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Wenig Praxis, zu viel Mathe

Roboter, Technik, Maschine, Ingenieur (Quelle: sxc.hu/TheRivo)

Roboter, Technik, Maschine, Ingenieur (Quelle: sxc.hu/TheRivo)

Spannende Projekte betreuen, neue Maschinen entwickeln oder gar Roboter bauen? Das stellen sich viele unter einem Studium der Ingenieurwissenschaften vor. Weit gefehlt, zumindest im Grundstudium: Statt Praxis gibt es langweilige Mathe-Aufgaben. Viele Anfänger ergreifen deshalb schnell die Flucht.

 An Universitäten und Fachhochschulen führen Ingenieure die Listen der Studienabbrecher an, wie ein HIS-Projektbericht schon im Februar 2008 zeigte: Mit einer Abbrecherquote von 34 beziehungsweise 32 Prozent in Maschinenbau und 33 beziehungsweise 36 Prozent in Elektrotechnik überholten sie sogar die Sprach- und Kulturwissenschaftler (32 Prozent).

Die Gründe für die hohe Quote

 Woran liegt es aber, dass gerade in den Ingenieurwissen- schaften so viele Studenten abspringen? Eine Antwort darauf gibt das "Technikbarometer Nachwuchswissenschaften" des VDI und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Für diese Studie wurden neben Schülern und Berufstätigen auch 6.253 Studenten der Natur- und Ingenieurwissenschaften befragt. Das Ergebnis: Schon in den ersten Semestern setzt bei den Studienanfängern die Ernüchterung ein.
 

Matheaufgaben statt spannender Praxisprojekte

 Teilweise liegt das an falschen Erwartungen der Studenten, die aber von den Hochschulen und Verbänden oft bewusst geweckt werden: In Broschüren oder auf ihren Webseiten versprechen sie spannende Projekte, doch in den Hörsälen kämpfen die Studenten oft nur mit Mathematik. Weil Technikfans nicht zwangsläufig Mathe-Genies sind, überfordert sie die Lehre schnell. Die Umstellung auf den Bachelor hat die Lage weiter zugespitzt: Durch die Reduzierung der Studienzeit steigt die Stofffülle, der Leistungsdruck wächst.
 

Prallgefüllte Stundenpläne

 Außerdem stammen überdurchschnittlich viele Ingenieurstudenten aus bildungsfernen Familien, haben zuvor bereits eine Ausbildung abgeschlossen oder wählten das Ingenieurstudium nur in der Hoffnung auf einen guten Job. Wer zur Finanzierung seines Studiums zusätzlich arbeiten muss, leidet schnell unter den prall gefüllten Stundenplänen. Fehlt die Begeisterung, geben die Studenten schneller auf. Und gefrustet vom Studium kehren viele in ihren alten Beruf zurück.
 

Was Hochschulen und Wirtschaft tun

 Doch die Hochschulen haben das Problem bereits erkannt: Tutorien, Brückenkurse, Mentorenprogramme, Schnupperstudientage und die Zusammenarbeit mit den Schulen sollen dem Trend entgegenwirken. Auch die Verbände greifen ein. So startete der VDI die "Formula Student", ein Rennen auf dem Hockenheimring, für das die Studenten ihre Wagen selbst bauen. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) unterstützt Hochschulprojekte zur Senkung der Abbrecherquote in Naturwissenschaften, Informatik und Technikfächern. Ob diese Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen, werden die nächsten Jahre zeigen.

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