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Und, was sagt der Chef?

Vater Kind Elternzeit Karriere [Quelle: Unsplash.com, Steven Van Loy]

Quelle: Unsplash.com, Steven Van Loy

Wenn Väter Elternzeit nehmen, dann kurz: Nur jeder vierte bleibt länger als zwei Monate zu Hause. Zu groß ist die Angst vorm Karriereknick. Drei Männer, die es trotzdem gewagt haben, berichten – unter geänderten Namen.

Andreas Hilpert, 42, Ingenieur. Zweimal Elternzeit: 6,5 und 8 Monate

Mir ist es wichtig, viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Meine Frau ist Justitiarin. Wir haben regelrecht darum gefeilscht, wer wie viele Monate Elternzeit nehmen darf. Meine große Tochter ist jetzt fünf. Ich hatte bereits mehrere Monate vor ihrer Geburt mit meinem Chef gesprochen und ihm angekündigt, dass ich Elternzeit nehmen möchte. Ich arbeite seit 14 Jahren für ein Ingenieurbüro aus der Schweiz. In der Schweiz sind Elternzeit und Teilzeit bei Vätern gar nicht üblich. In unserem Berliner Büro hatte ich ein gutes persönliches Verhältnis zum Chef. Wir waren damals nur vier Mitarbeiter. Er hat positiv-entspannt reagiert. In der Zeit, in der ich weg war, wurden meine Projekte größtenteils vom Mutterstandort in der Schweiz aus erledigt.

Natürlich hilft es mir, dass Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt gerade gefragt sind. Ich musste keine Angst haben, nach der Elternzeit vielleicht nicht mehr gebraucht zu werden. Auch die Tatsache, dass ich ohnehin nie Karriere machen wollte, macht es entspannter. Seit ich für das Unternehmen tätig bin, wurde ich zweimal von Vorgesetzten angesprochen, ob ich nicht die stellvertretende Leitung des Büros übernehmen will. Als Führungskraft müsste ich mehr organisatorische Aufgaben erledigen, ich arbeite aber lieber fachlich. Deshalb habe ich abgelehnt. Außerdem war mir wichtig, so frei und flexibel wie möglich zu bleiben.

Der Wiedereinstieg nach der ersten Elternzeit war nicht ganz einfach. Meine Frau und ich hatten beide unsere Arbeitszeit reduziert, ich auf 28 Stunden pro Woche, sie auf 30 Stunden. Nach meiner Rückkehr bekam ich einen neuen Chef, der mir auch gleich ein großes Projekt übergab. Das konnte ich in meiner verkürzten Arbeitszeit nicht stemmen. Anfangs habe ich deshalb auch an meinem freien Tag gearbeitet. Aber es war einfach nicht zu schaffen. Ich musste das Projekt schließlich abgeben. Seitdem läuft alles gut – auch bei der zweiten Elternzeit, die ich in diesem Jahr genommen habe und die demnächst zu Ende geht. Es passte zufällig, dass ein Werkstudent eingestellt wurde, der meine Arbeit in der Zwischenzeit übernommen hat und jetzt eigene Projekte bekommt.

Beide Male musste ich die Elternzeit um jeweils rund zwei Monate verlängern, weil es mit dem Kita-Platz nicht auf Anhieb klappte. Auch da haben meine Chefs Verständnis gezeigt und mir grünes Licht gegeben. Dafür bin ich dem Unternehmen sehr dankbar. Meine Frau und ich kommen unseren Chefs aber auch entgegen. Wir haben unsere Arbeitszeiten extra so gelegt, dass immer einer von uns zuhause ist. Somit fehlen wir auch nicht bei der Arbeit, wenn mal ein Kind krank ist.

Klaus Simon, 37, Schleifer. Zweimal Elternzeit: 6 und 7 Monate

"Wenn du keinen Bock mehr zum Arbeiten hast, dann bleib doch zu Hause und kümmer' dich um deine Kinder": Das hat mein Meister zu mir gesagt, nachdem ich in der Arbeit zwei Wochen fast vollständig ausgefallen bin. Erst bekam meine eine Tochter Fieber, und kaum war sie wieder gesund, fing die zweite an zu spucken. Ich habe mich zu Hause um die beiden gekümmert und konnte nicht arbeiten gehen. Meine Frau ist Bankkauffrau. Sie verdient mehr als ich und hat die Möglichkeit, Karriere zu machen. Deshalb hat ihr Job Priorität. Ich habe keine Aufstiegschancen.

Als ich meinen Chefs nach der Geburt meiner ersten Tochter angekündigt habe, dass ich in Elternzeit gehen will, waren sie nicht gerade begeistert. Sie haben mir aber auch keine Steine in den Weg gelegt. Als meine Frau zum zweiten Mal schwanger wurde, sagte der stellvertretende Chef: "Oh, dann verlassen Sie uns ja bald wieder". Das war seine einzige Reaktion. Einen Glückwunsch oder nette Worte gab es nicht. Mich hat beide Male ein Springer vertreten, der dafür aber an anderer Stelle fehlte.

Die beiden Male Elternzeit, 2013 und 2015, haben wir uns geteilt. Meine Frau hatte keinerlei berufliche Nachteile dadurch. Nur einmal, als sie noch einen zusätzlichen Monat freigenommen hatte, damit wir gemeinsam verreisen konnten, hat ihre Chefin ihr deshalb ein interessantes Projekt weggenommen. Sonst lief alles gut. Sie hat zwar einmal intern die Stelle gewechselt, aber das geschah auf eigenen Wunsch.

Meine Frau und ich arbeiten inzwischen wieder beide Vollzeit. Ich fange morgens um sechs Uhr an und hole die Kinder nachmittags um halb vier von der Kita. Da ich pünktlich gehen muss, kann ich keine Überstunden machen. Wir überlegen deshalb gerade, ob wir die Kita-Zeiten noch etwas ausweiten. Meine große Tochter würde ohnehin gerne länger bleiben und spielen.

Obwohl meine Chefs nicht begeistert waren, bereue ich es nicht, dass ich so lange Elternzeit genommen habe. Ich würde jederzeit wieder so entscheiden. Ich hätte mich sogar noch länger ausschließlich um die Kinder gekümmert, aber meine Frau sollte auch etwas von dieser intensiven Zeit mit ihnen haben. Wenn meine Frau jetzt mal für zwei, drei Tage auf Dienstreise fährt, ist das für mich kein Problem. Sie muss mir keine Zettel schreiben, woran ich denken muss, oder die Kleidung für die Kinder rauslegen, wie das in manchen Familien der Fall ist. Für mich ist das alles Routine, und ich bin genauso selbständig und souverän im Umgang mit den Kindern wie sie.

Natürlich habe ich der Firma gegenüber ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht arbeiten kann, weil eines der Kinder krank ist. Ich mache meine Arbeit gewissenhaft und anständig. Aber wenn ein Kind krank ist, ist eben ein Kind krank. Um guten Willen zu zeigen, arbeite ich aber auch manchmal samstags.

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