fordern deutsche Bildungsexperten ein größeres Angebot, mehr "vertikale" und "horizontale", mehr "funktionale" und "institutionelle" Differenzierung. Bis Studienanfänger sich nun zwischen 16.634 Optionen entscheiden müssen. Ist das noch Freiheit? Oder ist das schon eine Frechheit?

Glaubt man Barry Schwartz und seinem Buch Anleitung zur Unzufriedenheit, dann führt mehr Auswahl ab einem bestimmten Punkt nicht zu mehr Freiheit, sondern bloß zu mehr Stress. Statt uns zu befreien, so schreibt er, lähme sie uns. Es gibt Experimente, die zeigen: Je größer das Angebot ist, aus der Probanden eine Tafel Schokolade, einen Kugelschreiber oder ein Glas Marmelade auswählen sollen, desto schwerer fällt ihnen das.

Selbst wenn man sich für eine von vielen Möglichkeiten entschieden habe, so argumentiert der Psychologe, sei man damit oft unzufrieden. Denn mit der Anzahl der Optionen steigen auch die Ansprüche. Wenn es nur eine Jeans im Laden gibt, gut, dann muss man damit leben, dass sie nicht besonders gut sitzt. Wenn es aber Hunderte Modelle gibt, super slim und relaxed fit, low cut und high waist, und zwei oder drei sitzen ziemlich gut – dann nervt das trotzdem, weil es doch verdammt noch mal eine Hose geben müsste, die perfekt ist.

Und außerdem, sagt Schwartz, sind da die Zweifel: Was wäre, wenn ich mich anders entschieden hätte?

Langzeitstudien zeigen: Während das Angebot der Karrierewege, der Lebensstile und der Konsumgüter steigt, sinkt die durchschnittliche Zufriedenheit der Menschen in vielen Ländern. Gibt es da einen Zusammenhang? Barry Schwarz vermutet: ja. Er sagt: "Es geht uns heute besser als früher, aber wir fühlen uns schlechter."

Nicht gut, aber zumindest gut zu wissen: Wer sich mit Entscheidungen quält, ist nicht allein, sondern umgeben von Menschen, denen es ähnlich geht. Und die Ursachen sind nicht die Folge irgendwelcher Naturgesetze, sondern von Menschen gemacht.

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