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Gefangen im öden Alltag

Büro, Arbeitsplatz[Quelle: unsplash.com, Autor: Olu Eletu]

Quelle: unsplash.com, Olu Eletu

Stress, Zeitdruck, Burnoutgefahr? Von wegen, sagen Führungskräfte. Und bescheinigen ihren Teams, dass sie eher unter Langeweile und Unterforderung leiden.

Kaum Herausforderungen, ein unnützes Meeting nach dem anderen, nervtötende Routineaufgaben. Kommt dir das bekannt vor, wenn du über deinen Arbeitsalltag nachdenkst? Dann bist du anscheinend nicht allein: Mehr als die Hälfte der deutschen Manager vermutet, dass ihre Untergebenen gelangweilt sind – bis zu acht Stunden je Woche. Nur 40 Prozent der Vorgesetzten glauben, dass ihre Mitarbeiter sich nie langweilen.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung des Personaldienstleisters Robert Half unter 500 Führungskräften in Deutschland. Die Umfrage befasst sich auch mit den Gründen, die die Manager hinter der großen Langeweile vermuten.

Die Mehrheit (fast ein Drittel) macht zu viele oder schlecht organisierte Meetings dafür verantwortlich; etwa genauso viele glauben, dass die Mitarbeiter von ihren Aufgaben nicht gefordert sind. Als weitere wichtige Gründe nennen sie mangelnde Vielfalt oder Abwechslung innerhalb der Funktion (Routinetätigkeiten), eine an sich uninteressante Arbeit, zu viele strikte Richtlinien und Prozeduren und fehlende Freude am Austausch mit Kollegen.

Warum Manager ihre Mitarbeiter für gelangweilt halten

Befragte waren 500 Führungskräfte in Deutschland

Grund Prozent (Mehrfachnennung war möglich)
Unterforderung 30
Ineffiziente Meetings 30
Wenig Abwechslung 28
Uninteressante Arbeit 22
Zu viele Vorgaben 20
Kommunikationsprobleme 20
Schlechtes Management 19
Nicht genug zu tun 17
Gefühl der Bedeutungslosigkeit 8

©: Robert Half

Die neue Studie ist nicht die einzige, die darauf hindeutet, dass nicht nur Stress und Überforderung für Mitarbeiter in deutschen Unternehmen eine Gefahr sind, sondern auch das genaue Gegenteil. Erst vor kurzem zeigte eine andere Befragung: Wissensarbeiter, also Menschen die nicht für ihre körperlichen oder handwerklichen Fähigkeiten entlohnt werden, sondern für ihr erworbenes Wissen, sind im Alltag zu einem guten Teil mit Aufgaben beschäftigt, für die sie überqualifiziert sind. Wissensarbeiter verbringen demnach mehr als ein Drittel ihrer Arbeitszeit (36 Prozent) mit Routineaufgaben. Für die Lösung komplexer Probleme wenden sie hingegen nur 29 Prozent ihrer Zeit auf und für wissensbasierte Tätigkeiten 36 Prozent.

Im Vergleich zum Jahr 2013 habe sich an dieser Aufteilung kaum etwas verändert, zeigt die Befragung. Noch ein Ergebnis lässt aufhorchen: Während jede zweite befragte Führungskraft ihren Wissensarbeitern eine herausragende Bedeutung und eine stärkere Förderung beimisst, empfinden das von den Wissensarbeitern selbst nur 37 Prozent so. Für die Studie der Gesellschaft für Wissensmanagement, des Personaldienstleisters Hays und des Beratungsunternehmens PAC wurden mehr als 1.200 Wissensarbeiter und Führungskräfte befragt.

Dass nicht nur Überforderung, sondern auch Langeweile am Arbeitsplatz eine Gefahr bergen können, ist keine ganz neue Erkenntnis. Schon seit etwa zehn Jahren wird dafür der Begriff "Boreout" als Gegenstück zum "Burnout" verwendet. Er beschreibt Stress, der aus Langeweile entsteht und aus den Versuchen von Arbeitnehmern die Gelangweiltheit zu verstecken. Es gibt aber kaum medizinische Erkenntnisse über das Phänomen.

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