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Bye bye, Dipl.-Ing.

Ingenieur, Studiengang, Gehalt (Quelle: sxc.hu/kavitha)

Ingenieur, Studiengang, Gehalt (Quelle: sxc.hu/kavitha)

Die e-fellows diskutieren noch über den Verlust des Dipl.-Ing. - da zeigen Studien: Bachelor- und Master-Absolventen der Ingenieurwissenschaften behaupten sich immer besser. Und werden dringend gebraucht. In einem ist das Fach schon heute Spitze - in der sozialen Durchlässigkeit.

Ein Bachelor-Absolvent hat kürzer studiert, weniger gelernt und verdient deshalb schlechter - im Schnitt 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Arbeitskollegen mit altem Studienabschluss. Das ergab die Gehaltsstudie der studentischen Personalvermittlung "alma mater" im Sommer 2009. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam jetzt Harald Schomburg von der Uni Kassel. Mit seinem Team hatte er dafür rund 35.000 Absolventen des Jahrgangs 2007 befragt. Soweit keine Überraschung.

Cash für Leistung, nicht für Abschluss

Die Ingenieure aber scheren aus. Nach oben. Wer die Uni nach dem Bachelor verlässt und sich gleich einen Job sucht, verdient am Anfang zwar weniger als ein frischgebackener Diplom-Ingenieur. Nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung haben die Uni-Bachelors aber aufgeholt: In vier von fünf Unternehmen streichen sie dann das gleiche Gehalt ein. Noch rosiger sieht's für FH-Bachelors aus: 80 Prozent verdienen schon am Anfang gleich viel wie ihre Kollegen mit FH-Diplom, und rund 10 Prozent verdienen nach drei bis fünf Jahren sogar mehr. Master-Absolventen sind eh fein raus: Die meisten Personaler betrachten Master und Diplom als gleichwertig - und unterscheiden deshalb auch nicht bei der Bezahlung (Abb. 1). Fazit: Die Leistung im Beruf macht's, nicht der Studienabschluss.

 Abb. 1: Was Ingenieure verdienen

Ingenieur, Gehalt, Bachelor, Master (Quelle: IW Koeln)

Quelle: IW Köln

Nach oben offen

All das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zusammen mit dem Verein deutscher Ingenieure (VDI). Sie haben 1.753 Unternehmen befragt, die Ingenieure beschäftigen. Dabei ist Geld nur das eine, Aufstiegschancen das andere. Wie weit kommst du mit den neuen Abschlüssen überhaupt? Genauso weit wie mit Diplom, sagt rund die Hälfte der Unternehmen. Reicht der Bachelor, um eine Führungsposition zu erreichen, oder brauchst du dafür einen Master? Gegensätzliche Meinungen in den befragten Unternehmen: Der Master-Absolvent hat im Studium mehr gelernt, sagen die einen. Der Bachelor-Absolvent steigt dafür früher in den Job ein, entgegnen die anderen. Flexibel einsetzen lassen sich beide - Bachelors eher in Montage, Produktion, Vertrieb und Marketing, Master eher in Entwicklung und Konstruktion. Einzig in der Forschung klammern sich manche Personaler noch an die Promotion und sehen die neuen Abschlüsse im Nachteil (Abb. 2).

 Abb. 2: Wo Ingenieure eingesetzt werden 

Quelle: IW Köln

Voreilige Forschung?

Bachelor und Master sind also "in der Praxis angekommen", so die Studie. Tatsächlich? Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse, wenn man bedenkt, dass zwischen 2000 und 2008 von den 340.000 Absolventen nur 3,5 Prozent Bachelor und 5,2 Prozent Master waren? Wenn erst 362 der 1.753 befragten Unternehmen bislang Bachelor- und Master-Absolventen eingestellt haben (Abb. 3)?

 Abb. 3: Wer Ingenieure einstellt

Ingenieur, Bachelor, Master (Quelle: IW Koeln)

Quelle: IW Köln

Ingenieur wanted

Natürlich ist Skepsis so kurz nach der Einführung der neuen Abschlüsse angebracht. Klar ist aber: Noch immer fehlen Tausende Fachkräfte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Das wird auch in den nächsten Jahren so sein, Wirtschaftskrise hin oder her: Das IW rechnet mit 254.000 bis zum Jahr 2015 und sogar 426.000 fünf Jahre später.

Studiengang für Aufsteiger

Was ist zu tun? Schulen sollten mehr Schüler für die MINT-Fächer begeistern, zum Beispiel durch Technikunterricht. Hochschulen sollten Lehre und Studienbedingungen verbessern, damit der Nachwuchs bei der Stange bleibt. Und Gesellschaft und Medien sollten ihre Technikfeindlichkeit überdenken. Denn eigentlich könnten die Voraussetzungen für mehr Studenten in den Ingenieurwissenschaften besser gar nicht sein: Schließlich studieren in keinem anderen Fach so viele Kinder von Arbeitern, einfachen Angestellten oder Migranten. Das viel diskutierte Problem mit der sozialen Durchlässigkeit? Ein Fremdwort.

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