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Die soziale Ader ist gefragt

Hand Hände Hilfe [Quelle: freeimages.com, lusi]

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Der Personaler wirft einen kritischen Blick auf deine Unterlagen. "Ihre Noten und die Praktikumszeugnisse sind sehr gut." Puh! Dein Herz klopft schon ein bisschen weniger als zu Beginn des Vorstellungsgesprächs. "Wir könnten uns Sie sehr gut bei uns vorstellen. Eine Frage hätten wir aber noch: Wie engagieren Sie sich denn außerhalb Ihres Fachs?" Was wollen die von dir?! Richtig: soziales Engagement.

Egal, ob bei der Bewerbung um ein Praktikum, einen Job oder ein Stipendium - Arbeitgeber achten immer mehr darauf, was du neben deinem Studium machst. Deine ganzen Einsen im Zeugnis sagen, dass du auf deinem Fachgebiet einer der Besten bist und wahrscheinlich auch sehr fleißig. Und lernfähig. Doch sie erzählen nichts darüber, wie teamfähig oder verantwortungsbewusst du bist, ob du dich durchsetzen oder mit Menschen umgehen kannst. Das ist jedoch beim Kampf um den Traumjob mindestens genauso wichtig wie Top-Noten. Man lernt diese Soft Skills aber in keinem Uni-Seminar dieser Welt, sondern nur dort, wo man sich selbst für etwas einsetzt.

Du leitest die Kolpingjugend. Wie sieht so was aus?

Seit 2003 betreue ich zusammen mit einem Freund eine Gruppe Jungs im Alter von inzwischen 16 Jahren. Einmal in der Woche treffen wir uns für eine Stunde. Im Sommer spielen wir Fußball, kochen oder machen verschiedene andere Spiele. Wir Gruppenleiter müssen uns da gut absprechen, denn unsere Aufgabe ist es, die Stunde vorzubereiten. Die meisten meiner Freunde helfen bei Kolping mit, da reden wir auch schon mal, wenn wir uns eigentlich privat treffen, darüber, was wir mit der Gruppe machen könnten. Wenn größere Ausflüge wie das jährliche Ferienlager anstehen, muss man schon viel Zeit reinstecken. Eine Unterkunft organisieren, Getränke und Essen besorgen und Programm für zehn Tage überlegen - da wird schon die ein oder andere Nachtschicht fällig. Aber das macht auch riesig Spaß!

Was hast du bei deiner ehrenamtlichen Arbeit gelernt?

Auf jeden Fall den viel beschworenen Teamgeist. Man muss sich mit anderen Gruppenleitern koordinieren und auf die Wünsche der Kinder eingehen. Da muss man sich zusammenraufen und auch mal Kompromisse eingehen. Natürlich trainiert man auch sein Organisationstalent. Für die Ferienfreizeiten muss man rechtzeitig buchen oder Dinge bestellen. Man lernt auch, vor Leuten zu sprechen. Auch wenn es nur Kinder sind, aber auch denen muss man die Spielregeln einer Ferienfreizeit erklären. Und wenn sich mal einer daneben benimmt, dann ist es auch an uns Gruppenleitern, den Ton anzugeben und ihm zu sagen, dass jetzt Schluss ist.

Nicht nur aus Büchern lernen

Wer nur in der Bibliothek sitzt, Bücher wälzt und für Klausuren büffelt, der kann schnell zum Einzelkämpfer werden. Klar, das zeugt von Fleiß und Ehrgeiz. Doch im Job musst du mit deinen Kollegen Hand in Hand arbeiten, ihnen auch mal widersprechen, deine Ideen verteidigen oder dir selbst Kritik anhören. Das lernt man aber nicht aus Büchern, sondern nur da, wo man sich mit anderen Menschen auseinandersetzt. Dabei ist es egal, für welche Art von Ehrenamt man mit von der Partie ist - man lernt überall dazu.

Kolping, Krankenhaus oder Caritas - jeder, wie er mag

Viele Hilfswerke wie die Caritas oder Arbeiterwohlfahrt freuen sich über helfende Hände vor Ort. Wer schon mal in einer Kleiderkammer Klamotten oder in einer Suppenküche Essen ausgegeben hat, der weiß seinen eigenen Wohlstand zu schätzen und sieht, wie wichtig gegenseitige Hilfe ist. Die brauchen zum Beispiel auch ältere Menschen. Der Besuchsdienst im Krankenhaus oder beim Betreuten Wohnen macht einem bewusst, wie wichtig ein wenig Aufmerksamkeit und freundliche Worte im Umgang mit Menschen sind. Den übst du auch, wenn du dich um Kinder und Jugendliche kümmerst. Kinderschutzbund oder Kolping - auch hier gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen.

Welche Aufgaben hattest du beim Kinderschutzbund?

Während meiner Schulzeit habe ich für den Kinderschutzbund sozial benachteiligte Kinder bei den Hausaufgaben betreut. Die Grundschüler hatten meistens einen Migrationshintergrund. Wir haben ihnen gezeigt, wie man richtig lernt und versucht, ihnen die deutsche Sprache besser beizubringen. Ich hatte eine Gruppe von 10 bis 15 Kindern, die ich ein bis zweimal in der Woche betreut habe. Wir haben aber nicht nur Hausaufgaben gemacht, sondern sind mit den Kinder auch mal rausgegangen und haben Ball gespielt und sie einfach toben lassen.

Und jetzt arbeitest du in einem Krankenhaus für Teddybären?

Ja, im Moment arbeite ich im Organisationsteam fürs Teddybär-Krankenhaus von unserer Fachschaft. Kleine Kinder können sich für ihre Teddys Krankheiten ausdenken und sie in unser Zeltkrankenhaus bringen. Wir Medizinstudenten verarzten die Bären dann mit Pflaster und Verbänden. Das soll den Kindern die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern nehmen.

Was hast du aus deinem sozialen Engagement mitgenommen?

Ich kann Menschen besser einschätzen und weiß, wie ich auf sie zugehen muss. Bei der Hausaufgabenbetreuung habe ich auch gesehen, wie wichtig es ist, Grundwerte vermitteln zu können. Dass man andere nicht beleidigt, mussten wir einigen Kindern erst noch beibringen. Da braucht man einfach ein bisschen Erfahrung, wie man am besten mit diesen Kids umgeht.

Organisationstalent - ein Muss für Führungspositionen

Egal, für wen du dich einsetzt, du lernst im Ehrenamt noch viel mehr. Automatisch übst du Organisieren und Teamwork: Du musst du dich mit deinen beiden Kollegen absprechen, wer wann für die alte Dame einkaufen geht. Oder es ist an dir, für die Jugendfreizeit im Sommer ein Quartier für 20 Kinder zu suchen. Hast du die etwas teuere Jugendherberge ausgewählt, weil sie einen unschlagbaren Spielplatz im Garten, musst du die überzeugen, die kritisch auf den Preis schielen. Eine Situation, die dir später im Job wieder begegnen wird.

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