Die 10 Top-Fakultäten für BWL

Gewinner, Sieger, Ranking (sxc.hu, hisks)

Gewinner, Sieger, Ranking (sxc.hu, hisks)

Nur die wenigsten deutschen Unis forschen auf internationalem Niveau. Vorne liegen Hochschulen aus Österreich und der Schweiz.

Selbst 150.000 Euro Jahresgehalt sind kein Problem, sagt Georg Pflug. Wenn der Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien einen Spitzenforscher anwerben möchte, hat er alle Freiheiten der Welt. "Wir können sehr kompetitive Gehälter zahlen", sagt Pflug. "Rechnen Sie mal 150.000 Euro in Dollar um, damit können wir uns auch international sehen lassen."
 
Was an deutschen Unis undenkbar wäre, ist in Österreich seit 2003 Realität: Die staatlichen Unis können wie ein Privatunternehmen agieren, frei von den Vorschriften des Beamtenrechts handeln sie die Arbeitsverträge mit Wissenschaftlern aus. "Theoretisch", sagt Pflug, "können wir auch drei Millionen zahlen."
 
Die Uni weiß ihre neue Freiheit offensichtlich sinnvoll zu nutzen: Keine andere Fakultät für Betriebswirtschaftslehre (BWL) im deutschsprachigen Raum ist so forschungsstark wie die der Universität Wien. Im Handelsblatt-BWL-Ranking liegt die Hochschule auf dem ersten Platz, vor St. Gallen mit mehr als doppelt so vielen Professoren und Studenten.
 
Für die deutschen BWL-Fakultäten dagegen ist die Handelsblatt-Rangliste ernüchternd. Fast alle sind weit abschlagen: Nur eine einzige Hochschule - Mannheim - schafft es in die Spitzengruppe der fünf forschungsstärksten Fakultäten.


 
Für das Handelsblatt-Ranking hat das Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) an der Universität Konstanz die Publikationen von 2.100 Betriebswirten in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz erfasst. Methodisch folgt die Studie international gängigen Standards zur Evaluierung wirtschaftswissenschaftlicher Forschung. Es zählen Publikationen in wichtigen internationalen Fachzeitschriften. Wie viel ein Aufsatz wert ist, hängt vom Renommee des Journals ab, in dem er erschienen ist. Auswahl und Bewertung der 761 Zeitschriften orientieren sich an etablierten Journal-Ranglisten.
 
Das Ranking legt offen, wie abgeschlagen die deutschen BWL-Fakultäten im internationalen Forschungswettbewerb sind. Viele der rund 80 BWL-Fakultäten an Universitäten betreiben so gut wie keine international sichtbare Forschung, stellt das TWI fest. Zu den führenden deutschsprachigen Hochschulen des Fachs zählen vor allem solche in Österreich und der Schweiz - obwohl beide Länder deutlich kleiner sind als die Bundesrepublik. Drei Viertel aller BWL-Professoren arbeiten in Deutschland, nur je rund zwölf Prozent in Österreich und der Schweiz. Unter den ersten zehn Fakultäten aber liegt jede zweite in diesen beiden Ländern.
 
Stärker und früher als in Deutschland hat sich die BWL in den kleinen Nachbarländern dem internationalen Ideenwettbewerb geöffnet. In Deutschland publizieren noch immer viele Professoren ausschließlich auf Deutsch und in rein nationalen Fachzeitschriften. International finden diese Arbeiten kaum Resonanz.
 
Wie wenig deutsche Forschung international sichtbar wird, zeigt ein Vergleich der Universitäten Bonn, Duisburg-Essen und Münster. In Bonn kann man gar nicht Betriebswirtschaft studieren, die Uni liegt im BWL-Ranking trotzdem auf Platz 14 - weil die fünf Bonner Professoren, die BWL-Inhalte für die Ausbildung der Volkswirte zuliefern, deutlich internationaler publizieren als viele ihrer Kollegen an anderen Unis. Bonn lässt weit größere Fakultäten wie Münster mit 16 und Duisburg-Essen mit 24 Professoren hinter sich. (Die Liste der Top-25-Unis finden Sie unter Handelsblatt.com/bwl.)
 
"Unsere Universitäten sind international einfach nicht wettbewerbsfähig", urteilt Hans Georg Gemünden, BWL-Professor an der TU Berlin. Tatsächlich sind die Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler an deutschen Unis im internationalen Vergleich schlecht. Deutsche Professoren müssen mehr Vorlesungen halten, größere Studentenmassen betreuen, sie sind stärker mit Verwaltungsaufgaben belastet und verdienen häufig weniger. "Die deutschen Kollegen, die forschen wollen, haben einen schweren Stand", sagt Christian Leuz, deutscher BWL-Professor an der University of Chicago. Er selbst kann sich an 42 Wochen im Jahr auf seine Forschung konzentrieren, nur zehn Wochen lehrt er. Auch der Verwaltungsaufwand halte sich in engen Grenzen.
 
Solche Arbeitsbedingungen locken immer mehr junge, ehrgeizige Betriebswirte ins Ausland. Leuz kann den Trend an seinem E-Mail-Postfach ablesen: Immer häufiger fragen ihn deutsche Doktoranden und Habilitanden, die Auslandsaufenthalte planen, um Rat. Und Gemünden aus Berlin ergänzt: "Wenn die Leute dann nach Europa zurückkommen, gehen sie eher in die Schweiz, nach Österreich oder nach Dänemark als nach Deutschland."
 
Um im internationalen Wettbewerb mitspielen zu können, brauchen die deutschen Unis dringend mehr Eigenständigkeit, ist Stefan Reichelstein, deutscher Betriebswirt in Stanford, überzeugt. "Dann können sie flexibler auf veränderte Bedürfnisse bei der Management-Ausbildung reagieren." In der Schweiz und in Österreich haben staatliche Unis schon heute mehr Freiheiten. Neben der oft besseren Finanzausstattung gilt dies als ein zentraler Grund dafür, dass die dortigen Hochschulen in der BWL-Spitzenforschung so sehr die Nase vorne haben.
 
Allerdings sind auch in Österreich und der Schweiz nicht alle Universitäten gleichermaßen forschungsstark. So liegen St. Gallen und die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien vor allem wegen ihrer Größe so weit vorn. Bei der durchschnittlichen Forschungsleistung pro Professor liegen sie weiter hinten. Ein BWL-Professor aus St. Gallen oder der WU Wien hat seit 2000 im Schnitt in den 761 Fachzeitschriften nur rund ein Drittel von dem publiziert, was seine Kollegen aus Mannheim oder von der Uni Wien vorgelegt haben.
 
Die bürokratischen Fesseln des Hochschulrechts allein können die schwache Leistung der meisten deutschen BWL-Unis also nicht erklären. Zudem schneiden auch die meisten deutschen Privatunis trotz größerer Freiheiten im Ranking schlecht ab. Einzig die WHU Vallendar schafft es unter die ersten zehn, liegt aber hinter der staatlichen Konkurrenz aus Mannheim, Frankfurt und Köln.
 
Nur eine weitere Privatuni ist in der Top-25: die European School of Management and Technology in Berlin auf Platz 21. Andere Privathochschulen wie die European Business School in Oestrich-Winkel, die Frankfurt School of Finance and Management, Witten-Herdecke und die Handelshochschule Leipzig befinden sich nicht unter den 25 führenden Forschungsunis.
 
International konkurrenzfähige Forschung ist nach Ansicht von Experten eine wichtige Voraussetzung für erstklassige Lehre und Ausbildung - auch in der Betriebswirtschaftslehre. So liegt die forschungsstärkste deutsche BWL-Uni Mannheim im Ansehen der Personalchefs ganz vorne, zeigte Ende April eine Studie von Handelsblatt, "Junger Karriere" und "Wirtschaftswoche". Auch Köln, Frankfurt und Vallendar schaffen es in beiden Ranglisten unter die ersten zehn.
 
"Die Reputation einer Hochschule resultiert in erste Linie aus ihren wissenschaftlichen Leistungen", ist der Mannheimer Prodekan für Forschung, Dirk Simons, überzeugt. "Forschung ist schließlich der ureigene Grund dafür, warum es Universitäten überhaupt gibt" - und sei Voraussetzung für erstklassige Lehre und Praxistransfer.
 
Kein Wunder, dass in den USA die forschungsstärksten Volks- und Betriebswirte oft an den Business Schools zu finden sind, die gutes Geld mit teuren MBA-Programmen für Manager verdienen.

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