Stiftungsuniversitäten
Die Stiftungsunis kommen!
Staatliche Bürokratie, ewige Mittelknappheit und wenig Gestaltungsspielraum verhindern vielerorts, dass deutsche Universitäten attraktiv und konkurrenzfähig bleiben. Die Überführung der Universitäten in die Trägerschaft von öffentlich-rechtlichen Stiftungen soll Abhilfe schaffen. Doch inwieweit nützt die Umwandlung in eine Stiftungsuniversität den Studierenden? Und welche Risiken bringt sie mit sich?
Eine frische Brise weht durch die deutsche Hochschullandschaft, seit die deutschen Unis im Exzellenzwettbewerb um den Status "Elite-Uni" ringen. Aus jahrelangem Dornröschenschlaf erwacht, werben sie mit Vehemenz um die hellsten Köpfe, die talentiertesten Studierenden – und um Geld. Denn für alle, das ist längst klar, reicht es nicht mehr. Neue Finanzierungsmodelle müssen her. Die Umwandlung staatlicher Hochschulen in Stiftungsuniversitäten ist so ein Modell, das weit über rein finanzielle Fragen hinaus neue Handlungsfreiräume eröffnen kann.
Vorreiter Niedersachsen
Niedersachsen machte den Anfang. Aus der Erkenntnis, dass weder die staatlichen Gelder noch die Handlungsspielräume der Universitäten ausreichen, um im Konkurrenzkampf zu bestehen, beschloss der damalige niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann Ende 2002, das Landeshochschulgesetzes zu reformieren. Seither können die Unis entscheiden, ob sie sich mit Hilfe einer öffentlich-rechtlichen Trägerstiftung aus der oft allzu engen Umarmung des Staates befreien wollen. Andere Universitäten, wie die Goethe-Universität Frankfurt am Main und die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, ziehen nach.
Autonomer, schneller, besser
"Autonomie! Dezentralisierung! Reorganisation!" – die Schlagworte, mit denen die Unis für die Reform werben, klingen verlockend. Tritt eine Stiftung als Träger auf, die nur zu diesem Zweck gegründet wurde, ändern sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Uni. Statt des Landes ist nun die Stiftung Arbeitgeber aller Hochschul-Beschäftigten. Auch das Berufungsrecht übt die Stiftung direkt aus. Das heißt, dass Professoren nicht mehr durch Fachministerien, sondern vom Präsidium im Einklang mit dem Stiftungsrat berufen werden. Langatmige Abstimmungsprozesse mit dem Senat fallen so weg – im Kampf um die besten Köpfe ist Geschwindigkeit ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Selber machen statt jammern
Inhaltlich sollen die Stiftungs-Hochschulen stärker als bisher ein eigenes Profil entwickeln können. "Wir beschweren uns oft genug über hochschulferne Entscheidungen", meint Janine Nuyken, Vizepräsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Nuykens Hochschule steht kurz vor der Umwandlung zur Stiftungsuniversität. Statt nur zu klagen, könnte eine gestärkte Hochschulleitung eigenverantwortlich über alle wichtigen Entscheidungen in der Personalpolitik, bei der Schaffung neuer Studiengänge und bei der Mittelvergabe bestimmen. Über den Stiftungsrat, in dem Vertreter des Ministeriums aus Wissenschaft, Forschung und Kultur sitzen, soll die Uni außerdem stärker in die Gesellschaft eingebunden werden. Doch auch die Gefahr von Fehlentscheidungen und Konflikten innerhalb der Hochschulen steigt.
Verärgerte Studierendenvertreter
Mit der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main steht eine der fünf größten Hochschulen Deutschlands vor der Umwandlung zu Stiftungsuniversität – schon zum 1.1. 2008 soll es so weit sein. Damit knüpft die Universität an die eigene Tradition an: 1914 wurde sie als erste Stiftungsuniversität des Landes von engagierten Frankfurter Bürgern begründet. Studienvertreter und Gewerkschafter jedoch fühlen sich vom enormen Tempo der Reform überrannt. Mit Aktionen machen sie gegen die Stiftungspläne mobil. Hauptkritikpunkte: Hochschulpräsident Rudolf Steinberg habe die Versprechen bezüglich des Kündigungsschutzes und der Mitbestimmung der Studenten nicht gesetzlich fixieren lassen. Von "Hinhaltetaktik" und "Entdemokratisierung" ist die Rede.
Janine Nuyken, Vize-Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), freut sich auf die bevorstehende Wandlung zur Stiftungsuniversität. Kapital ist zwar noch keines da, aber die Hochschulleitung ist optimistisch.
Die Viadrina soll Stiftungsuni werden - wie konkret sind die Pläne?
Es fehlt nur noch ein Schritt. Wir erhalten in den nächsten Tagen oder Wochen einen Gesetzesentwurf von unserem Ministerium, zu dem müssen wir Stellung nehmen. Wir haben sehr konstruktive Verhandlungen und wären gerne zum 01.01.2008 Stiftungsuniversität.
Es war doch auch vorher möglich, der Universität Geld zu spenden. Wozu eine Stiftung?
Als Stifter möchte man wissen, wo das Geld hinkommt. Im Moment ist es schwer, Spender zu motivieren, denn jetzt muss man an das Land spenden. Wir würden es gut finden, wenn sich auch internationale Entscheider engagieren. Wenn man nicht Stiftungsuni wird, kann man viele Einzelheiten realisieren, aber es wird nicht der große Wurf.
Skeptiker befürchten, dass es mit der Umwandlung zu Entlassungen in der Verwaltung kommt.
Die Tarifverträge werden nicht tangiert. Wir wollen und können gar nicht kündigen. Stiftungsuni bedeutet nicht zwingend interne Veränderung. Stiftung wird schnell assoziiert mit Privatisierung, Leute rausschmeißen, Studiengebühren. Das hat mit dieser Debatte nichts zu tun. Wir waren immer die Universität, die sich am kritischsten gegen Studiengebühren ausgesprochen hat. Wir behalten die Gremien der studentischen Selbstverwaltung bei. Keine Studiengebühren. Keine Ökonomisierung.
Das Präsidium soll in Zukunft gleichzeitig das Stiftungskapital verwalten. Woher kommt das Know-how?
Wir legen das Kapital nicht selber an, das wäre vermessen. Und über die anschließende Verteilung der Gelder machen wir uns ja jetzt schon selber Gedanken. Denn wie bisher wird auch bei einer Stiftungsuni das Präsidium letztlich entscheiden, wo die Gelder hinkommen.
Und was haben die Studierenden konkret von diesen Veränderungen?
Letztendlich erwarten wir eine größere Attraktivität, weil wir zum Beispiel Stipendien für Studierende aus bestimmten Ländergruppen finanzieren könnten. Das sind klar sichtbare Projekte. Unser Ziel ist immer, das Profil der Viadrina zu stärken. Eine Landesregierung hat einen anderen Fokus, weil sie alles im Rahmen der Landespolitik verortet.
Woher soll das Kapital kommen?
Es gibt zahlreiche Vorabgespräche mit potentiellen Stiftern, und die sind gut gelaufen. Die Investitionsbereitschaft ist ziemlich groß. Wir würden darüber hinaus aber weiter den normalen Landesbeitrag bekommen, das sind gut 19 Millionen.
