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Gekonnt plaudern

Small Talk (Quelle: fotolia, Autor: apinan)

© apinan - Fotolia.com

Das 'kleine Gespräch' wirkt beim Profi tatsächlich wie eine Kleinigkeit, die nebenbei geschieht. Für den Anfänger kann sie zur Nervenprobe werden. Darum ist Übung wichtig - schließlich ist geschickter Small Talk der erste Schritt zum Networking.

Stelle dir folgende Situation vor: Ein deutscher Bundespräsident trifft die englische Königin. Die Präsidentenberater haben dem deutschen Staatsoberhaupt zuvor englische Umgangsformen eingebläut und ihm gesagt, dass auf die Begrüßung die Frage nach dem Wohlbefinden des Gesprächspartners folgt: "How are you?" Der Präsident vergisst in der Aufregung aber den korrekten Ausdruck und fragt die Königin: "Who are you?". Dieser peinliche Ausrutscher wird dem früheren Bundes-
präsidenten Heinrich Lübke zugeschrieben. Ob die Königin wahrheitsgemäß mit "I am the Queen of England" geantwortet hat, ist leider nicht bekannt.

Versteckte Schlüsselqualifikation

Die kleine Episode zeigt zwei Dinge: Erstens sollten Staatsoberhäupter beizeiten Englisch lernen. Zweitens gehört in vielen Berufen das lockere Geplauder nicht nur zum guten Ton, sondern ist ein Muss. Je mehr Verantwortung jemand trägt, desto häufiger muss er sich in einer Disziplin beweisen, die kein Anforderungsprofil benennt: dem Small Talk. Small Talk gehört längst zu den so genannten Soft Skills, auch wenn das in Stellenanzeigen nicht explizit erwähnt wird.

Schlechtes Image

Small Talk hat ein schlechtes Image. Das informelle Gespräch wird gleichgesetzt mit seichtem Gesäusel und belanglosem Gerede. Der Begriff weckt Assoziationen mit peinlichen Gesprächssituationen, im besten Fall mit dem gewollt lockeren Geplauder der Talk Shows. Ist der Small Talk also nur lästiges Beiwerk des Big Business?

Wirtschaftsfaktor Small Talk

Nein, denn ohne Small Talk gäbe es weder Geschäftsbeziehungen noch Netzwerke. Und um das Klima in den Unternehmen stünde es auch nicht zum Besten. Eine Studie des Center for Workforce Development in Massachusetts belegt, dass Firmen vom Small Talk ihrer Mitarbeiter profitieren: 70 Prozent ihres Wissens erwerben Firmenangehörigen durch das alltägliche Schwätzchen.

Kleines Gespräch, große Karriere

Wer ins Berufsleben einsteigt, kommt um das informelle Geplauder nicht herum. Small Talk bricht das Eis, liefert Informationen und kann unerwartete Chancen eröffnen. Der Wortwechsel mit dem Chef im Aufzug, der Plausch mit der Sekretärin an der Kaffeemaschine, das Bier mit den Kollegen nach Feierabend - das kleine Gespräch gehört zum Büroalltag dazu. Andere Situationen sind deutlich komplizierter: der Plausch am Messestand, der Sektempfang nach dem Fachkongress, die Bahnfahrt mit dem Geschäftspartner.

Fragen über Fragen

Es bei der Begrüßung besser zu machen als der verstorbene Bundespräsident reicht also nicht aus. Denn der eigentliche Small Talk beginnt nach dem ersten Wortwechsel. Und manchmal entstehen in dem kleinen Gespräch große Probleme:

  • Welche Themen spreche ich an?
  • Wie finde ich die richtige Mischung zwischen Distanz und Nähe?
  • Wie schaffe ich eine angenehme Atmosphäre?
  • Welche Redetechniken soll ich anwenden?
  • Wieviel Persönliches gebe ich preis?

Fehler beim Small Talk vermeiden

Small Talk führt Menschen zusammen, die sich noch nicht kennen. Wer Small Talk macht, hat Angst vor Fehlern. Diese Fehler kannst du vermeiden, indem du ein paar Grundregeln einhältst. Und wenn du sie schon alle beherrschst, hast du noch einen weiteren Gesprächseinstieg: "Wussten Sie, dass es mittlerweile schon Ratgeber für Small Talk gibt?"

Grundregeln und Tipps

  • Aufmerksames und aktives Zuhören ist die Grundvoraussetzung für gelungenen Small Talk. Wer in einem Gespräch viel von sich erzählen kann, wird es in guter Erinnerung behalten.
  • Rede über ein gemeinsames Erlebnis, etwa über einen gerade gehörten Vortrag, über die Anreise in die gleiche Stadt oder auch nur über das viel zitierte Wetter. Wichtig ist, schnell einen gemeinsamen Nenner zu finden.
  • Frage deinen Gesprächspartner nach seiner Meinung. Wer sein Urteil abgeben darf, und sei es nur über ein Thema von eher beiläufigem Interesse, fühlt sich ernst genommen: Wie gut ist das letzte Fachbuch, wie lebt es sich in Frankfurt, Köln oder München, hat Schalke dieses Jahr das Zeug zur Meisterschaft oder werden es wieder die Bayern?
  • Schmeichle deinem Gegenüber, und zwar nicht durch aufgesetzte Komplimente, sondern durch Interesse und Nachfragen. Der Verhaltensforscher Robin Dunbar hat die These aufgestellt, dass die Unterhaltung bei den Menschen die gleiche Funktion hat wie das gegenseitige Kraulen bei unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen: Ein wenig "verbales Liebkosen" schadet also nicht.
  • Beziehe Umstehende in den Small Talk ein, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Gerade bei Empfängen und Stehpartys sind viele Gäste froh, wenn sie sich einer Gruppe anschließen können - und du bist mit deinem Gesprächspartner nicht mehr alleine.
  • Halte das Gespräch am Laufen, indem du in deine Antworten zusätzliche Informationen einfließen lässt. Beantworte die die Frage "Wie war ihr Flug?" also nicht einfach mit "gut", sondern mit "Viel besser als das letzte Mal, als mich der Fluglinie XY geflogen bin, da hatten wir zwei Stunden Verspätung". Bedenke: Nicht der Austausch von Information steht an erster Stelle, sondern das Reden an sich.
  • Stelle offene Fragen statt geschlossene, auf die dein Gesprächspartner nur mit "ja" oder "nein" antworten kann. Frage also nicht "War der Urlaubstrip durch die USA schön?", sondern "Was hat Ihnen besonders gut gefallen? Welche Route haben Sie gewählt? Wie sind Sie auf die Idee für diese Reise gekommen?"
  • Bedenke grundsätzlich: Natürlichkeit ist beim Small Talk Trumpf, natürlich heißt aber nicht kumpelhaft. Mit neuen Bekannten - und erst recht in einem geschäftlichen Umfeld - ist ein anderer Ton angesagt als mit den Freunden nach dem dritten Bier. Humor ist fast nie fehl am Platz, einsetzen solltest du ihn aber mit Fingerspitzengefühl.
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