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"Wie wär's mit einem Job?"

Netzwerk Active Sourcing Recruiting [© Romolo Tavani - Fotolia.com]

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Immer mehr Unternehmen suchen heute im Internet nach den richtigen Kandidaten und sprechen sie dort auf Jobmöglichkeiten an. "Active Sourcing" heißt die Methode. Was steckt dahinter, und wie reagiert man auf Anfragen richtig?

Es scheint ganz klar: Wer einen Job will, muss zunächst mit seiner Bewerbung bei einem potentiellen neuen Arbeitgeber vorstellig werden. Nicht so bei Daniel Freitag, im Gegenteil: Sein aktueller Arbeitgeber, der Pharma- und Chemiekonzern Bayer, schrieb zuerst ihn an, um ihm eine Mitarbeit im Unternehmen schmackhaft zu machen. So arbeitet der 31-Jährige mittlerweile seit Oktober 2015 als Laborleiter in der Abteilung Disease Genomics des Konzerns und forscht an Präparaten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Davor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Cambridge, an der er als Biomediziner auch seinen Doktor gemacht hatte.

Zustande kam der Kontakt über das Businessnetzwerk Linkedin. Freitag besitzt bei der Online-Plattform schon länger ein Profil, das alle seine bisherigen Stationen während des Studiums auflistet. "Ich hatte immer gehofft, dass mich irgendwann ein Unternehmen über das Netzwerk mit einem interessanten Jobangebot ansprechen würde", berichtet Freitag. Anfragen von verschiedenen Firmen bekam er dabei immer wieder, wirklich interessant fand er bis zur Anfrage von Bayer aber keine. "Was mir die Bayer-Recruiterin in ihrer Nachricht schrieb, klang dagegen tatsächlich spannend, auch weil es genau zu meinem Schwerpunkt der Kreislaufforschung passte."

Viele Unternehmen sprechen heute die richtigen Fach- und Nachwuchskräfte direkt an. Firmeneigene Personaler und externe Recruiter werden losgeschickt, um im Internet nach Kandidaten zu suchen. "Active Sourcing" heißt die Methode im Fachjargon. Grund für die Vorgehensweise ist unter anderem der Fachkräftemangel. Dadurch sind die guten Leute meist auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr verfügbar, und von selbst schauen sich die wenigsten nach anderen Arbeitsangeboten um. "Gerade im Ingenieurs-, Elektronik- und Medizinbereich werden deshalb häufig schon junge Leute noch während ihres Studiums von Firmen angeschrieben, ob sie nicht Interesse an einer Stelle haben", weiß Peer Bieber, Geschäftsführer des Recruitingunternehmens Arbeitgebergold. Für Studenten und Uniabsolventen heißt das: Wer sich auf mögliche Anfragen richtig vorbereitet, hat gegenüber Mitbewerbern einen deutlichen Vorteil, wenn es um den schnellen Berufseinstieg geht.

Schlüsselwörter im Profil nennen

Wichtigster Schritt dahin ist, Präsenz in den zwei großen Businessnetzwerken Xing und Linkedin zu zeigen, denn diese gelten heute als Hauptschauplätze für suchende Recruiter und Personaler. Xing wird dabei vor allem für Jobs im Inland genutzt, während es auf Linkedin meist um internationale Stellen geht. Sein Profil hier in englischer Sprache einzustellen ist deshalb durchaus sinnvoll. Anfragen über Facebook gelten dagegen in den wenigsten Fällen als seriös.

Um interessante Leute zu finden, filtern Active Sourcer die Mitgliederlisten in den Netzwerken in der Regel zunächst nach Schlüsselwörtern. Entsprechend dem Jobangebot können dazu Fachgebiete, Methodenkenntnisse und Fremdsprachen zählen. Wer sich beim Benennen der richtigen Keywords für sein Profil schwertut, kann Stellenausschreibungen zu Hilfe nehmen, auf die man sich bewerben würde, raten Karriereexperten. Denn unter den geforderten Kompetenzen ließen sich in der Regel genau die Hard Skills finden, die auch für die Online-Suche genutzt werden.

Wichtig ist darüber hinaus, sein Profil immer aktuell und vollständig zu halten inklusive Nebenjobs und Praktika. "Es geht darum, zu zeigen, welche beruflichen Erfahrungen man bereits gemacht und welche Erfolge man dabei erzielt hat", sagt Karriereberaterin Maja Skubella. Entsprechend sollte man zu jeder Station in seinem Lebenslauf eine kurze Beschreibung anfertigen – allerdings ohne sich dabei in den Einzelheiten zu verlieren, denn andernfalls kann man sonst auch den gegenteiligen Effekt erzielen. "Ich muss auf den ersten Blick erkennen, welche Erfahrungen und Kompetenzen er oder sie für den Job mitbringt", erläutert Kerstin Wagner, Leiterin Personalgewinnung bei der Deutschen Bahn.

Drei Arten von Anschreiben sind möglich

Flattert dann die Nachricht eines Recruiters ins Postfach, gilt es, richtig darauf zu reagieren. In der Regel gibt es drei Arten von Anschreiben: die konkrete persönliche Nachricht mit spannendem oder nicht ansprechendem Angebot sowie die Massenanfrage, die nach dem Gießkannenprinzip verfasst ist und am eigenen Profil vorbeigeht. Erhält man letztere Nachricht, lohnt es sich dennoch bei der Antwort zu differenzieren, rät Veronika Latzel, Geschäftsführerin der Karriereberatung Struss und Partner. "Erwecken Absender oder Anliegen einen eindeutig unseriösen Eindruck, kann eine Nachricht guten Gewissens unbeantwortet bleiben." Unseriös seien etwa Absender, die auf ihrem eigenen Profil kaum Angaben machen. "Ist die Nachricht zweisprachig verfasst, weist dies darauf hin, dass der Absender nicht spezifisch einen Nutzer angesprochen hat."

Ist eine Anfrage zwar seriös, aber uninteressant, empfiehlt sich eine freundliche Kurzabsage nach dem Motto: "Vielen Dank, dass Sie bei Ihrer Anfrage an mich gedacht haben. Zurzeit habe ich allerdings keine Ressourcen für neue Projekte. Sollte sich in Zukunft eine Chance der Zusammenarbeit ergeben, freue ich mich, wieder von Ihnen zu hören."

Wirkt das Anschreiben seriös und persönlich, kommt das Angebot aber gerade unpassend oder entspricht es nicht den eigenen Vorstellungen, lohnt eine etwas aufwendigere Antwort. "Man kann zum Beispiel schreiben, dass man sich eher in einer anderen Branche sieht oder dass man das Unternehmen zwar spannend, die konkrete Stelle aber weniger interessant findet", erklärt Skubella. Manchmal passe auch der Zeitpunkt nicht, auch darauf könne man hinweisen. "Damit hat man die Chance, später mit einem anderen Jobangebot vom Recruiter wieder angesprochen zu werden", so die Expertin. Bei Bayer beispielsweise gibt es einen Vermerk für die Leute, die verhindert sind, um sie zu einem anderen Zeitpunkt wieder anzusprechen.

Innerhalb von sieben Tagen antworten

Bei konkreten, spannenden Anfragen sollte man zeitnah eine interessierte Rückmeldung geben – in der Regel innerhalb von sieben Tagen. Die meisten dieser Anfragen enthalten dabei immer noch sehr wenige Infos zum tatsächlichen Jobangebot, so dass man in seiner Antwort um weitere Details bitten sollte. "Unbedingt ist auch daran zu denken, die nächsten Schritte der Kommunikation zu klären", so Latzel. Wer ruft wen an? Wird gleich ein fachlicher Ansprechpartner am Telefon sein? Spätestens vor dem Gespräch sollte man sich zudem genauer über das Unternehmen informieren. Dazu gehört ein Blick in die Unternehmenskultur, auf die Karriereseite sowie die Weiterbildungsmöglichkeiten.

Bei aller Euphorie darf man eines allerdings nicht vergessen: "Wer eine Nachricht erhält, sollte das als freundliche Kontaktaufnahme verstehen, als ein vorsichtiges Herantasten von beiden Seiten", sagt Bärbel Volkmann, Recruiterin bei Bayer. Weder das Unternehmen noch der Kandidat gingen damit irgendeine konkrete Verpflichtung ein. 

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