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Was ist, wenn ich mich falsch entscheide?

Entscheidung Mann zwischen zwei Pfeilen ( © kantver - fotolia.com)

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Der Psychologe Wolfgang Gaissmaier erklärt, wie die Suche nach dem passenden Beruf leichter fällt und wie Freunde dabei helfen können.

ZEIT Campus: Herr Gaissmaier, ob ein Job wirklich der richtige ist, kann man vorher nie genau wissen. Was tun, wenn man beim Berufseinstieg die falsche Wahl trifft?

Wolfgang Gaissmaier: Man braucht den Mut, sich früh genug einzugestehen, dass einem die Stelle oder die Aufgaben nicht gefallen. Dann sollte man etwas dagegen unternehmen. Und man sollte nicht von einer Fehlentscheidung sprechen.

Warum nicht? Genau das ist es doch.

Im Nachhinein sind wir immer schlauer – doch heißt das noch lange nicht, dass wir das im Vorhinein hätten wissen können. Ein paar Monate oder Jahre später können sich zum Beispiel die Lage auf dem Arbeitsmarkt oder auch die eigenen Vorstellungen geändert haben. Dann passt die einst getroffene Entscheidung nicht mehr zum jetzigen Leben. Ich würde das eher eine Weiterentwicklung nennen.

Ist das nicht dasselbe, nur etwas positiver formuliert?

Nein, gerade beim Berufseinstieg gehört der eine oder andere Umweg dazu. Das sollte man nicht als Scheitern empfinden. Es geht darum, herauszufinden, was man wirklich will. Und manches, wie beispielsweise einen cholerischen Chef oder einen langweiligen Arbeitsalltag, kann man auch nach dem längsten Vorstellungsgespräch und der intensivsten Recherche nicht absehen. Alle Risiken lassen sich nicht ausschließen.

Trotzdem, gerade bei der ersten Stelle zweifeln viele. Wie geht man mit dieser Unsicherheit um?

Wer etwas dagegen tun will, kann sich selbst auf die Probe stellen, indem er seine Entscheidung von Eltern oder Freunden hinterfragen lässt. Ist man selbst von der Berufswahl überzeugt, kann man auch vor den Fragen und Einwänden der anderen bestehen und geht gestärkt aus einem solchen Gespräch heraus.

Gibt es Leute, denen so eine Entscheidung wie die Berufswahl leichtfällt –oder grübeln alle?

Natürlich gibt es hier Unterschiede. Oftmals sind diejenigen, die weniger grübeln und die mehr Vertrauen in ihr Bauchgefühl haben, mit ihren Entscheidungen hinterher zufriedener – übrigens nicht nur bei der Berufswahl.

Wie findet man den passenden Beruf?

Man sollte sich überlegen, was für ein Leben man führen möchte. Wie sieht der ideale Arbeitsalltag aus? In welcher Stadt möchte man wohnen, wie seine Freizeit verbringen? Wie viel Geld braucht man dafür? Jeder Beruf bringt eine bestimmte Lebensweise mit sich, und mit dieser muss man leben können – und wollen. Was aber fast noch wichtiger ist: Man sollte den eigenen Leidenschaften folgen. Fehlende Leidenschaft merkt man meistens schon bei der Bewerbung. Auf meinem Schreibtisch landen sehr viele Anfragen für Hiwi-Stellen, von Doktoranden oder wissenschaftlichen Mitarbeitern. Ich merke sehr schnell, ob sich da jemand bewirbt, der unbedingt diesen Job machen will. Das war bei mir genauso: Wenn ich etwas wirklich wollte, dann habe ich die Bewerbung ganz anders geschrieben, viel leidenschaftlicher, persönlicher, zielgenauer. Für andere Stellen habe ich häufig eher einen langweilen Standardtext formuliert. Und wer einer Arbeit nachgeht, die ihm Spaß macht, kann auch mit Rückschlägen wie finanziellen Engpässen oder Belastungen durch Überstunden besser umgehen. Nur Geld und Status allein machen einen im Job nicht glücklich.

Was spricht dagegen, einen attraktiven Job anzunehmen und sich die eigenen Interessen für die Freizeit aufzuheben?

Nichts. Wenn jemand damit gut zurechtkommt, ist das kein Problem. Menschen haben unterschiedliche Schwerpunkte im Leben, und das ist auch gut so. Aber wer sich jeden Morgen mit dem Aufstehen quält und auf der Arbeit nur dem Ende des Tages entgegenfiebert, der sollte besser etwas ändern. Schließlich verbringen wir einen beträchtlichen Teil unserer Lebenszeit bei der Arbeit.

Seiner Leidenschaft folgen – klingt gut, aber auch ein wenig idealistisch.

Im Gegenteil: Bei der Berufswahl den eigenen Neigungen zu folgen bedeutet nicht, Luftschlösser zu bauen. Man sollte die Vernunft nicht ausschalten und sich einige Fragen stellen: In welchen Bereichen kann ich meine Talente einsetzen? Wo werden meine Kenntnisse gebraucht? Welche Perspektiven habe ich dort? Am besten spricht man mit Leuten, die bereits in diesem Bereich arbeiten. Dann erfährt man, wie der zukünftige Arbeitsalltag aussehen könnte. Und man bekommt eine Vorstellung von dem Leben, das man dann führt.

Vielleicht passt ein Beruf für Leute, die schon in diesem Bereich arbeiten, und für einen selbst ist es trotzdem nichts.

Das kann sein. Darum sollte man auch kurz vor dem Moment der Entscheidung den ganzen Wust an Informationen wieder vergessen. Dann eine Nacht darüber schlafen und schließlich auf den Bauch hören. Wenn sich eine Entscheidung nicht gut anfühlt, sollte man das als Warnsignal sehr ernst nehmen. Hat man dagegen ein gutes Gefühl bei einer Stelle, kann man auch mal etwas riskieren.

Und wenn man die Entscheidung später doch bereut?

Es bringt nichts, mit bereits getroffenen Entscheidungen zu hadern. Wenn man zweifelt, ob Marketing wirklich das Richtige ist, sollte man nicht verzagen, sondern nach den Gründen suchen. Ist das Projekt vielleicht gerade anstrengend und schwieriger als gedacht? Oder ist eher das Gegenteil der Fall: Die täglichen Aufgaben langweilen einen? Im ersten Fall sollte man durchhalten. Oft hören die Zweifel auf, wenn der Druck wieder nachlässt, und man ist dann stolz, es geschafft zu haben. Im zweiten Fall steckt hinter der Unzufriedenheit eher etwas Grundsätzliches. Solche Dinge ändern sich meistens nicht von alleine, man muss selbst etwas tun. Dazu ist gar nicht immer ein radikaler Schnitt nötig, wie möglicherweise ein komplett neues Studium. Manchmal reicht es schon, sich nach einer anderen Stelle umzuschauen, vielleicht ebenfalls im Marketing, aber in einer anderen Branche. Oder man informiert sich, welche Möglichkeiten es innerhalb des Unternehmens noch gibt.

Das muss man sich erst einmal trauen.

Es ist aber auch nicht sinnvoll, an etwas festzuhalten, nur weil man damit angefangen hat. Schließlich erwartet einen ein langes Berufsleben. Da muss man immer wieder mal innehalten und sich fragen: Lebt man eigentlich das Leben, das man leben möchte – auch beruflich? Wenn nicht, dann sollte man etwas ändern.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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Egal, ob du dich auf ein Praktikum, einen Job oder ein Stipendium bewirbst: Wir haben hier die wichtigsten Infos zum Thema Bewerbung zusammengefasst.

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