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"Wir suchen Freidenker"

Ein Start-up gründen ist gut für die Karriere [Quelle: Pixabay.com, Autor: geralt]

Quelle: Pixabay.com, geralt

Selbst zu gründen ist gut für die Karriere – auch wenn man scheitert, sagt Martina Malec, Personalerin beim Autokonzern BMW.

ZEIT Campus: Frau Malec, würden Sie jemanden einstellen, dessen Start-up pleitegegangen ist?

Martina Malec: Klar! Wer ein Unternehmen gründet, lernt dabei unheimlich viel: Verantwortung zu übernehmen oder von der Idee bis zum Geschäftsmodell zu denken. Das kann für eine große Firma bereichernd sein – auch wenn derjenige gescheitert ist. Gründer sind oft sehr inspirierende Menschen.

ZEIT Campus: Gibt es eine Gründerpersönlichkeit?

Malec: Sie sind meistens freiheitsliebend, ordnen sich ungern in bestehende Strukturen ein und treffen am liebsten ihre eigenen Entscheidungen.

ZEIT Campus: Klingt, als wären viele Leute im Start-up gut aufgehoben.

Malec: Chef zu sein hat nicht nur gute Seiten. Es bedeutet, dass man unter Stress schnell Entscheidungen treffen muss und dass man keinen Vorgesetzten um Rat fragen kann. Das muss man aushalten.

ZEIT Campus: Kommen solche Leute, die gern selbstbestimmt arbeiten, denn mit den Hierarchien und langwierigen Abläufen bei Ihnen klar?

Malec: Ja, die meisten schon. Und auch wir verändern uns. Wir schaffen bewusst Freiräume und Thinktanks, in denen ähnlich wie in Start-ups gearbeitet wird. Hier können neue Ideen ausprobiert werden, ohne dass gleich ein ganzer Serienentwicklungsprozess anläuft. Etwa in einer unserer Tochtergesellschaften: Bei Designworks werden beispielsweise neben unseren Autos auch Flugzeuginterieurs, Boote oder Ski designt. Solche kleineren Einheiten sind auch räumlich vom Entwicklungszentrum getrennt in München, Ulm oder Los Angeles. Dort entstehen eigene Kulturen – die der Softwareentwickler und der Designer.

ZEIT Campus: Für einige Themen kooperieren Sie mit externen Start-ups.

Malec: Ja, wir wollen von ihnen lernen und profitieren. Durch die Digitalisierung entstehen neue Ideen und Anwendungen, von denen manche irgendwann für uns nützlich werden könnten. Wir investieren in aussichtsreiche Unternehmen, die einen Baustein für zukünftige Mobilitätsangebote beitragen könnten.

ZEIT Campus: Sie sagen, Sie suchen solche Freidenker. Sie bekommen 20.000 Onlinebewerbungen im Monat. Da sortiert doch ein Computer die Leute mit den schlechten Noten und den Lücken im Lebenslauf aus, oder?

Malec: Wir schauen uns jede Bewerbung an. Wenn die wichtigsten Eckdaten stimmen, laden wir die Kandidaten zum Gespräch ein. Dann klopfen wir ab: Wie selbstreflektiert ist jemand? Hat er aus einer möglicherweise gescheiterten Gründung gelernt? Welche Fehler will er in Zukunft vermeiden?

ZEIT Campus: Mit welcher Note fällt man durch das Raster?

Malec: Schlechter als 3,0 sollte ein Hochschulabschluss nicht sein. Aber natürlich sind Noten subjektiv. Wir versuchen uns vom Zensurendiktat zu lösen und führen mehr Tests ein, die nicht auf Noten und einen geraden Lebenslauf setzen. Bei Auswahltagen machen wir dafür zum Beispiel realitätsnahe Übungen in Gruppen, bei denen man sieht, wie die Bewerber agieren.

ZEIT Campus: Was können Wirtschaftswissenschaftler bei einem Start-up lernen?

Malec: Absolventen kommen heute mit Anfang 20 von der Hochschule, sie haben noch viel Zeit, sich weiterzuqualifizieren. In jungen Firmen kann man sich zum Generalisten entwickeln. Wer hier und da Erfahrungen gesammelt hat, weiß genau, was er nicht mehr möchte. Das ist gut.

ZEIT Campus: Was tun Sie, wenn Mitarbeiter kündigen, um wieder in einem jungen Unternehmen zu arbeiten?

Malec: Dann versuchen wir den Kontakt zu halten – vielleicht passt es ja irgendwann wieder. Es ist nicht mehr so, dass man einem Mitarbeiter übel nimmt, wenn er die Firma verlässt, außer vielleicht er geht zur Konkurrenz.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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