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"Der heutige Zustand ist der denkbar schlechteste"

Schachspiel (Quelle: freeimages.com,Autor: hifijohn)

Quelle: freeimages.com, hifijohn

Als Glückskind wird man schon geboren. Nein - behauptet Hermann Scherer, Business-Coach und Dozent - der Schlüssel zum Glückskind-Sein liegt in der Unzufriedenheit. Denn wer immer zufrieden ist und sich nichts traut, kommt auch nicht weiter.

In Ihrem Buch geht es um "Glückskinder", denen anscheinend alles gelingt. Wie wird man ein "Glückskind"?

Das Glück, das ich meine, hat nichts mit dem Zufall zu tun. Gemeint ist vielmehr der Zustand des Glücklichseins. Neuerdings sagt man auch Erfüllung dazu. Ich beschreibe im Buch, wie sich jeder dieses Glück erarbeiten kann. Allerdings: Planen lässt sich im Leben nichts. Ich glaube vielmehr, dass glücklich werden kann, wer seine Chancen im Leben erkennt und nutzt. Genau darum geht es bei der Chancenintelligenz.

Sie sprechen von "Chancenintelligenz" und dem "Chancenblick". Folgt man Ihnen, so haben die einen den Chancenblick, während die anderen auf diesem Auge blind sind. Ist die Welt wirklich so schwarz-weiß?

Nein, zwischen chancenintelligent und chancenblind gibt es alle Schattierungen. Mir geht es darum, die beiden Pole der Skala deutlich zu zeichnen, damit der Leser erkennt, dass die meisten von uns zu wenig wagen. Wir verschließen die Augen vor den Möglichkeiten, die sich uns bieten und machen weiter wie bisher oder so, wie man es halt macht.

Sie blicken mit Lebens- und Berufserfahrung auf dieses Thema. Die e-fellows stehen noch ganz am Anfang. Wo sehen Sie für die jungen Leute die Chance?

Genau da! Die junge Generation wagt nichts mehr. Es gibt den Plan, der zum Erfolg führt: Schule, Studium, Praktikum, Trainee, Arbeitsplatz. Und wenn man sich bewährt, dann bietet sich auch die Aufstiegsmöglichkeit. In den Köpfen ist dieser Weg. Und der vorgegebene Weg ist eben einfacher zu gehen. 

Warum trauen sich Ihrer Meinung nach die jungen Leute heute weniger?

Da gibt es unterschiedliche Gründe. Die Medien berichten viel von Krisen, einer schlechten Wirtschaft und Arbeitslosigkeit. Die letzten Jahre gab es die Schlagworte wie "Generation Praktikum", "No Chance" und "Kein Bock". Eine junge Frau, die gerade die Uni absolviert hatte und in der Bewerbungsphase war, sagte mir mal, dass sie durch die Einflüsse von außen immer das Gefühl hätte, "höher-schneller-weiter" zu müssen und das alles vor dem dreißigsten Lebensjahr. Wenn man das jetzt alles mal addiert – wer bekommt da keine Angst.

Und diese Angst macht chancenblind?

Nicht nur die Angst, aber sie ist wohl mit daran beteiligt. Sie hemmt, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, mal andere, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Probleme in Kauf zu nehmen. Es kann passieren, dass Chancen sich nicht auf Anhieb bewähren, dass Dinge einfach schief gehen. Das gehört genauso dazu, und dabei lernt man auch. Aber Probleme sind nicht gesellschaftsfähig. 

Und was macht ein Chancenintelligenter, wenn er auf ein Problem stößt?

Dann freut er sich. Probleme sind Chancen in Verkleidung. Je größer das Problem, desto größer die Chance, die dahinter steckt. Das wissen gute Chefs und Mentoren. Wer auf dem Weg zum Ziel auf Probleme stößt, sollte seine Strategie ändern. Das zwingt ihn zu neuen Wegen, und an dem Neuen wächst er. Unbekanntes Terrain macht erwachsen. 

Wie viele Chancen bekommt man denn und was macht man, wenn man sie erkennt?

Es bieten sich unendlich viele. Das kann auch tückisch sein. Denn wenn eine Chance da ist und man sie wirklich nutzen will, dann heißt es: Fokussieren! Es ist genauso schlecht, jeder Chance hinterher zu rennen wie keine Chance zu nutzen.

Haben Sie die Chancen genutzt? Sehen Sie sich als Glückskind?

Ich hatte unendlich viele Chancen und einige habe ich gewinnbringend genutzt. Aber zu anderen Zeiten habe ich die große Sorge, dass ich beim Verpassen des Lebens genauso gut bin wie alle anderen. Meistens habe ich allerdings das, was ein Kennzeichen von Glückskindern ist: Unzufriedenheit. Ich kenne kaum einen unzufriedeneren Menschen als mich. Meine Grundannahme ist: Der heutige Zustand ist der denkbar schlechteste.

Sie sind also unzufrieden glücklich? 

Ja, in gewisser Weise schon. Zufriedenheit und Glück werden gekoppelt wahrgenommen. Jedoch hält Zufriedenheit auf. Sie versperrt den Blick. Den Blick auf neue Chancen. Hier heißt es natürlich wieder: Nicht vergessen zu fokussieren. Es ist ein Zusammenspiel aus Glück und Unzufriedenheit. Man könnte es auch Teufelskreis schimpfen. Aber natürlich gibt es auch Phasen, in denen ich glücklich bin. Oder besser zufrieden. 

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Kommentar (1)

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  1. Imke

    Ist man wirklich ein Glueckskind, wenn man dem Glueck stets nachlaeuft?

    Leider kann ich Herrmann Scherer nur bedingt zustimmen. Generell hat er insofern reicht, als dass jeder seines eigenen Glueckes Schmied ist und man Chancen die sich einem bieten erkennen und ergreifen muss. Ob es allerdings wirklich von Vorteil ist, chronisch unzufrieden zu sein bezweifel ich auesserst stark. Wichtiger ist doch viel mehr ein Ziel zu haben und dieses sowohl auf direkten als auch indirekten Wegen zu erreichen, in Chancen die sich bieten den Vorteil zu Erreichung des Lebenszieles zu erkennen. Denn nur so rennt man nicht aus purer Unzufriedenheit permanent aus seiner jetzigen Situation weg, sonder nutzt nur Chancen die auch zielgebunden echte Chancen sind. Daher ist ein Glueckskind, wer aktiv nach den individuell passenden Chancen sucht und sie ergreift.

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