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Die Prüfer auf dem Prüfstand

Lupe, Auswahl, Kandidat [© iStock.com/ThomasVogel]

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Die Zahl privater Hochschulen in Deutschland steigt rasant. Auf dem Bildungsmarkt haben sie ihre Nische offenbar gefunden. Doch mit dem Erfolg wird auch die Frage nach der Qualitätssicherung ihres Angebots erneut diskutiert. Kann das bestehende Akkreditierungssystem diese Aufgabe meistern?

Auf Wachstumsraten wie diese dürfte wohl mancher Wirtschaftszweig neidisch sein. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der privaten Hochschulen in Deutschland verdoppelt. 90 Einrichtungen, die sich nicht in staatlicher Trägerschaft befinden, werben zurzeit um die Gunst der Nachwuchs-Akademiker. Jede vierte Hochschule in Deutschland ist eine private. Die Zahl der Studierenden an ihnen hat sich vervierfacht. 95.000 Studiosi sind bei den Konkurrenten der Staatlichen eingeschrieben. Das hat eine Anfang Oktober veröffentlichte Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Unternehmensberatung McKinsey & Company herausgefunden.
 
Das Geschäft mit der höheren Bildung boomt – und so wird die Frage nach der Einhaltung wissenschaftlicher Standards an den privaten Einrichtungen wieder einmal lebhaft diskutiert. Das bestehende Akkreditierungssystem, das deren Qualitätsniveau sichern soll, ist ein zweifaches: Für die staatliche Anerkennung müssen private Hochschulen in der Regel eine konzeptionelle Prüfung durch den Wissenschaftsrat vorweisen. Dabei wird unter anderem gecheckt, wie gut die Institution organisiert und finanziert ist. Darüber hinaus durchlaufen Bachelor- und Masterstudiengänge sowohl an den privaten als auch an den staatlichen Hochschulen einen Akkreditierungsprozess. Doch an diesem System entzweien sich die Geister.

"Um unsere Standards zu garantieren, adaptieren wir internationale Best-Practice-Modelle."

Für Dr. Volker Meyer-Guckel, den stellvertretenden Generalsekretär des Stifterverbands und Mitautor der Studie, muss bei den Akkreditierungen vor allem darauf geachtet werden, dass sie das Innovationspotenzial privater Hochschulen nicht hemmen. Sie sollten sich an den Profilen und Zielsetzungen der Hochschulen orientieren. Die eigentliche Qualitätskontrolle finde am freien Markt statt. "Die Absolventen privater Hochschulen in Deutschland finden schneller Jobs als Absolventen staatlicher Hochschulen", sagt er. Da liege es im Eigeninteresse der Pivaten, dieses hohe Qualitätsniveau zu halten. Kritik gibt es aber auch an anderer Stelle. Die Akkreditierung vollziehen nämlich spezielle Agenturen, die wiederum durch den Akkreditierungsrat legitimiert sind. Sie übernehmen die hoheitliche Aufgabe als Dienstleister. Doch ob es dafür eine ausreichende rechtliche Basis gibt, ist umstritten.
 
Das private Bildungsunternehmen SRH Holding jedenfalls hatte vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg gegen eine der Agenturen geklagt. Diese Klage ist vor das Bundesverfassungsgericht gewandert. Die höchsten Richter müssen jetzt über den juristischen Status der Agentur befinden. Sollten sie eine Verletzung der Freiheit von Lehre und Forschung sehen, könnte das gesamte Akkreditierungssystem wanken.

Zu teuer und zu bürokratisch

Der Verband der privaten Hochschulen (VPH) teilt die Zweifel der SRH. "Wir wehren uns nicht grundsätzlich gegen eine Qualitätssicherung", sagt Prof. Dr. Wolfram Hahn, der Verbands-Geschäftsführer. "Aber wir wehren uns dagegen, wie sie derzeit vollzogen wird." Neben der Kritik am Status der Agenturen beschwert sich der Verband auch über das hohe bürokratische Maß der Prüfungen und die daraus entstehenden finanziellen Belastungen für die Hochschulen. So könne die Prüfung eines Studiengangs durchaus 10.000 bis 12.000 Euro kosten.
 
Unterstützung gibt es von den Vertretern staatlicher Hochschulen, dem Deutschen Hochschulverband (DHV) etwa. Er fordert einen Neuanfang in der Qualitätssicherung von Studium und Lehre. Das bestehende Akkreditierungssystem sei "verfassungsrechtlich bedenklich, wissenschaftsinadäquat, ineffizient und teuer".
 
Anfang Oktober hat der Berufsverband der Uni-Dozenten Eckpunkte zur Neuordnung des Akkreditierungswesens vorgelegt. Zentrale Forderung: Die Qualitätssicherung gehört in die Hände der Hochschulen. Eine stärker inhaltlich ausgerichtete Akkreditierung hat überdies die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) im Oktober gefordert – in einer gemeinsamen Empfehlung der Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

"Das Bild von den Kaderschmieden für künftige Manager trifft nur auf die wenigsten privaten Hochschulen zu."

Internationalisierung ist auch bei den Privaten ein Thema. In Polen oder den Niederlanden etwa gibt es schon mehr private als öffentliche Hochschulen. Um die Vergleichbarkeit ihres Angebots zu gewährleisten, achten hier ebenfalls Akkreditierungs-Einrichtungen darauf, dass die wissenschaftlichen Maßstäbe eingehalten werden. Die Frage nach der Qualitätssicherung wird aber auch länderübergreifend diskutiert. Prof. Dr. Mietek Socha, Generalsekretär des polnischen Akkreditierungsrats PKA, ist viel in dieser Sache unterwegs. "Um unsere Standards zu garantieren, adaptieren wir internationale Best-Practice-Modelle", sagt er.
 
Dass die deutsche Politik den gesellschaftlichen Beitrag ihrer nicht-staatlichen Hochschulen stärker unterstützt, ist eine der Empfehlungen der Stifterverbands-Studie. Die Felder, die die staatlichen Bildungshäuser vernachlässigen, nutzen die privaten nämlich sehr intelligent. Ihr Stück vom Kuchen ist zwar noch sehr klein. Insgesamt sind gerade einmal fünf Prozent der Studierenden bei ihnen. Doch laut Studie soll der hohe Anteil an Praxisnähe ihr Erfolgsgeheimnis sein. "79 der 90 Einrichtungen sind Fachhochschulen", sagt Nelson Kilius von McKinsey. Die Mehrzahl habe ihr Angebot also im Bereich der Aufwertung von Lehrberufen, nicht in der Exzellenz.
 
"Das Bild von den Kaderschmieden für künftige Managereliten trifft nur auf die wenigsten Einrichtungen zu", sagt Volker Meyer-Guckel. "Die große Mehrheit bildet Menschen aus, die sonst vermutlich nie ein Studium aufgenommen hätten."

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