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Dauerschüttler trifft toten Fisch

Hände schütteln (Quelle: freeimages.com, mikecco)

Quelle: freeimages.com, mikecco

Die Art des Händedrucks zeigt, mit wem man es zu tun hat. Wer ein wenig Körpersprache versteht, erkennt dominante oder ängstliche Typen bei der Begrüßung.

Er ist feucht, er ist schlaff, er fühlt sich an wie ein toter Fisch: Ein solcher Händedruck ruft keine Sympathie hervor. Eher löst er Widerwillen aus, im besten Fall Mitleid. Binnen Sekunden sendet er eine Botschaft über die Person, welche die Hand gibt – als Teil der Körpersprache, deren wesentliche Ausdrucksformen über kulturelle Grenzen hinweg in vielen Ländern der Welt verstanden werden.

Ob jemand gerade sitzt oder sich gerade hält, ob er traurig oder fröhlich schaut: In vielen Kulturen bedeutet es das Gleiche. Solche Signale werden vom Hirn schneller verarbeitet als die verbale Sprache. Und weil Körpersprache situationsbezogen, unbewusst und blitzschnell erfolgt, kann sie nicht so leicht manipuliert werden.

Die Körpersprache- und Kommunikationstrainer Caroline Krüll und Christian Schmid-Egger haben sich mit den unterschiedlichen Formen des Handschlags beschäftigt. In ihrem Buch Körpersprache – das Trainingsbuch stellen sie rund zehn Typen vor.

Hand oben signalisiert Dominanz

Zum Beispiel den dominanten Händedruck. Ihn zeichnet den Experten zufolge aus, dass der Handrücken beim Handschlag nach oben zeigt. Die Hand des Gegenübers muss sich darunter schieben, der Andere wird so gezwungen, sich unterzuordnen. Dominante Menschen drehen die Hand des anderen schon während des Zugreifens nach unten, sodass ihre eigene Hand darüber liegt. Manche drücken die fremde Hand zusätzlich noch ein wenig nach unten. Ihr Händedruck kann sehr kräftig sein und manchmal schmerzvoll.

Wer die Hand auf diese Art gibt, macht seinen Führungsanspruch deutlich. Hirn- und Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass die Lage der Handfläche signalisiert, wer im Gespräch dominiert. Viele Menschen reagieren auf diesen Händedruck binnen weniger Sekunden – sie ordnen sich beispielsweise unter, sind eingeschüchtert oder empfinden Antipathie. Dominante Typen können sich eher herausgefordert fühlen. Dann drehen sie die eigene Hand nach oben und drücken noch etwas kräftiger zu. Dabei schauen sie dem Gegenüber direkt in die Augen.

Als Pendant zum dominanten gibt es den untergeordneten Händedruck. Auch dieser dreht die Hand – allerdings so, dass die Handinnenfläche schräg oder ganz nach oben zeigt. Wer so die Hand gibt, zeigt, dass er den anderen in der Führungsrolle akzeptiert.

Richtig unangenehm kann der Handschlag des Kraftprotzes sein: Dieser Typ quetscht die Hand des Anderen zur Begrüßung. Das kann besonders für Ringträger schmerzhaft sein. Krüll und Schmid-Egger bezeichnen die Kraftprotze als "Menschen mit Schraubstockhand". Vielleicht wollen sie mit der kräftigen Begrüßung Dominanz demonstrieren. Tatsächlich zeigen sie aber fehlende Sensibilität oder mangelndes Selbstbewusstsein.

An Selbstbewusstsein fehlt es häufig auch Menschen mit schlaffem Handschlag. Möglicherweise haben sie auch einfach kein Interesse an ihrem Gesprächspartner. Andere wiederum geben zwar die Hand, aber runden sie dabei so, dass ein hohler Innenraum entsteht – die Berührung findet so nur minimal statt. Das macht Distanz deutlich.

Auf Abstand gehen auch Leute, die zur Begrüßung den ganzen Arm lang ausstrecken. Da ist ein schlechter Einstieg in Verhandlungen: Wer so die Hand gibt, begegnet der Sache, über die gesprochen wird, oder seinen Gesprächspartnern vermutlich mit Skepsis. Ganz im Gegensatz zu den Dauerschüttlern: Diese Menschen schütteln Hände, was das Zeug hält – mitunter sogar mit beiden Händen. Es ist eine extrovertierte, energetische Geste – sensibel wirkt das Dauerschütteln nicht.

Politiker wenden oft den sogenannten fürsorglichen Händedruck an. Während die eine Hand drückt, umschließt die andere fest die Hand des Gegenüber oder dessen Arm. Das soll herzlich wirken. Tatsächlich ist es eine einschüchternde Dominanzgeste, die zeigt: Ich habe Dich in meiner Gewalt. Wer sich dagegen wehren möchte, antwortet mit einem entschlossenen Blick in die Augen und einem Zurücktätscheln, am Besten an der Schulter des anderen.

Immer in die Augen schauen

Der feste Blick in die Augen ist beim Handgeben nicht zu unterschätzen. Es gibt Menschen, die den Blick des anderen nicht halten können und unstet im Raum herumschauen. Auch das kann ein Zeichen von Unsicherheit sein – oder einfach bedeuten, dass der Andere nach einem interessanteren Gesprächspartner Ausschau hält. Sympathie gewinnt man damit nicht.

Der optimale Händedruck, sagen Krüll und Schmid-Egger, ist fest. Die Hand umfasst die Hand des anderen ganz, die Hände werden gerade gehalten. Die Arme sind abgewinkelt, zwischen beiden Personen ist eine mittlere, gesunde Distanz. Man schüttelt etwa drei Sekunden lang – und schaut dem anderen dabei in die Augen. Krüll und Schmid-Egger zufolge geben etwa 70 Prozent der Menschen diesen ganz normalen Händedruck.

Übrigens streiten sich Anthropologen darüber, woher die Kultur des Händeschüttelns ursprünglich kommt. Die gängigste Theorie geht davon aus, dass sie dazu diente, sich und dem anderen zu zeigen, dass man unbewaffnet ist

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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