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Büro, Arbeitsplatz[Quelle: unsplash.com, Autor: Olu Eletu]

Quelle: unsplash.com, Olu Eletu

Früher bestimmte die Stechuhr, wann gearbeitet wurde. Heute gibt es Gleitzeit, Sabbaticals und Arbeitszeitkonten: Wie funktioniert was?

Stechuhr, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit: Was sind die Unterschiede?

Punkt 9 Uhr Dienstbeginn, um 17 Uhr klingelt die Stechuhr: Dienstende. So war das früher. "Heute ist der Alltag in vielen Unternehmen flexibler geregelt", sagt Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. In Bürojobs sei heute Gleitzeit üblich. Das bedeutet, dass es eine Kernarbeitszeit von mehreren Stunden gibt, in der alle Mitarbeiter anwesend sein müssen. Darüber hinaus kann jeder selbst wählen, ob er lieber früher kommt oder länger bleibt. Wichtig ist nur, dass die gesetzlich festgelegte Grenze von zehn Stunden Arbeitszeit pro Tag nicht überschritten wird. Noch größer ist die Flexibilität bei der sogenannten Vertrauensarbeitszeit. "Dabei haben Mitarbeiter gar keine Vorgaben mehr, wann sie anwesend sein müssen", sagt Brenscheidt. Die Leistung der Mitarbeiter wird stattdessen anhand von vorher festgelegten Zielen bewertet, etwa der Zahl der fertig gestellten Projekte. Was zunächst verlockend klinge, könne im Alltag jedoch Nachteile haben, sagt der Experte: "Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter ohne feste Arbeitszeitvorgaben im Schnitt mehr arbeiten als bei Gleitzeit." Ein Grund dafür sei, dass Unternehmen die vereinbarten Ziele oft zu hoch ansetzten. Dass die Arbeit für alle immer flexibler wird, stimmt übrigens nicht: Viele Menschen arbeiten in Schichtdiensten, nachts oder am Wochenende. Das gilt für jeden fünften Beschäftigten. "In diesen Jobs ist die Anwesenheit der Mitarbeiter meist nach wie vor genau festgelegt", sagt Brenscheidt.

Was bitte sind Lebensarbeitszeitkonten?

35 Jahre im Beruf ackern und mit 60 ab nach Teneriffa bei vollem Lohn. Das kann funktionieren, wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern sogenannte Lebensarbeitszeitkonten anbieten. Das Modell ist ziemlich einfach: Wer mehr arbeitet, als er muss, bekommt dafür Ausgleichsstunden. Diese muss er aber nicht sofort einlösen, wie das heute oft der Fall ist, sondern kann sie über Jahre hinweg sparen und später in Anspruch nehmen.

Man kann also zum Beispiel Vollzeit arbeiten und zusätzliche Überstunden sammeln. Oder man vereinbart mit seinem Arbeitgeber eine Teilzeitstelle bei entsprechend niedrigerem Lohn, arbeitet aber weiter Vollzeit. Die Extrastunden gehen dann aufs Konto.

"Mitarbeiter können dann beispielsweise bei Pflegebedürftigkeit der Eltern kürzer treten und dennoch finanziell abgesichert sein", sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Oder man setzt sich mit den gesparten Stunden einige Jahre vor der Altersrente bei voller Lohnfortzahlung in den Süden ab.

Bisher sind Lebensarbeitszeitkonten aber die Ausnahme in Unternehmen: Eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Bundestags von 2016 zeigt, dass von den Betrieben mit 500 und mehr Beschäftigten nur 13 Prozent solche Konten eingerichtet haben.

Wann kommt der Sechsstundentag?

Im vergangenen Jahr haben Vollzeitbeschäftigte in Deutschland im Schnitt 43,5 Stunden pro Woche gearbeitet, das sind 8,7 Stunden pro Tag. Nach Ansicht von Medizinern und Arbeitsmarktexperten ist das viel zu viel: Schon seit Jahren wird in einigen europäischen Ländern über die Einführung eines Sechsstundentages diskutiert.

Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz befürwortet die Idee. "Das wäre absolut sinnvoll, etwa um Stresserkrankungen zu vermeiden", sagt er. Zudem seien Menschen dadurch produktiver: "Wer weiß, dass er weniger Zeit hat, ist fokussierter." Auch gesellschaftlich habe ein Sechsstundentag Vorteile, da mehr Menschen in den Arbeitsmarkt eingebunden werden könnten.

Getestet wurde der Sechsstundentag unter anderem bereits in einem Altenheim in Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens. Die Mitarbeiter dort fühlten sich während der Testphase motivierter. Allerdings nahm der Krankenstand nur um weniger als ein Prozent ab. Inzwischen wurde das Projekt eingestellt: Da das Experiment bei gleichbleibendem Lohn durchgeführt wurde und mehr Menschen eingestellt werden mussten, war es zu teuer.

Enzo Weber vom IAB glaubt daher nicht, dass sich der Sechsstundentag durchsetzen wird: "Das kann ökonomisch insgesamt nur bei entsprechend niedrigerem Lohn funktionieren. Man tauscht also Einkommen gegen Freizeit ein." Viele Menschen wollen das nicht, sagt Weber. Daher setzen die Gewerkschaften inzwischen weniger auf eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung, sondern fordern eine stärkere Individualisierung der Arbeitszeit.

Darf ich im Büro Mittagsschlaf machen?

Ein halbstündiger Mittagsschlaf kann die Leistung um mehr als 30 Prozent steigern, das hat die Nasa bereits 1995 in einer Studie festgestellt. In Deutschland sind Schlafpausen dennoch unüblich. Laut einer Umfrage unter rund 1000 Teilnehmern durch das Berliner Start-up Massagio bieten zwei von zehn deutschen Arbeitgebern ihren Mitarbeitern Massagen, Yoga oder Ruheräume an. "Es muss nicht gleich ein Mittagsschlaf sein. Aber die Bedeutung von Pausen wird unterschätzt", sagt Brenscheidt. Daten seines Bundesamts zeigen, dass heute jeder vierte Beschäftigte die vorgeschriebenen Pausen ausfallen lässt, die eigentlich alle sechs Stunden eingelegt werden müssen. Oft sei das vom Arbeitgeber nicht gewollt, glaubt Brenscheidt, sondern eine Folge schlechter Arbeitsorganisation. Und wer flexible Arbeitszeiten hat, muss selbst darauf achten, dass er ausreichend Pausen macht.

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