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Studenten, voller Hörsaal, doppelte Abijahrgänge [© Fachschaft/KIT]

Studenten, voller Hörsaal, doppelte Abijahrgänge [© Fachschaft/KIT]

Durch die doppelten Abiturjahrgänge wird es an den Unis und Fachhochschulen in Zukunft richtig eng. So gehst du als Student damit um.

Es ist fast schon zynisch: Während die einen noch gegen Bologna protestieren, müssen die anderen längst darum bangen, überhaupt noch einen Studienplatz zu ergattern. Aufgrund der verkürzten Schulzeit wird in den nächsten Jahren die doppelte Anzahl an Abiturienten die Hochschulen stürmen. Man müsste glatt Mitleid mit der Politik bekommen, wenn man nicht wüsste, dass sie der Misere schon lange ins Auge sehen konnte.

Mehr als eine Million zusätzliche Studienberechtigte

Aus der "Prognose der Studienanfänger, Studierenden und Hochschulabsolventen bis 2020" (pdf) der Kultusministerkonferenz geht hervor, dass 2012 die Zahl der Studienanfänger um bis zu 22 Prozent über dem Stand von 2004 liegen wird. Die Anzahl der Studierenden insgesamt wird bis 2014 um bis zu 36 Prozent zunehmen. Bis 2019 drängen dann voraussichtlich bis zu 53 Prozent mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt. Insgesamt kalkuliert die Kultusministerkonferenz bis 2020 mehr als eine Million zusätzliche Studienberechtigte ein.

Spitzenzahlen zwischen 2011 und 2013

Richtig dramatisch wird es zwischen 2011 und 2013, wenn in den großen Flächenländern die doppelten Abi-Jahrgänge an die Unis drängen. 2011 entlassen Bayern und Niedersachsen doppelte Jahrgänge, 2012 folgen die restlichen B-Länder: Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg und Bremen. 2013 sind Hessen und Nordrhein-Westfalen an der Reihe. Jedoch wird die Zahl der Studienberechtigten ab 2020 wieder deutlich absinken - bedingt durch die demografische Entwicklung.

Zusätzlich prognostizierte Auswirkungen

Wegen der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge erwartet die Kultusministerkonferenz allerdings noch weitere Effekte, die sich auf die Zahl der Studienanfänger, Studierenden und Absolventen auswirken können:

  • Die gestufte Studienstruktur könnte die Aufnahme eines Studiums für Studenten aus dem Ausland attraktiver machen, was steigende Studienanfänger- und Studierendenzahlen zur Folge hätte.
  • Gleichzeitig strebt die Politik mit der neuen Studienstruktur eine Verkürzung der Studienzeiten an. Mittelfristig würde dies bei gleich bleibender Studierneigung zu niedrigeren Studierendenzahlen führen.
  • Da die Effekte durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zum jetzigen Zeitpunkt nicht quantifiziert werden können, bleiben diese Einflussfaktoren in der Prognose unberücksichtigt.

Ausblick auf 2050

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist ab 2020 bei gleichbleibenden Voraussetzungen ein deutlicher Rückgang der Studierendenzahlen zu erwarten. Die folgende Darstellung zeigt den voraussichtlichen demografischen Verlauf:

Bevölkerung im studienrelevanten Alter von 1992 bis 2050 [Quelle: Statistisches Bundesamt]

Die Studienbedingungen werden schlechter

Bund und Länder, die bekanntlich in bildungspolitischen Fragen nicht immer harmonieren, haben sich vorgenommen, die Hochschulen auf den Ansturm vorzubereiten und Gelder bereitzustellen. Doch es ist fraglich, ob dies in vollem Umfang und vor allem rechtzeitig passieren wird. Absehbar ist, dass sich die Studienbedingungen verschlechtern werden. Möglicherweise werden auch Aufnahmehürden wie der Numerus Clausus steigen.

Planungssicherheit ade

Für die Hochschulen ergeben sich durch diese Entwicklungen erhebliche Planungsschwierigkeiten. Einige Studienberechtigte werden möglicherweise das Problem durch ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Ausbildung aussitzen. Auch können nicht einfach mehr Professoren und Hochschulmitarbeiter eingestellt werden, wenn damit zu rechnen ist, dass 2020 die Nachfrage an Studienplätzen wieder drastisch sinken wird.

Was kann ich als Abiturient tun?

Die gute Nachricht ist: Es wird nicht überall gleich problematisch werden. Für unbekanntere oder gar Orchideenfächer sind die Chancen, einen Studienplatz zu ergattern, natürlich besser, als für sowieso längst überlaufene Fächer wie BWL oder Kommunikationswissenschaften. Auch solltest du - so oder so - bereit sein, den Schritt in ein anderes Bundesland oder eine unbekanntere Stadt zu wagen. So wird Schwetzingen oder Speyer weniger bedrängt sein als Mainz oder Mannheim. Viele Studienplätze sind noch in den Neuen Bundesländern zu haben. Gerade jetzt macht sich der Geburtenknick der Wendezeit bemerkbar, und so kann der Osten eine echte Alternative sein. Auch die bisher schon beliebten Nachbarländer wie Österreich oder die Niederlande sind eine Option.

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