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Das gelungene Anschreiben

Innovationen bei Bosch, Laptop [Quelle: freeimages, Autor: sqback]

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Jede Bewerbung braucht ein prägnantes Anschreiben. Personalchefs verraten, was gut klingt, worauf es ankommt und was man besser sein lässt.

"Lieber Herr Siemens, der erste Satz in einer Bewerbung ist immer der schwierigste. Wie Sie sehen, habe ich diese Herausforderung irgendwie gemeistert ..." Der erste Satz einer Bewerbung ist fast so schwer wie der eines Liebesbriefs. Ist er gelungen, findet die gesamte Bewerbung Beachtung. Ist er es nicht, landet sie womöglich sofort im Papierkorb. Was den Personalern gefällt, ist Geschmackssache. Aber es gibt einige Punkte, die immer gültig sind.
 
 "Die Bewerbung sollte so gestaltet sein, dass mir die Qualifikationen für eine ausgeschriebene Stelle sofort ins Auge fallen", erklärt beispielsweise Dirk Marek, Personal-Verantwortlicher bei der Metro AG. Der Personaler tut schließlich auch nur seine Arbeit – und die geht ihm leichter von der Hand, wenn ihm zugearbeitet wird.
 
 Darum sollte schon das Anschreiben prägnant und konkret verfasst sein. Zu viel Kreativität, zu viel Poesie, langatmige Aufzählungen und Ausführungen wollen die Mitarbeiter der Personalabteilung nicht lesen. Schließlich ist ein Anschreiben keine Literaturarbeit. Und eine gelungene Bewerbung enthält ohnehin noch einen Lebenslauf mit den wichtigsten beruflichen Stationen und häufig auch ein Motivationsschreiben. Darum beginnt das Anschreiben mit dem Wesentlichen und den stärksten Argumenten: Was der Bewerber kann, warum er der ideale Kandidat ist. Das zeigt er, indem er eine kurze, knappe und präzise Begründung liefert.
 
 Das Anschreiben hat ein übersichtliches, ansprechendes Layout, ist in gut lesbarer Schrift auf hochwertigem Papier gedruckt. Es hat einen Briefkopf, in dem alle wichtigen Kontaktdaten sowie Name, Adresse und Abteilung des Ansprechpartners richtig aufgeführt sind. Es hat eine Ortsangabe, ein Datum und eine Betreffzeile, in der auch die genaue Position genannt ist, um die man sich bewirbt.
 
 Der erste Satz beginnt mit dem stärksten Argument, nicht mit einer Ankündigung im Stile von "Hiermit bewerbe ich mich um ...", und auch sollte der Jobanwärter nicht erklären, dass er "mit besonderem Interesse" die Stellenanzeige gelesen habe. Was soll das aussagen? Dass der Bewerber des Lesens mächtig ist? Lange Einleitungen sind genauso überflüssig wie die Erwähnung, dass man derzeit auf Jobsuche ist. Und auch die ältlich klingende Frage "Darf ich mich Ihnen vorstellen?" könnte unbewusst ein "Bitte nicht!" provozieren.
 
 "Texten Sie zwischen 'Sehr geehrte Damen und Herren' und 'Herzliche Grüße' keinen Brief, sondern ein Briefing", rät der Bewerbungsberater Gerhard Winkler. Dafür reicht eine knappe Seite. Das Anschreiben ist eine Leistungsbilanz mit einer knappen Selbstpräsentation, kein Essay, kein Kurzroman. Die Einleitung kann auf einen Satz reduziert werden. Unbelegbares Eigenlob klingt unseriös, ebenso Lobeshymnen über den künftigen Wunsch-Arbeitgeber.
 
 Doch was ist seriös und was ist ein überzeugendes Argument? Die bisherige Position, abgeschlossene Projekte, Erfolge bei Praktika, ein besonders exzellenter Abschluss, eine herausstechende Qualifikation auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite ein knapper Verweis auf die Stellenanzeige, in der ein Mitarbeiter mit genau diesen Kompetenzen gesucht wird.
 
 Ein gelungenes Anschreiben argumentiert aus der Sicht des Unternehmens, das den Mitarbeiter sucht – und zwar professionell und fundiert. Der Bewerber verkauft seine Arbeitskraft und Kompetenz, nicht mehr. Und weil er den Wert seiner Arbeit kennt, enthält das Anschreiben überdies Gehaltsvorstellungen sowie den möglichen Einstiegszeitpunkt. Der Verweis auf eine Website oder mindestens eine Kontaktnummer, unter der weitere Informationen verfügbar sind, rundet das Schreiben ab.
 
 Uneinigkeit herrscht indes darüber, ob und wie auf den Anzeigentext Bezug genommen werden soll. Die meisten Stellenannouncen sind kaum besser als die dazu gehörigen Bewerbungen: Voller Wortgerümpel, zugemüllt mit nichtssagenden Allgemeinplätze und Floskeln. Zumeist wünschen sich die Unternehmen engagierte, hoch motivierte Mitarbeiter – aber was heißt das? Und was heißt es, wenn sich der Bewerber als solcher ausgibt? Den Bezug zur Ausschreibung wegzulassen, wirkt als habe man sich zu wenig informiert. Besser ist es, zu belegen, dass man die gesuchten Qualifikationen erfüllt und sehr gerne für das Unternehmen arbeiten möchte. Das klingt zum Beispiel so: "Sie verlangen viel von Ihren Ingenieuren. Auch ich verlange viel von mir, wie Sie meinem Abschluss mit Bestnoten entnehmen können." Oder auch so: "Sie suchen eine erfahrene Mitarbeiterin für die Pflegeleitung. In knapp zehn Berufsjahren konnte ich die vergangenen drei Jahre Erfahrungen als Pflegeleiterin sammeln." Oder ganz anders.
 
 Am Ende hängt der Erfolg einer Bewerbung zum Glück nicht allein vom Anschreiben ab. Und auch die meisten Absagen haben eher einen Negativpreis für schlechte Formulierungen verdient.

 © ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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