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Hilfe, das Internet hat meine Karriere gefressen!

Internet www (Quelle: freeimages.com, Autor: svilen001)

Quelle: freeimages.com, svilen001

'Ich poste alles anonym, denn ich möchte, dass man so wenig wie möglich über mich im Internet findet.' 'Ich achte darauf, nirgendwo eine öffentliche Spur von mir zu hinterlassen.' Zitate, wie wir sie immer wieder lesen, auch in der Community. Als ob das Internet hauptsächlich Karrieren fressen würde. Dabei beflügelt es sie geradezu.

In den letzten Jahren haben sich "Personensuchmaschinen" wie yasni etabliert, und "googelnde Personaler" sind angeblich der Normalfall geworden.

Die beiden Phänomene führen dazu, dass viele Leute Angst davor haben, auch nur irgendwelche Spuren im Internet zu hinterlassen. Schlagworte wie der "gläserne Bewerber" bringen diese Angst zum Ausdruck. Bücher mit reißerischen Titeln wie "Karrierefalle Internet" verkaufen sich in so einer Zeit gut. Nicht nur der Autor des Buchs, der renommierte "PR-Blogger" Klaus Eck, sondern ganze Unternehmen verdienen ihr Geld mittlerweile mit "Reputations-Management" im Internet.

Kein Plädoyer für den Exhibitionismus

Um das gleich klarzustellen: Sicher kann man nicht naiv einfach alles von sich im Internet veröffentlichen und dann drauf hoffen, dass es schon niemand findet. Nach dem zu urteilen, was man so findet, wenn man sich durch die größeren Social Networks klickt, scheint es weiterhin auf jeden Fall notwendig, die Leute darüber aufzuklären, was sie da der ganzen Welt preisgeben.

Fan von "Fuck"? Muss nicht sein

Wenn ich in Facebook bin, muss ich nicht unbedingt Fan von "F U C K THIS, F U C K THAT, F U C K OFF, F U C K YOU" werden. Wenn ich einmal meinen Namen google, erblicke ich nämlich sofort, dass potenziell alle Google-Sucher in meinem öffentlichen Facebook-Profil sehen, von wem ich alles Fan bin. Ich muss auch nicht in meinem Status posten, dass ich meinen Job hasse, wenn mein Chef mein "Freund" ist. Ich muss mir auch kein Profilfoto mit tiefem Ausschnitt ins StudiVZ stellen.

Das Schneckenhaus ist keine sinnvolle Alternative

Doch wie so oft ist die beste Methode hier nicht, sich aus Panik im virtuellen Schneckenhaus zu verkriechen, sondern die goldene Mitte aus Datenkontrolle und Öffentlichkeit zu finden. Oft ist es sogar besser, gezielt Informationen von sich zu verbreiten, als das dem Zufall zu überlassen. Dafür braucht man ein wenig gesunden Menschenverstand, aber keinen "Reputationsmanager".

Mit Internet-Profil bessere Chancen als Bewerber

59 Prozent der Personaler schauen im Internet nach Informationen zum Bewerber. Das heißt meiner Erfahrung nach: Sie googeln mal kurz oder schauen schnell auf das Profil in den größeren Netzwerken; sie betreiben aber keine Tiefen-Recherche. Die Studie sagt aber auch: Noch mehr Personaler, 71 Prozent nämlich, sind der Meinung, dass "ein positives Online-Profil die Chancen einer Bewerbung stark oder zu  einem gewissen Grad erhöht."

Das Internet als authentische Ergänzung der Bewerbung

Ich sehe das genauso: Das Internet ist eine Riesenchance für den Bewerber. Lebensläufe und Anschreiben lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad optimieren. Dann sieht praktisch jeder Lebenslauf gleich aus. Lauter geschönte, standardisierte Angaben. Das ist praktisch zum Vergleichen, aber: Man kann doch so viel und muss das jetzt auf diese zwei Seiten quetschen. Wie bereichernd ist es da für den Personaler und den Bewerber, wenn das Internet das Profil des Bewerbers bestätigt und ergänzt?

Beispiel: der "öffentliche" und der "anonyme" Bewerber

Ein Beispiel: Unternehmen X sucht jemanden mit Fachkenntnis F. Bewerber B bewirbt sich. Unternehmen X googelt und sucht ihn in sozialen Netzwerken, zum Beispiel in der e-fellows.net community (wenn es ein e-fellows.net-Partnerunternehmen ist). Dabei findet die Firma folgende Informationen:

  • Bewerber hat in einem Blog etwas über Thema F geschrieben.
  • Bewerber ist Mitglied meiner Unternehmensgruppe in der Community und  hat dort schon mal interessierte Fragen gestellt.
  • Bewerber hat auf Fragen anderer zu Thema F mit kompetenten Antworten überzeugt.
  • Bewerber hat ein Community-/Xing-Profil, das zeigt, dass er Mitglied in fachrelevanten Gruppen oder Organisationen ist und viele  Leute kennt, die ebenfalls vom Fach sind.
  • Bewerber hat ein Twitter-Profil und folgt damit vielen fachrelevanten Twitterern oder tweetet sogar selbst hin und wieder was.
  • Artikel über das soziale Engagement oder Projekte des Bewerbers, die zeigen, dass er wirklich so engagiert und vielseitig ist, wie sein Lebenslauf behauptet.

Jetzt hat sich bei dem Arbeitgeber auch Gegenbewerber G beworben. Der ist genauso gut, aber im Internet ist über ihn praktisch nichts zu finden, weil er immer anonym postet oder Social Networks gar ganz fernbleibt. Sofern das Unternehmen nicht die Datenschutzbehörde ist, dürfte der Gegenbewerber deutlich geringere Chancen auf eine Einladung haben.

Zeigt euch - nur nicht zu privat!

Das sind alles Gründe für mich, warum es als Bewerber fast immer besser ist, wenn im Internet viel von einem zu finden ist. Das schließt  natürlich Privates aus. Es geht die Öffentlichkeit zum Beispiel nichts an, wenn man sich schlecht fühlt, wenn es mit dem Partner nicht so gut läuft, oder wenn man sich am Samstagabend zu stark die Kante gegeben hat. Markiert einen zum Beispiel jemand auf so einem Facebook-Foto, solltet ihr die Markierung einfach wieder entfernen.

Im Wald fällt ein Baum nicht mehr auf

Es hat aber noch einen weiteren Vorteil, wenn es viel im Internet von euch gibt: Dann fällt der eine kleine Fauxpas nicht auf, der euch irgendwann vielleicht mal passiert ist oder den jemand über euch gepostet hat.

Ab ins Internet!

Gerade für die e-fellows, die deutlich mehr drauf haben als der Durchschnittsstudent, sollte die Botschaft klar sein: Ab ins Internet, denn damit könnt ihr euch erst recht von anderen Bewerbern abheben.

Das Online-Profil wird noch wichtiger werden

Klar, das muss jeder für sich selbst entscheiden - und sicher ist das zurzeit auch noch von der Branche abhängig, in der man sich bewirbt. Das wird sich mit der Zeit allerdings ändern. Schließlich verkehrt sogar unser Steuerberater seit diesem Jahr mit uns per E-Mail ;)!

Umfrage in der Community (nur für e-fellows) zum Thema: Hat man schlechte Karten bei der Bewerbung, wenn der Personaler bei Google & Co. nichts über einen findet?

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Kommentare (7)

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  1. D

    Noch eine Frage: Ist Angepasstheit ein Erfolgs-/Qualitätskriterium? Ich bin der Meinung, zu einem gewissen Grad dem Erfolg zuträglich (und unerläßlich), aber letzten Endes sind beides sehr viel diversifiziertere Dinge, die sich eben nicht auf Oberflächliches reduzieren lassen. Der Fakt Showstopper produziert demzufolge unzählige false positives, und kann auch für eine "Inzest" Mentalität innerhalb des Unternehmens sorgen - man baut sich einen Laden aus Leuten, die alle ähnlich ticken. Selten gut.

  2. D

    Sorry, aber jeder, der glaubt, dass Online Netzwerke der einzige - und vor allen Dingen effizienteste Weg sind, zu netzwerken - irrt. Sie sind ein Weg, meinetwegen, aber ganz sicher nicht der einzige und noch sicherer nicht der beste. Was sagt es aus, wenn jemand in seinem Xing Profil 500 Freunde verlinkt hat? Bestimmt nicht, dass jeder dieser 500 sofort Gewehr bei Fuss ist, um der betreffenden Person zu unterstützen ... und wie kann man den Unterschied sehen, ob unter einem Profil mit 10 Freunden nicht vielleicht die Vernetzung viel enger ist, als bei jenem mit 500? Mein Lehrer hat immer gesagt Qualität, Quantität, 1, 2, 3 ... Online Netzwerke erfassen allenfalls die Quantität, und das ist eben kein Qualitätskriterium. Ist die betreffende Person ein Leader innerhalb des Netzwerks? Unmöglich zu quantifizieren. Das ganze fusst nur auf einer Rückversicherungsmentalität. Personaler, die vor der Entscheidung Hire darauf verweisen können, dass jene Person in xing 500 Bekannte hat, glauben eine meßbare Quantifizierung zu haben, um "Vernetzung" zu messen. Das ist wie eine Zertifizierung ... vorzeigbar, aber eben auch in der Realität wertlos.

  3. Carlos

    @D: Ich kann das mit dem Showstopper eigentlich schon nachvollziehen. Vielleicht nicht bei einem Einsteiger, aber wenn ich zum Beispiel einen Projektleiter suche, der auch Kundenkontakt hat, und der hat nicht mal ein Online-Profil, oder sein Online-Profil (damit meine ich alles, was ich leicht öffentlich finden kann) zeigt mir, dass derjenige überhaupt nicht in der Szene vernetzt ist, dann SCHLIESSE ich daraus auch, dass er wohl in der Szene nicht vernetzt ist - vor allem, wenn ich noch weitere Bewerber habe, bei denen diese Vernetzung zu finden ist. Bei den anderen sehe ich die Vernetzung in der Szene und die Fachkompetenz quasi per Klick, bei dem einen nicht. Der ist dann ein Fragezeichen. Bei den anderen bestätigt das Internet den Lebenslauf. Dazu kommt: Will ich jemanden einstellen, der offenbar Hemmungen davor hat, sich über die gängigen Methoden (Xing & Co.) zu vernetzen? Ich hätte ehrlich gesagt nicht gerne jemanden, den ich erst mal bitten müsste, sich doch bitte wenigstens in Xing anzumelden.

  4. D

    Wenn man ein fehlendes Online Profil im IT-Sektor als "Showstopper" bezeichnet, zeigt das nicht viel mehr als eine beschränkte und ziemlich einfache Sicht der Welt. Mag ja sein, dass ein gutes Online Profil Vorteile bringt. Die Bedeutung des Begriffs "Showstopper" impliziert doch, dass da eine Grobschlächtigkeit am Werk ist, die Oberflächlichkeit nicht von Tiefgang unterscheiden kann.

  5. Lukas Oldenburg

    Hallo Herr Hartmann, danke für diese bereichernde, bildhafte und beispielreiche Ergänzung aus Ihrem Recruiting-Alltag! :) L.O.

  6. Johann-Peter Hartmann

    Hallo! schöner Blogpost - und sehr viel Wahres mit dabei. Vielleicht als Ergänzung ein kurzer Blick auf den Einstellungsalltag bei uns: in den Vorstellungsgesprächen (IT-Branche) wirkt es in der Tat irritierend, wenn jemand überhaupt nicht online aufzufinden ist. Es ist selbstverständlich, dass die HR-Abteilung vor allem auf Xing, aber auch auf Facebook oder StudiVZ schaut, ob sich hier etwas Auffälliges finden lässt. Das muss keineswegs negativ sein - wer mit vielen Experten vernetzt ist, scheint kompetent zu sein, auch Forenpostings, die Sachkompetenz ausstrahlen landen eindeutig auf der Haben-Seite. Es wird nicht geschaut, ob bei den Fotos seltsame Privatfotos sind, oder man eine vulgären Kalauer als Status gewählt hat. Wenn jemand aber in einem Forum mit einem Trollposting antwortet, wird das sehr wohl im sozialen Profil erfasst. Das googlen nach dem Namen des Bewerbers gehört auch per se zum Standardwerkzeug, es passiert garantiert vor jeder Kontaktaufnahme von unserer Seite. Auch hier geht es vor allem um Punkte auf der Haben-Seite: Wer auf Konferenzen, BarCamps oder auch bei seinem studentischen Arbeitgeber aktiv war, wird gerne gesehen. Auch Engagement in anderer Richtung - bei THW, Feuerwehr, Attac oder Greenpeace - macht einen positiven Eindruck, da wird Verantwortung übernommen und im Team gearbeitet. In unserer Branche ist ein fehlendes "Online-Profil" genau so ein Showstopper wie ein schlechtes, und wer gutes Engagement - oder sogar Online-Referenzen von dritter Seite, etwa durch Vorträge etc - vorweisen kann - der geht mit einem prall gefüllten Punktekonto zum Vorstellungsgespräch.

  7. Tweets that mention e-fellows.net blog » Blog Archiv » Hilfe, das Internet hat meine Karriere gefressen! -- Topsy.com

    [...] This post was mentioned on Twitter by e-fellows.net, Julia Büttner. Julia Büttner said: RT @e_fellows: Hilfe, das Internet hat meine Karriere gefressen! http://bit.ly/du6G5Y [...]

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