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Leistungskiller Unterforderung

Boreout (Quelle: freeimages.com, Autor: kuypers)

Quelle: freeimages.com, kuypers

Psychische Erkrankungen kosten die deutsche Wirtschaft Milliarden. Mittlerweile sind sie die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen. Allein 2012 wurden rund 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von psychischen Erkrankungen registriert. Dabei nehmen nicht nur die Burnout-Fälle zu. Auch Unterforderung, das sogenannte Boreout, ist ein ernstzunehmendes Problem. Was steckt dahinter und wie kann man Boreout bekämpfen?

Seitdem Prominente wie die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld und Skispringer Sven Hannawald über ihr Burnout gesprochen haben, wird in Deutschland offener über Arbeitsbelastung, Stress und psychische Erkrankungen diskutiert. Das gegenläufige Phänomen, die Unterforderung, spielt in der öffentlichen Debatte hingegen keine Rolle. Dabei sind die Folgen ähnlich gravierend wie bei einem Burnout.

Boreout und Burnout haben ähnliche Symptome

Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Gereiztheit, ständige Müdigkeit und nachlassende Konzentration - diese Symptome können nicht nur Anzeichen einer Überforderung sein. Sie treten auch auf, wenn sich Menschen qualitativ und/oder quantitativ nicht ausgelastet fühlen. "Gerade hochqualifizierte Mitarbeiter stellen häufig einen großen Anspruch an sich selbst und an ihre Arbeit", sagt  Sonja Wittig, Business-Coach vom Institut für Lebensmotive aus Köln. "Wenn sie dauerhaft Tätigkeiten ausführen müssen, die sie unterfordern, kann das zur psychischen Belastung werden und die Leistung deutlich vermindern."

Durch Unterforderung in Abwärtsspirale

Das Problem: Betroffene können durch die Unterforderung leicht in eine Abwärtsspirale geraten. Weil sie Aufgaben erledigen, die nicht ihrer Qualifikation entsprechen, oder schlicht zu wenig zu tun bekommen, fühlen sie sich nicht ausgelastet, werden demotiviert, antriebslos oder sogar depressiv. Infolgedessen sinkt ihre Leistungsfähigkeit, was dazu führen kann, dass der Chef ihnen anspruchsvolle Aufgaben erst recht nicht zutraut.

Doch warum bleiben die Fähigkeiten der Mitarbeiter ungenutzt? Das könne daran liegen, dass die Unternehmenskultur, der Führungsstil des Chefs oder die Art der Tätigkeit nicht zur eigenen Person passen, sagt Wittig. Wenn die Erwartungen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sehr unterschiedlich seien, führe dies mitunter dazu, dass Mitarbeiter sich nicht ausgelastet und gefordert fühlen. Unterforderung, das zeigt sich im Coaching mit Arbeitnehmern immer wieder, kann aber auch eine Spielart des Mobbings sein. Wenn man einen ungeliebten Mitarbeiter loswerden möchte, gibt man ihm zu wenig oder uninteressante Aufgaben und hofft, dass er die Konsequenzen zieht.

Bei Boreout überlegt handeln

Mitarbeiter, die sich unterfordert fühlen, sollten nicht direkt das Handtuch werfen, rät Sonja Wittig. Ein Jobwechsel kann ein Weg sein – es lohnt sich jedoch meist, sich zunächst die Frage zu stellen, wie sie die Situation verbessern können, ohne gleich den Job zu kündigen. Oft hilft es schon, das Gespräch mit der Führungskraft zu suchen und Vorschläge zu machen, wie der eigene Job ausgeweitet oder anders gestaltet werden könnte. Eine andere Möglichkeit ist, sich Herausforderungen außerhalb der Arbeit zu suchen, beispielsweise in Sport, Kunst, Musik oder einem Ehrenamt. Allerdings fühlen sich viele Boreout-Betroffene auch in der Freizeit zu müde, um mit Lust und Energie aktiv zu werden. Aktivitäten fallen ihnen zunehmend schwer, sie ziehen sich zurück. Hält dieser Zustand länger an, sollten Betroffene professionelle Unterstützung bei einem Coach oder Therapeuten suchen. "Oftmals kann schon Terminvereinbarung eine Erleichterung für die Betroffenen bringen", sagt Wittig. "Mit der Aussicht, in Naher Zukunft mit jemandem über die Situation sprechen zu können, ist der erste Schritt raus aus der Unzufriedenheit schon gemacht."

Für Arbeitgeber zahlt es sich aus, die Mitarbeiter dabei zu unterstützen, Aufgaben zu finden, die ihren Qualifikation und Interessen entsprechen. Dadurch erhöhen sie die Identifikation mit dem Unternehmen, steigern die Leistungsfähigkeit und tragen dazu bei, Fehlzeiten der Angestellten durch psychische Erkrankungen zu reduzieren.

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