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Kontaktpflege oder Korruption?

Geschenk [Quelle: pixabay.com, image4you]

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Schenkst du noch oder bestichst du schon? Die wichtigsten Regeln für den korrekten Umgang mit Präsenten für Geschäftspartner.

Es sollte nur eine kleine Aufmerksamkeit sein. Doch am Ende verursachte sie beim Energiekonzern EnBW einen Riesenskandal. Im Vorfeld der Fußball-WM 2006 hatte der damalige Vorstandschef Utz Claassen Politikern Tickets für das Sportevent geschickt. Was Claassen als nette Geste verstanden wissen wollte, interpretierte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe als unerlaubte Vorteilsgewährung. Auch wenn Claassen in einem spektakulären Prozess später freigesprochen wurde, hat seine Ticketaffäre die Unternehmenswelt nachhaltig aufgeschreckt. So geistert der Casus Claassen pünktlich zur Fußballeuropameisterschaft wieder durch die Chefetagen und mit ihm die Frage, was im Umgang mit Geschäftspartnern eigentlich erlaubt ist. Zählen die Flasche Wein oder die Einladung zum Golfen noch als höfliche Aufmerksamkeit – oder bereits als plumper Bestechungsversuch? Und wo verläuft die Grenze zwischen Kontaktpflege und Korruption? Gerade in mittelständischen Unternehmen ist die Unsicherheit groß. Dabei gibt es eine Reihe einfacher Regeln für den korrekten Umgang mit Präsenten.

Interne Richtlinien schaffen

Für Bundesbeamte ist die Sache klar: Sie dürfen nur in Ausnahmefällen Geschenke und Zuwendungen annehmen und auch nur dann, wenn der Wert 25 Euro nicht übersteigt. In der Wirtschaft ist die Lage unübersichtlicher. Es gebe in den meisten Fällen "keine gesetzlichen Vorgaben", was erlaubt sei, sagt Walter Schlegel, Compliance-Experte des TÜV Rheinland. Vielmehr müssten die Unternehmen selbst festlegen, was erlaubt und was verboten ist, etwa über einen Verhaltenskodex, eine Betriebsvereinbarung oder über die Arbeitsverträge der Mitarbeiter. Richtig mit Geschenken umgehen kann aber nur, wer die Regeln kennt. Deshalb müssen die Richtlinien für jeden Mitarbeiter leicht einsehbar sein, in Schulungen können abstrakte Normen anhand von Fallbeispielen erläutert werden.

Wert und Timing kontrollieren

Viele Unternehmen ziehen eine Grenze bei 35 Euro. Bis zu diesem Betrag können sie Geschenke beim Finanzamt von der Steuer absetzen, weil sie als Betriebsausgaben gelten. Geldgeschenke sind dabei generell tabu, genauso wie Einladungen, die nur dem privaten Vergnügen des Beschenkten dienen. "Von Einladungen, die zum Beispiel auch den Ehepartner einschließen, sollte man dringend abraten", sagt Stefan Behringer, Professor am Institut für Compliance im Mittelstand in Elmshorn. Ob ein Geschenk angemessen ist oder nicht, hängt zudem nicht nur von seinem Wert ab, sondern auch vom Zeitpunkt und Kontext der Übergabe: Ein Präsent zum Geburtstag oder zu Weihnachten gilt als übliche Geste. Das gleiche Präsent im Vorfeld einer Auftragsvergabe kann dagegen schnell als Bestechungsversuch interpretiert werden.

Sozialen Status beachten

Grundsätzlich gilt: Ein Geschenk muss dem sozialen Status angemessen sein. Sonst keimt schnell der Verdacht einer Bereicherung oder "unerlaubten Vorteilsgewährung" auf, wie es in der juristischen Fachsprache heißt. Eine Sekretärin mit einer teuren Uhr zu erfreuen sei heikel, sagt TÜV-Rheinland-Experte Schlegel. Einen Manager zu einem angemessenen Essen einzuladen sei dagegen ebenso unproblematisch, wie einen Kaffee beim Meeting zu spendieren oder Werbegeschenke wie Schlüssel und Kalender zu verteilen. Entscheidend ist stets, dass es sich nicht um ungewöhnlich kostspielige Geschenke handelt.

Geschäftspartner informieren

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollten auch die Geschäftspartner über die internen Regeln zur Annahme von Geschenken informiert werden. So versenden viele Unternehmen mittlerweile vor Weihnachten E-Mails an ihre Kunden. Mit den Feiertagsgrüßen wird dann zum Beispiel die dezente Botschaft übermittelt: "Bitte sehen Sie von Geschenken ab."

Geschenke melden und teilen

Wer als Angestellter teure Geschenke erhält, sollte seinen Vorgesetzten oder die Geschäftsleitung darüber informieren, um arbeitsrechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Manchmal findet sich dann auch eine elegante Lösung. So etwa im Fall einer Geschäftsleitungsassistentin, die von einem arabischen Geschäftspartner eine teure Uhr erhielt. Der Assistentin wurde erlaubt, die Uhr vorläufig anzunehmen – schließlich hätte eine Ablehnung schnell als Respektlosigkeit interpretiert werden können. Später wurde die Uhr unter den Mitarbeitern versteigert. Der Erlös wurde an eine gemeinnützige Organisation gespendet. In jedem Fall sei es "extrem wichtig, dass man transparent mit den Geschenken umgeht", empfiehlt Experte Behringer.

Strafe nicht unterschätzen

Ein Verstoß gegen die Unternehmensrichtlinien kann eine Abmahnung zur Folge haben – oder auch eine Kündigung. Im schlimmsten Fall droht gar eine Anzeige wegen Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit. Bei einer Verurteilung sind hohe Geld- und sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren möglich.

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