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Sieben Millionen Euro verfallen

Berlin (Quelle: freeimages.com, Ayla87)

Quelle: freeimages.com, Ayla87

Von Anfang an stand das Deutschlandstipendium in der Kritik. Ende 2011 verfielen nun sieben Millionen Euro. Geld, mit dem eigentlich mal die besten zehn Prozent der deutschen Studenten gefördert werden sollten. Dass private Förderer die Hälfte der Mittel beisteuern sollen, hat sich wie befürchtet als Stolperstein erwiesen.

Erst sollten 200.000 Studierende durch das Deutschlandstipendium gefördert werden, dann doch nur 160.000 – übrig blieb letztendlich nur ein Bruchteil dessen. Die 300 Euro im Monat des Deutschlandstipendiums gingen 2011 an nur 5.300 Studenten. Der "Aufbau einer neuen Stipendienkultur", wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan es nannte, lässt also auf sich warten.

Marketing und Schulungen verschluckten das Doppelte

Das Bildungsministerium zahlte nur 1,4 Millionen Euro aus einem Kontingent von über zehn Millionen Euro an Stipendiaten aus. Dagegen steckten sie 2,7 Millionen in Werbung und Schulungen - um den Mitarbeitern der Hochschulen beizubringen, wie sie bei Firmen um Spenden werben. Nur die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und das Saarland haben das Meiste der vorhandenen Mittel vergeben. Brandenburg vergab nur 71 der 223 Stipendien, Hamburg 16 von 328 und Berlin nur 165 von 637 Stipendien.

Regierung und Wirtschaft teilen sich die Kosten

Die Bundesregierung zahlt 150 Euro im Monat an die Stipendiaten des Deutschlandstipendiums. Die zweite Hälfte des Geldes soll von privaten Geldgebern, Firmen und Stiftungen kommen. Das Problem dabei ist, dass die Hochschulen selbst die privaten Förderer für jeden Stipendiaten anwerben müssen. Fundraising hat allerdings derzeit nicht die höchste Priorität in den Hochschulen. Die Mitarbeiter und Mittel fehlen, denn der Zuschuss für die Hochschulen reicht nicht einmal für eine Stelle.

Anwährende Kritik am neuen Stipendium

Einer der schärfsten Kritiker des Deutschlandstipendiums ist SPD-Haushaltspolitiker Klaus Hagemann. Er nennt das Deutschlandstipendium einen "Flop" und plädiert dafür, das Geld in die "Aufstiegsstipendien" für begabte Berufstätige zu stecken – die können somit auch ohne Abitur an der Uni studieren. Kai Gehring, Sprecher für Hochschulpolitik der Grünen Bundestagsfraktion, ist stattdessen dafür, das Bafög zu erhöhen. 2010 wurde dessen Erhöhung nämlich gestoppt - im gleichen Jahr, indem die Idee für das Deutschlandstipendium geboren wurde.

Unternehmen müssen umdenken

Vom Bildungsministerium heißt es, das wären alles nur normale Startschwierigkeiten. Schavan steht weiter zum Deutschlandstipendium und dem Finanzierungskonzept. Ein Mentalitätswandel der Unternehmen sei nötig. 2012 soll das Projekt dann richtig anlaufen. Bis jetzt machen erst etwa drei Viertel der Hochschulen mit. Das soll sich dieses Jahr ändern. Es soll noch eine weitere Veränderung beim Projekt "Deutschlandstipendium" geben: Der Bund erhöht die Mittel auf 36 Millionen Euro. Wenn der Trend sich jedoch nicht stark verbessert, wird der Bund dieses Geld gar nicht ausgeben müssen.

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