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Alexa, gib mir einen Job

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Die Generation Y wünscht sich Konzernkomfort und Start-up-Atmosphäre. Amazon verbindet beides – und steigt in der Gunst deutscher Studenten.

Niemand hatte sie darum gebeten. Trotzdem machte sich Sabrina Geburek nach der Besprechung sofort an die Arbeit. Sie wollte Antworten finden auf Fragen, die ihr Chef im Meeting gestellt hatte: Wie bezahlen Firmenkunden künftig bei Amazon Business, dem Marktplatz für gewerbliche Kunden des US-Onlineriesen – und welche Optionen sind den Händlern dabei wichtig?

Mit einem ähnlichen Thema hatte sich Geburek schon 2015 befasst, als sie ihre BWL-Abschlussarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München schrieb. Entsprechend leicht fiel ihr die Recherche, nach nur vier Stunden stand ein Entwurf. Und die Einfälle gefielen ihrem Vorgesetzten so gut, dass sie das Projekt übernehmen durfte. Ein echter Coup für die Berufseinsteigerin, nach gerade mal drei Monaten bei Amazon in München.

Als sie ihre Stelle im März 2016 antrat, war Sabrina Geburek die dritte Mitarbeiterin in dem Team, das den Geschäftskundenbereich aufbaut; nun befragte sie Händler am Telefon und vor Ort nach ihren Bedürfnissen und destillierte daraus Eckpunkte für den neuen Rechnungsservice. "Ich hatte von Beginn an die Möglichkeit, Projekte mitzugestalten", sagt die 28-Jährige, "ich konnte und kann mich ausprobieren, ohne Scheu vor Fehlern, das gehört hier zur Unternehmenskultur." Amazon heute, das ist eine Weltmarke, ein globaler Konzern mit mehr als 340.000 Mitarbeitern. Trotzdem hat sich das gerade mal 23 Jahre junge Technologieunternehmen seinen Start-up-Charakter bewahrt – eine Kombination aus etablierter Größe und frischer Agilität, die bei der Generation Y gut ankommt. Das bestätigt auch Jutta Rump, Professorin für Personalmanagement an der Hochschule Ludwigshafen: "Selbst etwas aufbauen können, ohne das unternehmerische Risiko zu tragen – das kommt an bei jungen Leuten."

Das zeigt sich auch im neuen Arbeitgeberranking der Beratungsgesellschaft Universum. Sie befragte von Oktober 2016 bis März 2017 mehr als 40.000 Studenten. Sie sollten aus einer Liste von bis zu 140 Unternehmen fünf auswählen, für die sie nach ihrem Abschluss am liebsten arbeiten möchten. Außerdem erkundigte sich Universum nach Gehaltsvorstellungen, Lieblingsbranchen und Karrierezielen des Humankapitals von morgen. Und fand heraus: Rund ein Drittel der befragten Studenten will zwar unternehmerisch tätig sein. Aber für ein Start-up arbeiten oder eines gründen will nur einer von zehn.

Da sind die Techkonzerne für viele ein willkommener Mittelweg. Auf der einen Seite verkaufen sie innovative Produkte und Dienstleistungen, bieten Start-up-Flair und schicke Büros mit Müslibar. Auf der anderen Seite punkten sie mit Eigenschaften, die jahrelang vor allem die großen Autobauer auszeichneten: Sie sind am Markt erfolgreich, bieten reichlich interne Aufstiegsmöglichkeiten und zahlen überdurchschnittliche Gehälter.

Kein Wunder also, dass Amazon und Microsoft beim diesjährigen Arbeitgeberranking zu den größten Gewinnern zählen. Der Onlinehändler klettert bei den Wirtschaftswissenschaftlern auf Rang 15 und schafft es bei den Informatikern sogar unter die Top Ten. Für Microsoft geht es unter den Wirtschaftswissenschaftlern im Vergleich zum Vorjahr um zehn Plätze nach oben auf Rang 13, selbst bei Ingenieuren reiht sich der Konzern unter die ersten 20 ein. Google führt, wie schon im Vorjahr, die Liste bei den IT-Spezialisten an und rangiert unter Wirtschaftswissenschaftlern weiter auf Platz 5.

Innovationsgeist zieht Talente an

Damit landet der Suchmaschinenriese direkt hinter den Autobauern BMW, Audi, Daimler und Porsche, die auch in diesem Jahr die vorderen Plätze unter sich ausmachen. "Der Abgasskandal konnte ihrer Attraktivität bislang kaum etwas anhaben", sagt Tina Smetana, Deutschland-Geschäftsführerin von Universum. "Die Konditionen, die die Autobauer anbieten, werden von den Studierenden immer noch als sehr gut wahrgenommen."

Sichere Jobs, hohe Gehälter, interessante Produkte und Innovationen – das alles bringen die jungen Talente nach wie vor mit der Automobilindustrie in Verbindung. Auch wenn autonomes Fahren und E-Mobilität heute zu den Kernthemen im Silicon Valley gehören. Die Zugkraft von Amazon verdankt sich aber vor allem seiner Omnipräsenz. Ob milliardenschwere Übernahme der Biosupermarktkette Whole Foods, ob Sprachsteuerung Alexa für das heimische Wohnzimmer: "Für viele ist Amazon fast schon ein Synonym für Zukunft", sagt Rump. Kaum ein Unternehmen bringe neue Entwicklungen in so schneller Taktung auf den Markt. Und der Innovationsgeist lockt Talente an: "Wenn jemand bei Amazon arbeitet, hat er das Gefühl, fit für die Zukunft zu sein."

So sieht das auch James Argento. Der gebürtige New Yorker ist Personalchef bei Amazon Deutschland und nicht zuletzt für den Abbau des Vorurteils zuständig, sein Unternehmen biete nur Lagerarbeitern Perspektiven, und noch dazu keine guten. Tatsächlich hat Amazon in Deutschland mehr als elf Logistik- und Verteilzentren zu bieten. Am Forschungsstandort in Aachen entwickeln IT-Experten die Sprachsteuerung von Alexa weiter. In Berlin experimentieren sie mit künstlicher Intelligenz. In Regensburg landet ein Großteil der Kundenanfragen. Allein in München schreibt Amazon in diesem Jahr 400 Stellen aus.

Argento, das mag erstaunen, legt viel Wert auf analoge Mundpropaganda: Mitarbeiter sollen ihren Freunden und Bekannten erzählen, was sie bei Amazon genau machen, welche Chancen und Perspektiven das Unternehmen ihnen bietet. Wer einen Kandidaten vermittelt, erhält einen Bonus. Außerdem schicken Argento und sein Team Angestellte zu Vorträgen an Universitäten. Und seit Kurzem gibt es auch geführte Touren durch das Münchner Büro. 

Konkurrenz in der Nachbarschaft

Die Transparenz ist wichtig – auch weil einer der größten Konkurrenten im Kampf um junge Talente im vergangenen Oktober seine neue Deutschlandzentrale eröffnete, zehn Gehminuten nur von Amazon entfernt: Microsoft lockt unter anderem mit elf Dachterrassen, einem Fitnessstudio und einem offenen Raumkonzept: Je nach Aufgabe können digitale Büronomaden den passenden Arbeitsort finden, ob für ein spontanes Meeting in der Sitzecke oder fürs konzentrierte Arbeiten in der Ruhezone. Die Konferenzräume sind top ausgestattet. Wer seinen Kollegen sucht, kann ihn über die Microsoft-App Find me orten. "Schicke Gebäude und neueste Technik alleine sind aber nicht ausschlaggebend für die Auswahl eines Arbeitgebers", sagt Smetana von Universum: "Das Gesamtpaket muss stimmen."

Und bei Microsoft scheint es zu stimmen. Schon 1998 hat man hier den Vertrauensarbeitsort eingeführt; in der neuen Zentrale verteilen sich 1.900 Mitarbeiter nur noch auf 1.100 Arbeitsplätze. Anders gesagt: Home-office ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht – für viele junge Talente ein Pluspunkt. Neben Privatleben und Familienzeit ist ihnen Flexibilität – und eine sichere Anstellung – wichtig

Auch in dieser Hinsicht kann Microsoft punkten. Alle Trainees erhalten nach dem Einstiegsprogramm einen festen Job. Ob das alles auch in Zukunft reicht? Noch können beide Techkonzerne aus einer Fülle an Bewerbern wählen. Doch angesichts des demografischen Wandels werden sich Arbeitgeber künftig wohl noch mehr anstrengen müssen, und ein Nachbarschaftsstreit um die besten Leute zwischen Amazon und Microsoft scheint programmiert.

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