Partner von:

Demografischer Wandel? Super!

Junge Frau Bewerberin Mitarbeiterin [Quelle: Unsplash.com, Autor: Brooke Cagle]

Quelle: Unsplash.com, Brooke Cagle

Wer jetzt in den Beruf starten will, hat gute Karten. In vielen Branchen werden Absolventen gesucht.

1. Wo werden Absolventen der BWL und VWL gesucht?

Fast überall, egal ob in Banken, der Pharmaindustrie oder im Handel. Gute Einstiegschancen gibt es grundsätzlich in Firmenbereichen wie Controlling, Finanzen und Rechnungswesen. Schwieriger ist der Berufseinstieg im Personalwesen oder Marketing. "Diese Bereiche sind begehrt", sagt Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer vom Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte, "die Konkurrenz ist dort groß."

2. Was kann ich fordern, wenn ich mich bewerbe?

Unternehmen müssen sich immer mehr anstrengen, um gute Mitarbeiter zu bekommen. Denn durch den demografischen Wandel und die gute Konjunktur werden viele Absolventen gesucht. Davon profitieren die Bewerber. Viele sind zu Kompromissen bereit, das zeigt die jüngste Studie des Staufenbiel Instituts. Fast alle befragten Arbeitgeber setzen auf flexible Arbeitszeiten, rund drei Viertel bieten ihren Mitarbeitern an, im Homeoffice zu arbeiten. Und immerhin jedes dritte Unternehmen bietet eine eigene Kinderbetreuung an.

Das sind gute Nachrichten für Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fächer. Allerdings gebe es auch eine Kehrseite. "Für die verbesserten Arbeitsbedingungen müssen die Berufseinsteiger im Gegenzug mehr leisten", sagt Meyer-Schwarzenberger. "Die Unternehmen nehmen sich immer weniger Zeit, um neue Mitarbeiter einzuarbeiten." Das kann ein Vorteil für Absolventen von Fachhochschulen sein, da sie häufig praxisorientierter ausgebildet werden als die Studenten an Universitäten.

3. Wie viel Gehalt kann ich als Berufseinsteiger erwarten?

Was am Ende eines Jahres auf dem Gehaltszettel steht, hängt stark davon ab, welchen Abschluss Wirtschaftswissenschaftler haben und auf welche Branche sie sich spezialisieren. Nach Angaben der Website Gehalt.de verdienen Bachelorabsolventen in den ersten beiden Berufsjahren im Schnitt 40.556 Euro, Masterabsolventen 48.639 Euro. Ein deutlicher Unterschied. Die am besten bezahlten Jobs für Wirtschaftswissenschaftler gibt es im Maschinenbau. Masterabsolventen verdienen dort im Schnitt 72.000 Euro. In der Autoindustrie, Unternehmensberatung und der Energiebranche sind gut 60.000 Euro üblich. Deutlich niedriger sind die Einstiegsgehälter für Masterabsolventen in der Werbung, PR und Logistik.

4. Habe ich Vorteile, wenn ich jünger bin als andere?

Vorteile haben junge Bewerber vor allem durch die Digitalisierung. Der Umgang mit Apps, Social Media und E-Commerce ist für viele unter 30 selbstverständlich, anders als für ältere Generationen. Gerade Unternehmen, die neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln oder im Bereich Medien und PR aktiv sind, wollen davon profitieren.

Matthias Meyer-Schwarzenberger weist allerdings darauf hin, dass ein Netflix-Abo und ein Snapchat-Profil allein noch keine Qualifikationen seien. "Es ist ein Irrtum, zu glauben, man sei digital schon genug gebildet, nur weil man mit dem Internet aufgewachsen ist", sagt er. Und er erzählt: Immer wieder erlebe er Leute, die das Handy griffbereit hätten, aber nicht mit Standardprogrammen wie Excel umgehen könnten.

Welche digitalen Fähigkeiten erwartet werden, variiert. Je nach Branche sollten sich Berufseinsteiger auch mit Videoschnitt, Webanalyse oder dem Programmieren auskennen. Matthias Meyer-Schwarzenberger rät dazu, gezielt zu schauen, welche digitalen Fähigkeiten im jeweiligen Job gefragt sind. Das kann der Umgang mit Computerprogrammen sein, aber auch Wissen über neue Technologien in der jeweiligen Branche.

5. Habe ich Vorteile durch den demografischen Wandel?

Tendenziell ja. Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag geht zum Beispiel davon aus, dass in dem Bundesland bis 2030 in akademischen Berufen im Schnitt 25.000 Fachkräfte pro Jahr fehlen werden, vor allem in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Unternehmensführung.

Wie stark man von dem Fachkräftemangel profitieren kann, hängt nicht nur vom Standort, sondern auch von der Branche ab. Vorteile haben zum Beispiel Studentinnen und Studenten, die sich auf Wirtschaftsprüfung spezialisiert haben. Gerade bei kleineren und mittelständischen Gesellschaften gehen nach Angaben des Instituts der Wirtschaftsprüfer in den kommenden Jahren zahlreiche Führungskräfte in den Ruhestand. (Allerdings ist für Wirtschaftsprüfer das Examen besonders schwierig.) Im Online-Marketing ist das anders, hier arbeiten eher jüngere Kollegen, die den Job vermutlich noch lange machen werden.

Daneben profitieren Wirtschaftswissenschaftler auch von der guten Konjunktur. Wie der jüngste Dekra Arbeitsmarkt-Report zeigt, gehören sie zu den am häufigsten gesuchten Fachkräften und das schon seit sechs Jahren. Und Studien deuten darauf hin, dass es in den nächsten fünf Jahren noch mehr Jobangebote für junge Ökonomen geben kann.

6. Welche Zusatzqualifikationen brauche ich unbedingt?

Der große Trend für Unternehmen ist eindeutig die Digitalisierung. Wer gezielt einen Studiengang auswählt, der innovative Themen beinhaltet, kann beim Bewerbungsgespräch punkten. Jede Branche hat eigene Herausforderungen: Die Automobilbranche tüftelt am autonomen Fahren, der klassische Einzelhandel versucht den Spagat hin zum Online-Handel. Und Logistikunternehmen überlegen, wie sie Ware sicherer verschicken können.

In Zukunftsthemen wie Kryptowährungen und Blockchain kann man sich auch außerhalb des Studiums einarbeiten. So bietet die Blockchain University in Kalifornien einen achtwöchigen Online-Kurs an. Die Teilnahme kostet umgerechnet rund 85 Euro.

Auch das Thema Datenschutz wird für Wirtschaftsabsolventen immer wichtiger. Wer neue Geschäftsmodelle entwickeln will, muss sich gut auskennen: Was darf man mit den Kunden- und Mitarbeiterdaten machen und was nicht? Wie können Daten sicher gespeichert werden?

"Wirtschaftswissenschaftler müssen sich zunehmend mit solchen juristischen Fragen auskennen, und sei es nur, damit sie ihren Kollegen aus der Rechtsabteilung die richtigen Fragen stellen", sagt Meyer-Schwarzenberger. Auch das kann eine Chance für Bewerber sein.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

nach oben

Wer weiß, was seine Qualifikationen wert ist, hat beim Gehaltspoker bessere Karten. In unserer großen Gehaltsdatenbank kannst du nachsehen, was andere e-fellows in deiner Position verdienen.

Verwandte Artikel
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren