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Zeit für ein Recht auf Büroarbeit

Homeoffice Laptop (© Eugenio Marongiu)

© Eugenio Marongiu

Die SPD will ein Recht auf Arbeit außerhalb des Büros schaffen - und Arbeitnehmer flexibler entscheiden lassen, wann und wo sie ihren Job machen. Doch bringt diese Flexibilität manchmal mehr Schaden als Nutzen?

Arbeiten, das geht heutzutage überall – zu Hause, im Café, auf der Parkbank. So ein Leitartikel, natürlich sorgfältig abgewogen und durchdacht, schreibt sich zum Beispiel ganz wunderbar vom heimischen Schreibtisch aus – vorausgesetzt, die Kinder spielen nebenan überraschend einmal Schach in Zimmerlautstärke und der Gatte hält am Samstagmorgen ein Schwätzchen für verzichtbar. Unterwegs läuft es fast genauso reibungslos, das Telefon inklusive leistungsstarken Minicomputers ist schließlich ständig dabei. Das ist auch schon alles, was man am dringlichsten braucht, um seine Zeit sinnvoll zu füllen. Jedenfalls für ein Stündchen.

Wozu dann noch ins Büro? Dort wartet ohnehin nur Zerstreuung: die ausufernde Besprechung, die den Arbeitnehmer mitunter stundenlang vom Produktivsein abhält, der ausgiebige Kollegen-Schnack in der Kaffeeküche, das Abwimmeln von lästigen Arbeitsaufträgen zum Wohle der Gruppendynamik.

Mehr "Orts- und Zeitsouveränität"

Da ist man gedanklich schnell beim Vorschlag, mit dem die SPD am liebsten alle Arbeitnehmer beglücken möchte: Die Sozialdemokraten fordern ein Recht auf Arbeit außerhalb des Büros. Damit sollen Arbeitnehmer mehr "Orts- und Zeitsouveränität" bekommen. Das klingt verlockend, Souveränität ist nie verkehrt. Und eins ist unbestritten: Die schöne, neue, hochmoderne Arbeitswelt hat viele Vorzüge. Niemand möchte wieder zurück zum starren Arbeitsrhythmus der prädigitalen Zeit: Arbeit von 9 bis 17 Uhr mit einer festen Mittagspause zwischen 12.45 und 13.30 Uhr.

Es ist eine große Errungenschaft, dass niemand mehr an das Büro gefesselt ist, um Sinnvolles zu tun. Und Arbeitgeber tun gut daran, das auch zuzulassen, soweit es geht. Die meisten Mitarbeiter sind motiviert genug, dass sie nicht ständig einen Chef brauchen, der sie zum Arbeiten antreibt.

Aber das heißt noch lange nicht, dass das Büro ausgedient hat. Besonders in Deutschland ist regelmäßige Heimarbeit (oder zeitgemäßer: Homeoffice) noch lange nicht die Regel: Nur zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten arbeiten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus, heißt es in einer Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW – obwohl dies bei 40 Prozent der Arbeitsplätze theoretisch möglich wäre. Da mag es Fälle geben, in denen sich der Arbeitgeber stur stellt.

Es könnte aber auch die Erkenntnis sein, dass Heimarbeit oft nur eine Notlösung ist. Es sind keineswegs die jungen Eltern in der Rush-hour des Lebens, die es nach Hause zieht. Unter den Singles gibt es genauso viele Heimarbeiter wie unter den Alleinerziehenden. Und bei Familien mit Kindern ist Heimarbeit sogar seltener. Den Grund ahnt jeder, der schon einmal versucht hat, in Gegenwart einer Zweijährigen eine produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Wenn Flexibilität mehr Schaden als Nutzen bringt

Schwierig wird es, wenn das ständige Rufen nach Flexibilität mehr Schaden als Nutzen bringt. Spätestens dann nämlich, wenn es Unternehmen dazu bewegt, ihren Mitarbeitern nicht einmal mehr einen festen Arbeitsplatz einzurichten, weil die ohnehin so flexibel sind.

Die Lufthansa ist nur das jüngste Beispiel in einer ganzen Reihe von internationalen Konzernen wie Microsoft und KLM, in denen sich die Mitarbeiter jeden Morgen aufs Neue mit ihrem Laptop unter dem Arm ein Plätzchen suchen müssen wie damals als Student in der überfüllten Uni-Bibliothek.

Das spart Geld und Platz, schließlich sind Mitarbeiter heutzutage viel unterwegs, so lassen sich problemlos leerstehende Schreibtische einsparen. Positiv gewendet heißt es, so kämen die Mitarbeiter ins Gespräch, könnten sich austauschen, wenn nicht gar gegenseitig inspirieren. Das fördere die Kreativität. Das ändert allerdings nichts daran, dass nach der Inspiration die Arbeit auch irgendwann einmal schlicht getan werden muss – am besten in Ruhe, am eigenen Schreibtisch im Büro und mit den Arbeitsmitteln, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt. Dann muss Schluss sein mit der Flexibilität.

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