Online-Netzwerke für die Karriere nutzen
Twittere dich zum Job
Was früher die Spatzen von den Dächern pfiffen, twittern clevere Studenten und Berufstätige heute an ihre Follower. Twitter (englisch für zwitschern) ist Nachrichten-Plattform, Microblogging-Dienst und Community in einem. Und es ist ein Instrument, um Marketing in eigener Sache zu betreiben. Twitter-Fan Nicole Simon erklärt, wie.
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Nicole Simon, Autorin von "Twitter. Mit 140 Zeichen zum Web 2.0", ist Expertin für Micro-Blogging und Web 2.0. Hier gibt sie Tipps, wie man Twitter für seine Karriere nutzt: "Wie würdest du vorgehen, um Teil einer Stammkneipe zu werden? In dem du versuchst, interessant zu sein!"
Der neue Hype
Twitter sieht aus wie der neue Hype. Doch wenn du Karriere machen willst – und das missverstehen viele - dann musst du dich auch mit Hype-Themen beschäftigen. Du musst Neuheiten bewerten und einordnen können. Viele Studenten schmähen Twitter und sind lieber bei StudiVZ unterwegs. Der intelligente Student aber arbeitet in Richtung Zukunft. Denn bei StudiVZ werden keine Jobs verteilt.
Hierarchie überwinden mit Twitter
Früher hatten Studenten wenig Chancen, sich über Hierarchie-Ebenen hinweg zu unterhalten. Das ist dank Social Networks einfacher geworden. Als Student hast du wenig Lebens- und Berufserfahrung. Was aber nicht weiter schlimm ist, solange du dich darüber informierst, worüber im Berufsleben gesprochen wird. Vieles, was man bei Twitter im Kleinen macht, brauchst du außerdem im Berufsleben im Großen: Zum Beispiel, wenn du ein Projekt bekannt machen möchtest und dafür Pressearbeit machst.
Positive Beeinflussung
Das Web 2.0 wird Unternehmen verändern. Also sage ich Studenten: Beschäftigt euch gefälligst damit! Viele Studenten löschen alles, was von ihnen im Internet steht, aus Angst, dass ihr künftiger Arbeitgeber es sehen könnte. Was sie nicht verstehen: Wenn sonst nichts von dir im Web ist, landen bei Google die Einträge ganz vorne, die andere über dich einstellen und die du dort nicht sehen willst. Wenn du das nicht möchtest, solltest du dafür sorgen, dass auf der ersten Google-Seite Dinge stehen, die du selbst kontrollieren kannst. Dazu gehört Xing, Facebook und vielleicht auch ein professionelles Twitter-Profil. Das nennt man positive Beeinflussung. Auch durch Kommentare und Gastbeiträge kannst du das eigene Bild im Netz verbessern.
Was steht über dich im Netz?
So behältst du den Überblick: Google Alert mit deinem Namen als Schlagwort einrichten. Sobald ein neuer Eintrag mit deinem Namen online ist, wirst du benachrichtigt.
Man twittert nicht nur, um zu twittern
Kannst du mit Twitter netzwerken? Ja. Es ist eine neue Art der Kommunikation entstanden, die durch "ambient awareness" besonders wird. Das heißt, du bekommst schneller mit, was deine Umwelt macht. Jetzt kommt die Standdardfrage: Wer soll das alles lesen, was du da schreibst? Vielen ist nicht klar, was "aktives Netzwerkbetreiben" bedeutet. Du twitterst nicht, um zu twittern, sondern um dir ein Profil aufzubauen. Um Kontakte aufzubauen. Um mit anderen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Du kannst einfach Nachrichten senden, oder du kannst das Ganze professionell angehen: Wie möchtest du dich positionieren? Was möchtest du haben? Das sind deine Leitfragen, auch wenn das sehr berechnend klingt - aber auch im echten Leben hast Du verschiedene Rollen.
Karriere-Veranstaltung oder Studentenparty?
Natürlich kannst du private und berufliche Nachrichten vom selben Account aus verschicken. Das geht, wenn das Umfeld entsprechend locker ist. Trotzdem sollten die Nachrichten dann zwar persönlich, aber nicht privat sein. Es ist nicht klug, zu schreiben: "Ich bin betrunken auf einer Party". Wenn du Twitter als ein Tool verwenden willst, um deine Karriere voranzubringen, dann ist das ein geplanter und gesteuerter Prozess. Es ist vergleichbar mit der Entscheidung, ob du auf eine Studentenparty oder auf ein Karriere-Event gehst. Bei beiden verhältst du dich unterschiedlich. Studenten würde ich empfehlen, zwei Profile anzulegen: ein privates unter dem Spitznamen, ein professionelles unter dem richtigen Namen. Das ist dann deine persönliche "Social Media Policy".
e-fellow Marcel (26) studiert Internationales Informationsmanagement an der Universität Hildesheim. Twitter nutzt er unter anderem, um live von interessanten Konferenzen zu berichten - und zwar in seinem persönlichen Stil.
"Ich habe darüber nachgedacht, zwei verschiedene Accounts zu führen, um das Persönliche vom Öffentlichen zu trennen. Schließlich habe ich mich aber dagegen entschieden. Einmal wegen des Aufwands, andererseits möchte ich auch etwas von meiner Persönlichkeit, meinen Ideen und Meinungen preisgeben. Ich will nicht nur als ein x-beliebiger Nachrichtenaggregator funktionieren, sondern meinen Stil einbringen."
Step by step: So fängst du an
Nehmen wir einen typischen BWL-Studenten, fünftes Semester, er hat schon ein paar Praktika gemacht: Was hat der für ein Ziel? Vielleicht sucht er einen Job oder ein Unternehmen, bei dem er seine Diplomarbeit schreiben kann. Dann würde ich ihm Folgendes empfehlen: Wähle ein vernünftiges Hintergrunddesign. Bastel dir eine Landing Page, also eine eigene Website oder einen Blog, wo steht, was du suchst und was du kannst. Setze bei Twitter einen Link zu dieser Seite. Jetzt überlege dir, welche Menschen und Unternehmen interessant für dich sein könnten. Dafür braucht es Zeit. Wenn du also jemanden ansprechen willst, dann fange zwei bis drei Monate vorher an, den Kontakt aufzubauen. Wie findest du diese Leute? Dafür gibt es Twitter-Listen. Viele Unternehmen haben eigene Accounts, danach kannst du bei search.twitter.com suchen. Einige Unternehmen twittern sogar ihre Jobangebote.
Was interessiert die Anderen?
Jetzt überlegst du dir, was diese Menschen interessiert. Vielleicht Fachartikel zu ihrem Themengebiet? Dann kannst du in deinen Tweets auf solche Artikel hinweisen und damit zeigen, dass du informiert bist. Wichtig ist, dass du zwischendurch nicht über die letzte Party am Wochenende schreibst. Das passt einfach nicht dazu.
Wie wird man Teil einer Stammkneipe?
Wie bringst du die Leute nun dazu, deinen Tweets zu folgen? Genauso gut könntest du fragen: Wie soll ich vorgehen, um Teil einer Stammkneipe zu werden? Indem du versuchst, interessant zu sein! Wenn du in ein neues Umfeld kommst und keine Kontakte hast, dann musst du intelligente Kommentare in die Konversation einspeisen - und bekommst erstmal keine Antworten. Aber mit der Zeit entwickelt sich das.
Keine Spielerei
Deine Tweets solltest du über den Tag verteilen. Es gibt Zusatztools wie Hootsuite, mit denen du einstellen kannst, zu welchem Zeitpunkt ein Tweet verschickt wird. Das sollte Alltag werden. Sage dir: Alles, was ich hier mache, ist für meine Zukunft relevant. Als Student kannst du auch einen Teil deiner Studienarbeit online stellen und andere bitten, deinen Hinweis darauf zu retweeten, also deinen Beitrag zu zitieren und so an die eigenen Follower weiterzuleiten. Wenn deine Arbeit interessant ist, werden sie das tun.
Einige Minuten für die Netzwerkpflege
Effizient eingesetzt, brauchst du für deine Netzwerkpflege via Twitter wenige Minuten am Tag. Du kannst zum Beispiel deine Twitter-Nachrichten bei Facebook posten. Nachrichten suchst du dir nicht umständlich aus dem Internet zusammen, sondern bekommst sie durch deinen Feedreader. Und mit Tweetdeck kannst du mehrere Twitter Accounts gleichzeitig bedienen.
Typische Fehler vermeiden
Typische Fehler sind ein nicht vernünftig ausgefülltes Profil, wenn man die Netiquette nicht beachtet oder unsinnige Tweets schreibt. Aufmerksamkeit einzufordern wie "warum antwortest du mir nicht?" geht auch nicht. Wenn du unsicher bist, kannst du für den Anfang auch mit ein paar Kommilitonen einen gemeinsamen Account aufmachen und zum Beispiel zum gemeinsamen Referatsthema twittern. So kannst du Twittern im Kleinen üben.
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