Partner von:

Nasenreibereien am Nordpol

Netzwerk Europa Verknüpfung Web Soziales Interkulturell International [Quelle: Fotolia, Autor: thingamajiggs]

Quelle: Fotolia, thingamajiggs

Jeder spricht davon, kaum einer kann genau benennen, was es eigentlich ist. Nur so viel ist sicher: Interkulturelles Know-how braucht nicht nur der Touristenführer auf Bali, sondern zum Beispiel auch der Berater eines internationalen Consulting-Unternehmens. Wie aber wird man interkulturell? Jedenfalls nicht, indem man blind jahrhundertealte Traditionen nachahmt.

So hatte der aufstrebende junge Anwalt sich das nicht vorgestellt. Nach nur wenigen Minuten wandte sich der wichtige Auftraggeber seiner Kanzlei bereits von ihm ab. Irgendetwas schien ihn zu stören. Dabei waren die rechtlichen Fragen zur Einrichtung einer deutschen Tochter des chinesischen Unternehmens doch noch gar nicht geklärt.

Eiszeit zwischen China und Coburg

Woran es lag? An einer kleinen, unscheinbaren Visitenkarte – die war dem Jungjuristen zu Beginn des Gesprächs überreicht und von ihm unbesehen in das Portemonnaie gesteckt worden. In Deutschland üblich – in China ganz klar eine Respektlosigkeit gegenüber dem Geschäftspartner. Ein solcher Fauxpas lässt sich leicht vermeiden, dafür wurden in den letzten Jahren zahlreiche Knigge-Nachkömmlinge für Geschäftskontakte mit dem Ausland publiziert. Ob "Verhandeln mit Vietnamesen" oder "Geschäftsessen mit Pygmäen", welche Anstandsregeln im Umgang mit anderen Kulturen wichtig sind, kann man ja lernen. Aber genügt das, um bereits als "interkulturell kompetent" durchzugehen?

Was ist eigentlich interkulturelle Kompetenz?

"Interkulturell" heißt zunächst schlicht: zwischen Kulturen, also deiner und der deines Gegenübers. Interkulturelle Kompetenz beweist, wer mit seinem Gegenüber so in Kontakt treten kann, dass sich beide damit wohlfühlen. Wer bittet oder anfragt, ist dabei üblicherweise auch derjenige, der "kulturell" auf den anderen zugehen muss. Das heißt: Wenn du einen Auftrag von einem russischen Unternehmen möchtest, musst du die russischen Hierarchiestufen strikt berücksichtigen. Wenn andererseits ein spanisches Unternehmen etwas von deiner Firma will, tut es gut daran, sich an das deutsche Verständnis von Pünktlichkeit zu halten.

Wie du mir, so ich dir

Der Versuch, sich wie ein Landsmann des Geschäftspartners zu verhalten, ist von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Interkulturelles Miteinander verlangt immer große Toleranz von beiden Seiten. Die wird im Geschäftsleben gerne aufgebracht, wenn man den aus diesem Miteinander stammenden Profit vor Augen hat. Jede Kultur besitzt aber auch Akzeptanzgrenzen. Neben dem faktischen Wissen über Gebräuche der anderen Kultur muss man also vor allem große Sensibilität mitbringen. Hier hilft es, jeden Augenblick genau zu taxieren: Wie reagiert dein Gegenüber? Fühlt er sich noch wohl? War ihm diese Frage unangenehm?

Stichwort Auslandsaufenthalt

Diese Sensibilität kann geübt werden – und wer ein Semester oder mehr im Ausland gelebt hat, der hat sie zwangsläufig geübt. Beim Auslandssemester erfolgt zwar meist keine Akkulturation, das bedeutet eine kulturelle Angleichung an die Gastgesellschaft, aber doch eine Akkomodation: Man übernimmt die Regeln, die für das alltägliche Miteinander gelten: die korrekte Anrede, die Sprechlautstärke, die Art der Begrüßung. Doch auch, wenn du nach der Akkomodations-Phase im Polarkreis mit lieben Bekannten ganz selbstverständlich Nase an Nase reibst, bist und bleibst du doch Deutscher. Aber immerhin ein anpassungsbereiter.

Sprache ist nur der Anfang

Vielleicht hast du Japanisch gelernt, weißt, in welcher Höflichkeitsstufe du wen ansprechen musst und dir auch die eher sparsame japanische Gestik angewöhnt. Und dennoch stehst du oft genug kopfschüttelnd neben deinem japanischen Kommilitonen. Hier kommt neben dem Faktenwissen über die Kultur und dem zwischenmenschlichen Feingefühl noch etwas Drittes hinzu, dass kaum erlernbar ist: Empathie, übersetzt: Einfühlungsvermögen. Die Kunst, die Welt durch die Augen des anderen zu sehen. Das wird dir bei deinem japanischen Mitstudenten kaum gelingen – zu sehr unterscheiden sich die Weltsichten. Je mehr du dich aber mit der Kultur des anderen beschäftigst, desto eher kannst du nicht nur verstehen, wie die Menschen dort handeln, sondern auch, warum. Und dann kannst du Reaktionen bis zu einem gewissen Grad sogar vorhersehen, auch wenn sie dir fremd sind.

Kritikfähigkeit an der eigenen Kultur

Ein professionelles geschäftliches Auftreten strahlt Kompetenz aus und ist für jede Art von Business-Kontakt weltweit förderlich. Oder? Beispielsweise wollen Inder auch mit ihren Geschäftspartnern gut Freund sein – und diese persönliche Sympathie, die früh durch Essenseinladungen im Familienkreis manifest wird, ist wichtiger als jeder schriftliche Vertrag. Viele deutsche Manager gehen aber zunächst davon aus, dass das deutsche Verständnis von Professionalität ("Geschäft ist Geschäft und privat ist privat") international ist. Und dass ein unterschriebener Vertrag endgültig ist. So kommt es zu "interkulturellen Missverständnissen": Weil ein Gesprächspartner davon ausgeht, dass seine Ansicht "normal" im Sinne von universell ist.

Was will die Firma – was willst du?

Diese Menge an teilweise nicht oder nur bedingt erlernbaren Eigenschaften kann ein Unternehmen nicht abprüfen, selbst wenn es "interkulturelle Kompetenz" in der Stellenausschreibung fordert. Generell werden unter diesem Stichwort neben den Sprachkenntnissen ein gewisser Schliff im Umgang mit Fremden, Höflichkeit, Toleranz und Takt verstanden. Gleichzeitig beweist du mit der intensiven Beschäftigung mit einer fremden Kultur aber auch Flexibilität, Lernbereitschaft, Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit.

Wenn du aber einen konkreten Auslandstermin in Aussicht hast, dann genügt es nicht, sich darauf zu verlassen. Bereite dich vor, indem du einschlägige Fachliteratur wälzt oder im Internet kulturelle Regeln des jeweiligen Landes nachliest. Sei bereit, jeden Moment Neues zu lernen. Sei offen für andere Menschen. Und zeige deine Selbstsicherheit, indem du über dich lachst - du wirst immer wieder in Fettnäpfchen treten.

nach oben

Was bedeutet eigentlich Business casual? Wie viel Schmuck ist im Job erlaubt? Im Dresscode-Spezial verraten wir es dir.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren