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Failure is an option

Berufsunfähigkeitsversicherung, Versicherung, Regenschirm [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Versager, Loser, Opfer - schon auf dem Schulhof lernen wir: Versagen wird in unserer Hochleistungsgesellschaft nicht toleriert. Dabei birgt nichts so viele Chancen zum persönlichen und beruflichen Wachstum wie ein schmerzhafter Rückschlag.

Bei buecher.de gibt es 4.200 Bücher über Erfolg - übers Scheitern gerade mal 250. Es gibt Erfolgs-Storys, Erfolgstypen, Erfolgsfirmen – Scheiter-Storys gibt es kaum. Kein Wunder, denn wir empfinden Scheitern, vor allem im Job, als persönliches Drama, das einem Ausschluss aus der Gesellschaft gleichkommt. "Failure is not an option." Dieser Satz der Apollo-Mission ging um die Welt. Deshalb sind wir wahre Meister darin, Misserfolg schönzureden: "Ich wollte den Job eh nicht wirklich." "Der Professor war einfach eine Katastrophe." "Wenn ich Lust gehabt hätte zu lernen, hätte ich auch eine gute Note schreiben können."

Ursachen von Erfolg und Scheitern

Misserfolg schönreden - das ist, so komisch es klingt, eine gute Strategie. Denn dieses Phänomen tritt besonders bei erfolgsorientierten Menschen auf. Seit den 1970er Jahren wird untersucht, wie Erfolg und Motivation zusammenhängen. Die Psychologen Nathaniel Lees Gage und David C. Berliner fanden heraus, dass erfolgsorientierte Menschen ihren Erfolg auf personenbezogene Ursachen zurückführen - zum Beispiel auf ihre eigenen Fähigkeiten und Talente. Misserfolg schreiben sie dagegen externen Faktoren wie Pech oder der Schwierigkeit der Aufgabe zu. Das wirkt sich positiv auf das Selbstwertgefühl aus.

Realistische Ziele = positives Selbstbild

Die Psychologen erkannten: Wer Erfolg sich selbst zuschreibt und Misserfolg den Anderen oder den Umständen, sucht sich Aufgaben mit mittlerer Schwierigkeit, setzt sich also realistische Ziele. Diese Ziele erreicht er meist, was wiederum zu einem positiven Selbstbild führt. Selbstbewusst nimmt dieser Typ das nächste Ziel in Angriff - wieder mit guten Erfolgschancen.

Gute Note? "Das war nur Glück"

Misserfolgsorientierte Menschen funktionieren genau andersherum: Erfolg wird externen Ursachen zugeschrieben (zum Beispiel Glück) und Misserfolg auf interne Ursachen (die eigene Unfähigkeit) geschoben. Ein solches Muster schadet dem Selbstwert und ist mit den pessimistischen Denkweisen verwandt, die für Depression typisch sind.

Der angenommenen Unfähigkeit nicht ins Auge sehen

Ergebnis: Misserfolgsorientierte Personen suchen sich sehr leichte oder manchmal sehr schwere Aufgaben und vermeiden damit ein realistisches Feedback zu ihrer eigenen Fähigkeit. Der Grund: sie gehen davon aus, dass ein realistisches Feedback ihnen nur die eigenen - angenommene - Unfähigkeit vor Augen führen würde.

Leistungsträger = Drückeberger?

Ähnlich sehen es auch die Psychologen Myers und Briggs. Mit dem von ihnen entwickelten Persönlichkeitsindikator Myers-Briggs-Typindikator (MBTI) kann man sich einem von 16 Charaktertypen zuordnen - besonders bei Beratungen ist dieser Persönlichkeitstest beliebt. (Einen Testbogen findest du in der Community.) Das Buchstabenkürzel ENTJ steht dabei für den logisch-intuitiven, extrovertierten und rationellen Typen, kurz, den "Feldmarschall". Mit 19 Prozent ist kein Typ häufiger unter den e-fellows vertreten als dieser - obwohl er in der Durchschnittsbevölkerung nur zwei bis fünf Prozent ausmacht. Kein Wunder, denn Feldmarschälle sind logisch, organisiert, strukturiert und objektiv, lieben komplexe Probleme, sind energiegeladen und handlungsorientiert. Menschen mit diesen Charakterzügen werden oft Manager, Berater oder Unternehmer.

Misserfolg? Nicht mit dem ENTJ-Typ

Doch mit einer Sache kommt der ENTJ-Typ schlecht zurecht: mit dem Scheitern. Misserfolg passt nicht in seine Selbstwahrnehmung. Fühlt sich der "Feldmarschall" hilflos, verliert er sich oft in kraft- und zeitraubendem Aktionismus, um den Anschein zu erwecken, er hätte die Situation noch unter Kontrolle - selbst wenn das Projekt, die Beziehung oder die Prüfung längst den Bach runtergeht.

"Ich knabbere tagelang an Kleinigkeiten"

Tatsächlich: Bei einer nicht-repräsentativen Umfrage waren die meisten e-fellows der Meinung, dass sie Rückschläge schlechter verkraften, als andere Menschen. "Eigentlich will ich aus meinen Rückschlägen lernen, ich will verstehen, warum ich gescheitert bin und es das nächste Mal besser machen", sagt dort ein e-fellow, der anonym bleiben will. "Aber wenn ich ehrlich bin, ärgere ich mich sehr darüber, wenn mir etwas mal nicht gelingt. Oft knabbere ich tagelang an Kleinigkeiten. Vielleicht liegt das daran, dass ich so ehrgeizig bin und alles perfekt machen will." Doch wer seine eigene Unbeholfenheit nicht erträgt, tendiert dazu, seine Fähigkeiten nie voll auszuschöpfen.

Nur wer scheitert, ist erfolgreich

Ein großer Fehler, sagen die Autoren Christine Steindorfer und Gerhard Scheucher. Denn wir leben in einer Welt, in der vor dem Scheitern keiner gefeiht ist. Die Bankenkrise zeigt: Selbst Bastionen des Geldes und der Macht können kollabieren. Doch wo Scheitern tabuisiert wird, ist Resignation die Konsequenz. Dabei kann es so sinnvoll sein, zu scheitern. Wieso das so ist, erfährst du beim Weiterlesen.

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