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Geist und Geld - Unis müssen wie Unternehmen denken

Denken, Gehirn, Geld (174x100 sxc.hu, svilen001)

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Harvard hat über 300 Jahre gebraucht, bevor es zur globalen Nummer eins wurde. Mittlerweile dreht die Welt sich schneller: 1961 warf McDonald's seine 'Hamburger University' an, inzwischen bringt sie 5000 Studenten pro Jahr das Management bei. Hierzulande gibt es schon 40 'Corporate Universities' (CU), von der 'ABB University Germany' bis zu 'VW Auto-Uni'.

Wie eine McKinsey-Studie jüngst herausfand, ist nur ein Bruchteil der Studierten für die Arbeit bei einem Multi ausgerüstet. Es fehle sozusagen der letzte Meter im Ausbildungsgang - die Fähigkeit, im Team zu arbeiten und dies über die Grenzen der eigenen Kultur hinweg. Diese Marktlücke will die CU füllen. Laut dem "Global Council of Corporate Universities" hat das weltweite System vier Millionen Studenten und ist der schnellstwachsende Bildungssektor überhaupt.

Die Geschichte besagt, dass die westliche Uni - die erste war Bologna (1088) - auch als CU angefangen hat. Bloß war das Unternehmen die Kirche, die dort Theologie und kanonisches Recht lehren ließ. Die Globalisierung gab es damals auch schon, die Scholaren wanderten innerhalb von Europa, sprachen aber nicht Englisch, sondern Latein.

Die explodierende Zahl der CUs besagt zweierlei: Dem globalisierten Teil der Wirtschaft reicht die Uni nicht mehr, deshalb übernimmt sie selbst die (Fort-)Bildungsarbeit. Das muss kein Unheil sein, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Botschaft zweiter Teil aber geht ans Eingemachte. Die Staatsmittel je Student bleiben seit Jahrzehnten praktisch konstant, von der Wirtschaft erhalten die klassischen Unis wenig Geld. Unvorstellbar, dass eine hiesige Firma mal 400 Millionen Dollar für die Natur- und Geisteswissenschaften hergibt, wie es die Hewlett-Stiftung (Hewlett & Packard) in Stanford getan hat.

Obendrein wandern Spitzenforscher in außeruniversitäre Institutionen wie Max Planck oder Helmholtz ab. Die deutsche Universität muss sich also wandeln: den Geist und das Geld zurückholen. Wer jetzt "Verschulung" und "Schmalspur" ruft, schimpft in die falsche Richtung. Erstens, weil die hiesigen Fachhochschulen zu Recht ihren besseren Ruf genießen, gerade wegen ihrer "Verschulung". Zweitens, weil "Universität" von "universal", also "allumfassend", kommt. Sie muss eben beides tun: Studium generale (wie neuerdings an der Uni Lüneburg) und gehobene Berufsausbildung, Grundlagenforschung und hochspezialisiertes Training.

Dazu ein Drittes: die lebenslange Fortbildung, etwa so, wie es die Corporate Universities vormachen. Das geht nicht? Dann betrachten wir die enorme Anpassungsfähigkeit der Universitas Scholarium seit 1000 Jahren: erst Priesterseminar, dann Artes liberales, dann Fachwissen wie Medizin und Jura, dann Forschungsuniversität.

Anderswo, in Amerika, Brasilien oder Indien, ist das Tempo allerdings schneller. Wissen und Können sind die Schlüsselressourcen der Weltwirtschaft. Deshalb herrscht offensichtlich eine gewaltige Nachfrage - und Zahlungsbereitschaft bei den Konzernen. Warum sollten nicht auch die "richtigen" Unis dieses Füllhorn anzapfen? Weil Mammon korrumpiert? Andersherum ist es richtig: Private Gelder finanzieren bei knappen staatlichen Kassen weiteres Wissen. Wenn Unternehmen wie Unis denken, müssen Unis wie Unternehmen denken - genauso wie Stanford und Co. Ein Drittel ihres Budgets kommt von außen, ein zweites von Studiengebühren. Und ihre Abteilungen für Philosophie, Literatur, und Geschichte glänzen umso mehr.

Auf Business-Sprech heißt das nicht "Korruption", sondern "Synergie".

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