von Catalina Schröder

Studentische Unternehmensberatungen

Jetzt wird's ernst - der Jobeinstieg

Irgendwann ist das Studium vorbei. Wem es richtig viel Spaß gemacht hat, der will jetzt vielleicht in die "richtige" Beratung einsteigen. Eigentlich dürfte das ganz einfach sein - schließlich kann man bereits relevante Berufserfahrung vorweisen. Aber ist der Studentenjob wirklich ein Pluspunkt im Lebenslauf?

Beim Studentenjob wollte Gunther Kracke es nicht belassen und stieg nach dem Ende seines Studiums als "richtiger" Berater bei einer mittelständischen Unternehmensberatung ein. War seine Erfahrung dabei ein Vorteil? "Mir wäre meine Arbeit als studentischer Unternehmensberater fast zum Verhängnis geworden", erzählt der 32-Jährige heute. "Das Image studentischer Berater ist zwiegespalten. Auch meine Vorgesetzten waren nach dem Bewerbungsgespräch geteilter Meinung, haben ihre Ansicht über studentische Beratungen jedoch revidiert."

Gunther Kracke (32) studierte zunächst Bauingenieurwesen in Aachen und machte dann einen Aufbaustudiengang zum Wirtschaftsingenieur in Bielefeld. Währenddessen arbeitete er als Berater und Vorstandsvorsitzender von STUNT e.V. in Bielefeld.

"Studentischer Unternehmensberater zu sein, ist nicht immer ein Plus bei der Bewerbung."

Beratungserfahrung aus Studienzeiten
Doch Kracke überzeugte die Personalchefs. Seit mittlerweile zweieinhalb Jahren ist er in seinem Job. Abgesehen von den Vorurteilen von ein paar Personalchefs hat sich seine Beratungserfahrung aus Studienzeiten als sehr nützlich erwiesen: "Man hat bereits Erfahrung im Umgang mit Kunden gesammelt und eine ungefähre Vorstellung davon, wie Projekte ablaufen. Das habe ich gerade am Anfang als großen Vorteil empfunden."

Außeruniversitäres Engagement unter Beweis gestellt
Auch bei Oliver Wyman ist der Studentenjob keine Einstellungsgarantie. "Die Tätigkeit in einer studentischen Unternehmensberatung zeigt das Interesse an diesem Beruf und beweist außeruniversitäres Engagement", erklärt Sven Wandres, Projektleiter bei der Managementberatung in München. "Ein studentischer Unternehmensberater hat jedoch nicht automatisch einen Vorteil gegenüber Bewerbern, die sich stark in anderen außeruniversitären Bereichen engagieren."

Dachverbände

  • www.bdsu.de, der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberater
  • www.jcnetwork.de, Junior Consultant Network; der kleinere der beiden deutschen Dachverbände
  • www.jadenet.org, European Confederation of Junior Enterprises

Die Fähigkeiten, die der Berater dank seiner Erfahrung bereits erworben hat, werden von den großen Beratungen dennoch geschätzt: "Solche Kompetenzen können den Einstieg in die Welt der Topmanagement-Beratung erleichtern, da sie die Lernkurve von Mitarbeitern verkürzen", so Wandres. Und auch im Assessment-Center haben es die studentischen Berater leichter, weiß Andrea Wittmann, Recruiting Managerin bei Siemens Management Consulting in München: "Die Studenten können Umfang und Aufwand eines Projekts realistischer einschätzen und haben Vorteile bei den Fallstudien. Dabei müssen sie Beispiele aus der Praxis analysieren und Lösungsstrategien entwickeln."

Studentische vs "richtige" Beratung
Als Konkurrenz betrachten die großen Beratungshäuser ihre studentischen Kollegen nicht: "Durch jahrelange internationale Projektarbeit und intern entwickeltes Know-how haben wir eine hohe Fach- und Methodenkompetenz in zahlreichen Branchen entwickelt", beschreibt Oliver Wyman-Berater Wandres einen der Unterschiede.

Der durch das Studium begrenzte Zeitrahmen machen sehr große oder gar internationale Projekte für studentische Beratungen meist unmöglich. Doch Wandres sieht auch die Stärken der studentischen Berater: "Sie sind in der Lage, spezifische Aufgaben wie Internet- oder Marktforschungs- projekte kostengünstiger durchzuführen. Als Topmanagement-Beratung, mit der von unseren Kunden zu Recht erwarteten inhaltlichen und methodischen Expertise, können wir solche Projekte nicht bedienen."

Wie funktioniert's?
Studentische Unternehmensberatungen werden in Deutschland als eingetragener Verein geführt. Für jedes Projekt gründen die studentischen Berater daher eine eigene Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die unabhängig vom Verein existiert.

Was studieren?
Das Studienfach ist bei studentischen Beratern Nebensache. "Bei uns arbeiten Wirtschaftswissenschaftler, Psychologen, Mediziner, Soziologen oder Biologen", berichtet Carolin. "Wichtig ist, dass man Spaß an der Arbeit hat."

Wann einsteigen?
Den optimalen Zeitpunkt gibt es nicht. "Im Grunde kann man schon ab dem ersten Semester mitmachen", erklärt e-fellow Ivo. "Man sollte sich aber auch Zeit nehmen, um sich an der Uni einzuleben. Erst wenn einigermaßen Klarheit über den universitären Werdegang besteht und das Studium in geordneten Bahnen verläuft, sollte man sich den Herausforderungen stellen, die eine studentische Unternehmensberatung bereithält."

Wie reinkommen?
Wer bei einer studentischen Unternehmensberatung mitarbeiten möchte, geht zunächst zu den wöchentlichen Meetings und stellt dann einen Antrag auf Anwärterschaft. Meist gibt es danach ein Vorstellungsgespräch. Wenn das positiv verläuft, betreuen die Anwärter zunächst mit Unterstützung eines erfahrenen Mitglieds ein internes Projekt. "Bei mir war das die Hohenheim-Consulting Week - eine Recruiting-Messe, bei der ich die Projektleitung hatte und mich um Sponsoring und Catering gekümmert habe", erzählt Carolin. "Am Ende des Projekts präsentiert man schließlich seine Arbeit vor den Mitgliedern der Unternehmensberatung, die dann über eine Aufnahme zum vollständigen Mitglied entscheiden."

Was verdienen?
Der Verdienst variiert je nach Kunde und Projektgröße. "Im Schnitt liegt er bei einem Acht-Stunden-Tag zwischen 80 und 150 Euro pro Mann", weiß Ivo.

Vom studentischen zum professionellen Berater?

Angebote von Unternehmensberatungen bei e-fellows.net:

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