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Studierenden-Survey: Blick durch die rosa-rote Brille?

Beim zehnten Studierendensurvey des Bundesbildungsministeriums waren die Studierenden überraschend zufrieden mit den Bedingungen an ihrer Hochschule, Quelle: sxc.hu, User: reuben4eva.

Beim zehnten Studierendensurvey des Bundesbildungsministeriums waren die Studierenden überraschend zufrieden mit den Bedingungen an ihrer Hochschule, Quelle: sxc.hu, User: reuben4eva.

Studenten? Das sind doch die ewig Unzufriedenen: Sie meckern über ihre Profs, schimpfen über den trockenen Lehrstoff und den Aufbau der Seminare. Stopp! Das war einmal. Denn der zehnte Studierenden-Survey des Bundesbildungsministeriums beweist: Studenten sind glücklich und mit den Bedingungen an ihrer Uni sehr zufrieden.

Die Uni-Welt scheint plötzlich in Ordnung zu sein, denn Studierende sind so zufrieden wie noch nie. Oder haben 8.350 Studenten nur einen Blick durch die rosa-rote Brille geworfen? So groß ist nämlich die Anzahl der Teilnehmer am Studierenden-Survey, der vom Bundesbildungsministerium finanziert und von der Arbeitsgemeinschaft Hochschulforschung der Uni Konstanz durchgeführt wurde. Über die Hälfte aller Studenten lobt die Vorlesungen für ihren Alltagsbezug, fühlt sich von den Hochschullehrern gut betreut und ist mit ihren didaktischen Fähigkeiten sehr zufrieden. Eine Sache aber hat sich nicht verbessert: 64 Prozent aller Studenten klagen über überfüllte Hörsäle. Vor zehn Jahren waren es noch neun Prozent weniger.
 
 Die Ergebnisse der Umfrage werden mitten im Bologna-Prozess veröffentlicht und damit in einer Zeit großer Umbrüche in der Uni-Landschaft. Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist mit den Veränderungen sehr zufrieden: "Ich hatte gehofft, dass unsere Bemühungen eine Trendwende auslösen."
 

Diplom-Studenten: fleißiger als ihre Bachelor-Kollegen
 Die allgemeine Vermutung, Bachelor-Studenten müssten ein wesentlich höheres Arbeitspensum bewältigen als ihre Kommilitonen in den Diplomstudiengängen, bestätigt sich nicht. Im Gegenteil: Bachelor-Studenten arbeiten mit 34,6 Stunden pro Woche sogar weniger als ihre Diplomkollegen. Die verbringen im Durchschnitt knapp eine Stunde mehr mit dem Lernstoff.
 

Weniger Nebenjobs, kürzere Regelstudienzeit
 Auch in ihren Einstellungen wandeln sich die Studierenden. Karriere und Gehalt sind ihnen nach wie vor wichtig, aber sie wünschen sich auch, mit ihrem Uni-Abschluss mehr für die Gesellschaft tun zu können. Außerdem legen sie großen Wert auf eine gute wissenschaftliche Ausbildung und eine umfassende Allgemeinbildung. Während des Studiums scheinen die Finanzen heute eine geringere Rolle zu spielen: Laut der Studie müssen Studierende in Deutschland sechs Stunden pro Woche einplanen, um ihr Finanzpolster aufzubessern. Vor zehn Jahren waren es noch 7,2 Stunden. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob das gesunkene Arbeitspensum tatsächlich an der besseren finanziellen Situation liegt. Denn die durchschnittliche Studiendauer ist von 11,9 auf 10,6 Semester gesunken. Und wer mehr Zeit am Schreibtisch verbringt, kümmert sich auch weniger um Nachhilfestunden, HiWi-Jobs & Co.
 

Geheimrezept Internationalität?
 Der zehnte Studierenden-Survey bringt also völlig neue Fakten ans Licht. Doch woher weht der ungewohnt zufriedene Wind? Wilfried Müller, Rektor an der Uni in Bremen und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, glaubt den Grund zu kennen: "Es gibt heute eine andere, jüngere Generation von Professoren mit internationaler Lehrerfahrung. Früher mussten die Dozenten kaum Rechenschaft ablegen über ihre Lehrleistung. Heute kann keiner mehr einfach so eine Vorlesung ausfallen lassen." Ein scheinbar simples Geheimrezept. Sobald jüngere Professoren im Hörsaal stehen und internationales Flair verbreiten, sind alle zufrieden. Gehörst auch du zu den Glücksstudenten, oder bist du genervt von überlasteten Dozenten, vollen Seminarräumen und praxisfernem Lehrstoff?

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