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Fehrenbach und sein "AA-"

Zahnrad, Bosch, Trainee-Programm, Fertigung, Quelle: sxc.hu

Zahnrad, Bosch, Trainee-Programm, Fertigung, Quelle: sxc.hu

Der Bosch-Chef wird 60 Jahre alt - und muss ausgerechnet jetzt die härteste Bewährungsprobe seiner Amtszeit bestehen.

 

"Bosch AA-Outlook negative" meldet die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Ende Mai. In solchen Momenten huscht Franz Fehrenbach ein verschmitztes Lächeln übers Gesicht. Nun ist der Chef des weltgrößten Automobilzulieferers Bosch nicht gerade dafür bekannt, sein Selbstwertgefühl aus angelsächsischer Kapitalmarktorientierung, Bonitätsprüfung oder gar Shareholder-Value zu ziehen. Aber in diesem historischen Krisenjahr ist eben doch alles ein bisschen anders.

Das nüchterne "AA-" heißt nichts anderes, als dass Bosch das beste Rating aller deutschen Industriekonzerne vorweist. Kein Dax-Unternehmen kann sich günstiger Kapital am Finanzmarkt beschaffen als der traditionsreiche Stuttgarter Konzern im Stiftungsbesitz.

Das ist das Ergebnis einer sparsamen Unternehmenspolitik, die langfristige Wachstumsziele über die kurzfristige Gewinnmaximierung stellt. Dafür steht Franz Fehrenbach, der Winzersohn aus dem südbadischen Kenzingen, der Bosch seit Juli 2003 führt. Der erst sechste Chef in der Geschichte des 123 Jahre alten Konzerns wird am 1. Juli 60 Jahre alt - und steht nun vor seiner wohl größten Bewährungsprobe: Nach Umsatzeinbrüchen in der Autoindustrie von einem Drittel wird es in den kommenden Monaten bei jedem Unternehmen ans Eingemachte gehen. Weite Teile der Bosch-Belegschaft arbeitet bereits kurz. Fehrenbach kämpft darum, ohne Entlassungen auszukommen. Aber garantieren kann er das nicht. Im laufenden Jahr nimmt er lieber den ersten Verlust seit Kriegsende in Kauf, als schnell zu entlassen. Über eine Milliarde Euro Minus könnten unter dem Strich stehen.

Schafft es Fehrenbach aber, die Stammbelegschaft an Bord zu halten, macht er dem Firmengründer Robert Bosch alle Ehre, der wegen seiner sozialen Ader "Roter Robert" genannt wurde. Fehrenbach selbst erhielt den Titel "Grüner Franz" als Ökomanager des Jahres 2006 vom Handelsblatt. Er war in die Solartechnik eingestiegen und hatte den Konzern auf Nachhaltigkeit und alternative Energiequellen ausgerichtet.

Fehrenbach, der in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studierte und danach seine Karriere bei Bosch begann, genießt großen Respekt in der Autoindustrie. "Offenheit, Gradlinigkeit und Durchsetzungsstärke sind über alle Stationen bei Bosch wesentliche Charakterzüge von Franz Fehrenbach geblieben", sagt BMW-Chef Norbert Reithofer. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking spricht ihm eine Führung "mit ruhiger Hand, die auch hart zupacken kann", zu.

Viel ist in Fehrenbachs Zeit nicht schiefgelaufen: Die teuer entwickelte Pumpe-Düse-Technologie wurde von der Einspritztechnologie Commonrail verdrängt, der Dieselfilter ging Bosch durch die Lappen und der Ausbau des Bremsengeschäfts erweist sich gerade als Fehleinschätzung.

Aber insgesamt steht den Fehlschlägen eine beeindruckende Erfolgsbilanz gegenüber. Fehrenbach hat das Nicht-Autogeschäft erheblich ausgebaut. In seiner Amtszeit steigerte er - trotz des jüngsten Rückschlags - den Umsatz um ein Viertel auf 45 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote stieg von 37 auf knapp 50 Prozent. Alles spricht dafür, dass der Autozulieferer mit diesem Polster aus dieser Krise gestärkt hervorgeht. Wenn nicht Bosch, wer dann?

Ein sehr ordentlicher Ertrag für die Amtszeit des Winzersohns, der in seiner Freizeit mit viel Geduld und Sorgfalt die selbst gepflanzten Weinreben in seinem Garten pflegt.

 

 

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