Partner von:

Job-Hopping quer durch Europa

Vogelscheuche Landwirtschaft Feld (Quelle: freeimages.com, Ayla87)

Quelle: freeimages.com, Ayla87

Jede Woche einen neuen Job und ein anderes Land: Jan Lachner will 33 europäische Länder in acht Monaten bereisen und überall einen anderen Beruf testen.

Immobilienmakler in Luxemburg, Glasbläser im italienischen Murano oder Tierpfleger im Zoo der estnischen Hauptstadt Tallinn: Jan Lachner hat sich viel für die kommenden acht Monate vorgenommen. Der 24-jährige Luftfahrtingenieur aus Paris will die Vorteile der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa nutzen. Darum startet er Ende Juli eine Rundreise der etwas anderen Art. Jede Woche will er in einem anderen europäischen Land sein und einem landestypischen Beruf nachgehen. Wie auf der Walz, nur im Schnellverfahren und in den verschiedensten Jobs quer durch Europa.

"In Europa gibt es so so gut wie keine Grenzen mehr. Aber die Europäer haben die Grenzen in ihren Köpfen", sagt der Deutsch-Franzose. Lachner wuchs in Frankfurt auf, im Alter von zwölf Jahren zog der Sohn einer Französin und eines Deutschen nach Paris. Lachner ist ein junger Akademiker, der von Europa profitiert. "Aber ich glaube nicht, dass die Vorteile allein jungen Akademikern zugute kommen. Jeder kann die Vorteile Europas für sich nutzen. Und genau das möchte ich zeigen", sagt der Ingenieur.

Statt einen gut bezahlten Jobs in der Luftfahrt anzunehmen, packt Lachner seine Sachen und reist Ende Juli über die Benelux-Staaten nach Skandinavien, von dort durch Osteuropa in den Süden bis nach Griechenland. Von dort geht es weiter über Südwesteuropa und die Alpen nach Deutschland. Schließlich folgt ein kleiner Schlenker über Großbritannien und Island. Die Route führt Lachner im Februar 2012 dann über Malta zurück nach Paris. Reisen will Lachner mit Auto und Zug, übernachten wird er entweder als Couchsurfer oder da, wo ihm vom Arbeitgeber eine Unterkunft gestellt wird.

Eurojobsproject hat Lachner sein Vorhaben genannt und eine Website dazu eingerichtet. Sie soll um ein Blog erweitert werden. Dort und auf einer Fanpage bei Facebook will er über seine Erfahrungen berichten. "Ich hoffe natürlich auch auf etwas Medienecho", sagt Lachner, der in den 33 Ländern verschiedene Medien kontaktiert hat. Sein Ziel: "Mit meinem Projekt die Grenzen überwinden und die Gemeinsamkeiten, die die Länder und Menschen in Europa verbinden, herausstellen. Ich möchte auch andere dazu anregen, meinem Beispiel zu folgen. Alle reden von Arbeitsmigration und denken dabei an Osteuropäer. Aber es geht auch in die andere Richtung", sagt Lachner.

Wichtig ist ihm, auf die Situation der Jugend aufmerksam zu machen. "In vielen europäischen Ländern gibt es eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit. Dabei sind es gerade die Jungen, die mobil sind und zum Arbeiten ins europäische Nachbarland gehen könnten."
 
Finanzieren will er seine Reise weitgehend mit dem Geld, das er beim Jobben verdient. Trotzdem sucht er noch Sponsoren und interessante Arbeitgeber. Einige hat er schon gefunden: In Dänemark wird Lachner als Versuchsingenieur bei einem Windkraftunternehmen arbeiten, denn in dem skandinavischen Land werden mehr als 20 Prozent der Elektrizität mit Windkraft produziert.

Bier brauen in Tschechien, Landwirtschaft in Rumänien
In Rumänien will der Luftfahrtingenieur auf einem Bauernhof jobben. "Das Land ist noch stark von der Agrarwirtschaft geprägt. Über 30 Prozent der rumänischen Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft", sagt er. In Tschechien hat der 24-Jährige eine Brauerei gefunden, die ihn beschäftigt, schließlich ist Tschechien für seinen Bierkonsum bekannt. In Island arbeitet er in einem geothermischen Kraftwerk und in Griechenland heuert er bei der Handelsmarine an. "Griechenland ist ja nicht nur für seine Schulden bekannt. Die Handelsmarine des Landes ist sehr wichtig."
 
Noch sind nicht alle Details der Reise geklärt, für ein paar der 33 Länder fehlen Informationen. "Ich kenne zum Beispiel leider keine Letten, und bislang sind meine Anfragen an lettische Unternehmen ohne Antwort geblieben", sagt Lachner.
 
Sprachlich hofft er überall durchzukommen, schließlich spricht er Französisch, Deutsch und Englisch fließend und auch etwas Spanisch.
 
Ganz neu ist seine Idee vom Job-Hopping nicht. Sean Aiken aus Vancouver suchte 2007 und 2008 ein Jahr seine Berufung und testete beim viel beachteten Projekt One Week Job jede Woche einen neuen Beruf. Daniel Seddiqui tat es ihm gleich und verband die Aktion mit einer Rundreise durch die USA. 50 Jobs in 50 States heißt das Buch zum Projekt.

Auch Jan Lachner will seine Erfahrungen mit dem Eurojobsproject zu einem Buch machen – wenn er wieder da ist. "Aber zuerst werde ich dann wohl erst einmal Urlaub machen."

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

nach oben

Jobs, Praktika

und akademische

Stellen suchen

Arbeiten im Ausland

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren