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Auf kurzem Weg zum Praktikumsplatz

Verkehrsschild Weg ins Unternehmen [Quelle: Fotolia, Daniel Ernst]

© Daniel Ernst - Fotolia.com

Für viele Studenten sind Praktika ein Muss. Oft betreiben die Hochschulen eigene Stellenbörsen. Manchmal aber führen andere Suchmethoden schneller zum Erfolg.

Drei Praktika hat Felix während des Studiums schon gemacht: das erste bei einer Partei, das zweite bei einem Automobilunternehmen und das dritte beim Tourismusministerium in Mexiko. Doch das reicht dem 24 Jahre alten Politikstudenten nicht: Für die nächsten Semesterferien ist er schon wieder auf der Suche. "Ich denke, dass ich ohne Praktika auf dem Arbeitsmarkt Nachteile gegenüber anderen Bewerbern habe", sagt Felix. Seinen Nachnamen will er nicht nennen - denn es gibt etwas, das ihn ärgert. "Bislang waren die Praktika alle nicht oder nur sehr gering bezahlt. Durch die vielen Praktikanten bekommen Firmen billige, aber qualifizierte Arbeitskräfte", meint der Masterstudent.

Schon die Suche nach Stellen verlangt viel Zeit und Aufwand. Felix hat sich seine Praktika über Kontakte und Initiativbewerbungen organisiert, Praktikumsbörsen hat er dafür nicht durchsucht. Für andere Studenten ist der Blick in diese Portale der erste Schritt bei der Suche. Die Hochschulen in Frankfurt, Darmstadt und Mainz haben eigene Stellenbörsen, für die sie Angebote aus der Region zusammenstellen. Im Jobportal der Frankfurt University of Applied Sciences etwa gibt es mehr als 100 Angebote, die sich nach Fachbereich und Studiengang filtern lassen. Letzteres ist auch bei der Börse der Hochschule Darmstadt möglich. In Mainz bieten Fachhochschule und Universität ein Kooperationsportal an. Auch hier können die Ergebnisse nach Region und Branche durchsucht werden.

Die Familie als Praktikumsbörse

Nicht für alle Studenten sind solche Börsen gleichermaßen interessant. "Bei uns werden sehr viele Angebote für Ingenieure ausgeschrieben, für soziale Bereiche eher weniger", sagt Astrid Thamm vom Career Service der Hochschule Darmstadt. Beim Stellenportal der Frankfurter Universität gibt es für Wirtschaftsstudenten die meisten Angebote. Manche Fachbereiche wie die Gesellschafts- und Sportwissenschaften bieten eigene Stellenbörsen an.

Viele Studenten kontaktieren Unternehmen und Institutionen auch direkt, ohne Blick auf aktuelle Stellenanzeigen. Jens Blank, Koordinator des Career Service der Universität Frankfurt, sagt: "Wenn Studenten wissen, was sie interessiert, können sie gezielt nach den typischen Anlaufstellen suchen." Dann könnten sie den Arbeitgeber direkt ansprechen und anschließend eine Initiativbewerbung schicken. Denn viele Firmen und Institutionen, die regelmäßig Plätze für Praktikanten anböten, schrieben sie gar nicht in Börsen aus. Sinnvoll ist es auch, potentielle Ansprechpartner über soziale Netzwerke wie Xing zu suchen und zu kontaktieren - oder schon vorhandene Kontakte zu nutzen, wie Blank sagt: "Es lohnt sich immer, mal in der Familie sowie im Freundes- und Bekanntenkreis herumzufragen."

Daneben bieten die hiesigen Hochschulen regelmäßig Jobmessen für Studenten an, bei denen sich Arbeitgeber präsentieren. Die Hochschule Darmstadt hat zudem eine Firmendatenbank, in der sie etwa 300.000 deutsche Unternehmen und Institutionen mitsamt Ansprechpartnern auflistet.

Früh mit der Suche beginnen

Manche Studenten werden bei der Suche auch von ihren Professoren unterstützt. Brice Simo, der in Darmstadt Wirtschaftsingenieurwesen studiert, hat mit Hilfe eines Dozenten ein Praktikum im Projektmanagement gefunden. Doch das klappe nicht immer, sagt Simo: "Man muss auch Glück haben, dass man gerade ins Profil des Unternehmens passt."

Der Zeitpunkt spielt ebenfalls eine Rolle. Viele Studenten fangen ein Jahr im Voraus mit der Suche an. Blank empfiehlt, schon im zweiten oder dritten Semester Praktika zu absolvieren und Berufsfelder auszuloten. "Viele kommen relativ spät", sagt er. Dann werde es immer schwieriger, einen geeigneten Platz zu finden - vor allem, wenn die Studenten ihr Bachelorstudium schon abgeschlossen hätten. "Dann muss der Arbeitgeber ihnen den Mindestlohn zahlen."

"Wir sind zur unbezahlten Arbeit gezwungen"

Einige Studenten unterstützen sich bei der Suche gegenseitig. Ein Beispiel hierfür ist der "Arbeitskreis kritischer Jurist_innen" der Goethe-Universität. Drei Praktika müssen angehende Juristen in Frankfurt vor dem ersten Staatsexamen machen. Das Gerichtspraktikum bekommen sie vom Land zugeteilt, die anderen zwei müssen sie sich selbst suchen. Vor etwa zwei Jahren hat der Arbeitskreis deshalb begonnen, sich ein Netzwerk mit Kanzleien aufzubauen, die "eher links orientiert" sind, wie eine Studentin aus dem Arbeitskreis sagt. Denn ohne Beziehungen sei es schwer, als Jurastudent an gute Praktika zu kommen. "Für viele Kanzleien sind Praktikanten zu viel Arbeit, die wollen einfach nur eine Bescheinigung ausstellen." Solche Anwaltsbüros streiche der Arbeitskreis dann lieber von seiner Liste.

Auch Sina Brückner musste während ihres Bachelorstudiums der Theater-, Film- und Medienwissenschaft mit Nebenfach Kunstgeschichte an der Uni Frankfurt ein verpflichtendes Praktikum absolvieren. "Wir sind sozusagen zur unbezahlten Arbeit gezwungen", meint die 22 Jahre alte Studentin. Hilfe vom Fachbereich bekommen sie und ihre Kommilitonen bei der Suche nicht. Vor allem bei größeren Museen wie dem Städel oder dem Museum für Moderne Kunst gebe es deshalb viel mehr Bewerber als Plätze. "Viele gehen dann in kleinere Museen oder lassen sich ihre Nebenjobs als Praktikum anrechnen", berichtet Brückner. Sie selbst hospitierte in der Sammlung des Deutschen Filmmuseums, den Platz bekam sie mit Hilfe einer Freundin. Vor kurzem bot auch das Städel der Studentin eine Praktikantenstelle an - doch Brückner musste absagen. "Ich schreibe gerade an meiner Bachelorarbeit. Da ist ein Vollzeitpraktikum für mich unmöglich."

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