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Wer mitdenkt, gewinnt

Egoist (Quelle: freeimages.com,Autor: raichinger)

Quelle: freeimages.com, raichinger

Weil es vor allem Egoisten an die Spitze schaffen, regiert in Unternehmen die Egozentrik. Das führt zu Reibungsverlusten in der Arbeitswelt, kritisiert ein neues Buch.

In der Arbeitswelt könnten viele Reibungsverluste vermieden werden, wenn Entscheider häufiger einen Perspektivenwechsel vornehmen würden. Meist werden Produkte und Dienstleistungen nicht aus Kundensicht erstellt. Und Veränderungen im Unternehmen führen meist zu mehr Arbeit und nicht zu einer Verbesserung der Situation. Das behauptet der Rhetoriktrainer Thilo Baum in seinem neuen Buch "Denk mit"!. Für ihn sind Mitdenker erfolgreicher. Als Beispiel führt Baum den verstorbenen Steve Jobs an, dessen Unternehmen Apple vor allem wegen seiner nutzerfreundlichen Produkte Millionen erwirtschaftet.

Weil vor allem Menschen mit einem ausgeprägten Egoismus den Aufstieg schafften, würden die allermeisten Unternehmen von Egozentrikern geführt, behauptet Baum. Die meisten von ihnen seien unfähig, eine andere Perspektive einzunehmen als ihre eigene. Und das führe zu Fehlentscheidungen. In solchen Unternehmen würden Kunden für Produkte gesucht, statt Produkte für Kunden zu entwickeln. Und in solchen Firmen machten vor allem die Angepassten Karriere, weil Querdenker nicht gefragtseien. Und Mitdenker schon mal gar nicht.

So weit die überspitzte These des 264 Seiten langen Buches. Sicher, mit einigen Behauptungen hat der Autor Recht. Etwa, wenn er als Beispiel für schlechten Kundenservice die Hotlines von Telefonunternehmen heranzieht. So gut wie jeder Kunde hing schon einmal in einer solchen Warteschleife fest oder wurde von unfreundlichen Mitarbeitern in den Wahnsinn getrieben. Allerdings übertreibt Autor Baum es, wenn er anhand dieser Beispiele die gesamte Arbeitswelt als von Egozentrikern regiert darstellt. Drei Kapitel widmet er allein der Beschreibung und Analyse des egozentrischen Weltbilds. Immer und immer wieder spult er dabei seine Kernthese ab, nur mit anderen Worten.

Egomanenverseuchte Arbeitswelt

Ständig führt er sich selbst als Maßstab aller Dinge heran, wenn er angebliche Missstände kritisiert. So berichtet der Autor beispielsweise von einer Marketingassistentin, mit der er den Termin für ein Seminar in einem Pharmaunternehmen abstimmte. Den vorgeschlagenen Termin konnte Baum nicht einhalten, weil er in Österreich war. Die Frau wünschte ihm daraufhin einen erholsamen Urlaub. Baum sieht in dem Urlaubswunsch aber einen Missstand, der symptomatisch sei für das, was in der Arbeitswelt schief laufe. Die Frau, behauptet der Autor kühn, sehe nur das, was sie sehen wolle. Und nur das, was sie kenne. Österreich als Urlaubsland.

Aber er sei nicht zum Vergnügen nach Österreich gefahren, sondern aus beruflichen Gründen. Während man sich als Leser fragt, warum einen das überhaupt interessieren sollte, doziert der Autor, dass Konventionen, Normen und Schemata das Denken bestimmen. Mit einigen Gedanken hat der Autor Recht, aber ernst nehmen kann man seine Argumentation leider nicht. Beispielsweise, wenn er sich darüber mokiert, dass in vielen Gastronomiebetrieben anstelle eines Kaffees mit Milch ein normaler Kaffee mit abgepackter Kondensmilch serviert würde. Weil das nicht das vom Kunden gewünschte Produkt sei, hält Baum es für richtig, die Servicekraft zu kritisieren und zu belehren, die ihm ein eingeschüchtertes "Tut mir leid" entgegenbringt. Aber Empathie helfe nicht weiter, erklärt der Autor. Sie sei "in dieser Situation sogar Ausdruck von Desinteresse". Uff.

Das einzige Kapitel, in dem es wirklich um die Arbeitswelt geht, handelt Baum auf wenigen Seiten ab. Über die Frage, wie man die Zusammenarbeit in Teams und Abteilungen optimiert, in denen die Mitarbeiter einfach nicht mitdenken, hätte man einen spannenden Ratgeber verfassen können. Stattdessen beschränkt sich der Autor auf Kritik an schlechtem Service.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Hallo Franziska, danke für deinen Kommentar. Wir haben diesen Artikel von Zeit Online übernommen und haben daher wenig Einfluss auf die gewählte Form. In diesem Fall hat die Autorin eine Rezension gewählt und dies auch im Anriss bereits geschrieben. Tut uns leid, dass du von diesem Artikel mehr erwartet hast, als er dir letztendlich geboten hat. Viele Grüße Judith

  2. Anne Franziska Gropler

    Irgendwie passt die Überschrift und deren Untersatz nicht zum Inhalt des Artikels... ich meine, ich dachte etwas darüber lesen zu können, warum es scheinbar nur Egozentriker an die Spitze schaffen -- und nicht, dass jemand darüber ein schlechtes Buch verfasst hat. Der Artikel ist selber nicht besser als das kritisierte Buch.

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