von Julia Büttner

Online-Netzwerke für die Karriere nutzen

Wie Unternehmen netzwerken

Immer mehr Unternehmen entdecken die Möglichkeiten von Online-Netzwerken für ihr Recruiting. Was sie sich wünschen? Mehr Anfragen und gerne auch mal eine kritische Frage - aber bitte nicht gleich per "Du".

Mentor bei Detecon [Quelle:efn]

Dennis Eggert (27) von der Unternehmensberatung Detecon ist als Mentor in der e-fellows.net community unterwegs und hat fast zwanzig seiner Kollegen überzeugt, ebenfalls als Mentor aktiv zu werden. In der Inside-Gruppe von Detecon schreibt er auch schon mal ein Praktikum in Peking aus.

Warum sind Sie als Unternehmensvertreter in der e-fellows.net community und was machen Sie dort?

Vor etwa drei Monaten begannen wir, die Community aktiv zu nutzen. Wir sind vor allem aktiv im Mentorenprogramm. Viele unserer Consultants waren e-fellows und standen selbst vor dem Problem: Wie entscheide ich mich für ein Unternehmen? Einige Kollegen haben sich dann bereit erklärt, den e-fellows als Mentor bei diesen Fragen zur Seite zu stehen. Wir stießen damit auf großes Interesse und erhielten viele Anfragen von Mentees. Zudem haben wir in der Community eine Inside-Gruppe gegründet, um den gegenseitigen Austausch zu intensivieren, ohne dass es sich dabei um direktes Recruiting handelt. Mittlerweile habe ich auch ein Praktikum in dieser Gruppe ausgeschrieben, woraufhin vielversprechende Bewerbungen eintrafen.

Nutzen die e-fellows den Kontakt zu Ihnen für die Jobsuche?

In erster Linie dominieren die klassischen, formellen Bewerbungen. Ich würde mir aber auch wünschen, dass mehr Kontakte auf informeller Basis entstehen, denn dazu sind die jungen Consultants von der Detecon in der Community. Mir ist auch aufgefallen, dass etwas kritischere Fragen oft anonym gestellt werden, was ich aber nachvollziehen kann.

Wie sollte man Sie in der Community ansprechen?

Direkt mit dem "Du" ins Haus fallen wäre nicht ganz angebracht. Aber ich bin selber e-fellows.net-Alumnus, ich bin kein offizieller Recruiter und selbst noch nicht lange im Berufsleben – da kann man mich ruhig auch mal ganz persönlich fragen, wie ich bestimmte Dinge sehe. Die Motivation der Consultants von Detecon, die in der Community aktiv sind, ist ja, dass man auf informeller Ebene Kontakt knüpft.

Was nützt mir ein guter Draht zu Ihnen, wenn ich mich zum Beispiel um einen Praktikumsplatz bewerbe?

Natürlich muss letztendlich jede Bewerbung durch die formellen Kanäle. Aber ich kann Informationen weitergeben, die nicht auf der Firmen-Website stehen, zum Beispiel Tipps, bei wem man sich am besten bewirbt und wie.

Wird das Thema Social Networking im Internet an Relevanz gewinnen?

Der Großteil des Recruitings geht bei uns weiter über traditionelle Wege. Aber die Bewerbungen direkt über Xing oder e-fellows.net nehmen zu. Alle unsere Consultants sind sehr IT-affin, wir sind alle im Web 2.0 unterwegs und da auch ansprechbar.

Soll ich Sie also lieber über Xing oder lieber über die e-fellows.net community kontaktieren?

In der e-fellows.net community ist e-fellows das verbindende Element, da ist der Kontakt noch näher als auf Xing.

People Judith Charles und Jacqueline Englert Bertelsmann 77x154

Judith Charles (27) (links) und Jacqueline Albers (28) sind bei Bertelsmann für Employer Branding und Recruiting zuständig. Dafür sind sie regelmäßig in Social Networks unterwegs. "Viel mehr Unternehmen sollten sich darauf einlassen!" finden sie.

Wie nutzen Sie Social Networks für Recruiting und Employer Branding?

Judith Charles: Im Rahmen des Employer Brandings nutzen wir Social Networks, um über Bertelsmann zu informieren und mit Interessenten in Kontakt zu treten. Zum Beispiel: Welche Unternehmensbereiche gibt es? Was ist das Besondere an Bertelsmann? Was bieten wir unseren Mitarbeitern? Damit wollen wir die Attraktivität und Bekanntheit von Bertelsmann erhöhen.

Jacqueline Albers: Ich betreue die Kooperationen mit den Online-Jobbörsen und Social Communitys, komme also eher von der Recruiting-Seite. Wir haben zum Beispiel eine Schnittstelle von unserem Bewerbermanagementsystem zu "Xing Jobs", wo wir Stellen veröffentlichen. Bei Xing kann man sich direkt mit den Personalern in Verbindung setzen, die die Stelle ausschreiben und zum Beispiel Fragen zur Einstiegsposition stellen.

Welche Plattformen nutzen Sie außer e-fellows.net?

Judith Charles: Wir sind bei Xing, Facebook, Youtube und LinkedIn sehr aktiv. Bei Youtube stellen wir zum Beispiel Unternehmensvideos in unserem eigenen Kanal "BertelsmannCareers" ein. Da kann man Mitarbeiter und damit auch Jobs kennenlernen. Dann nutzen wir auch Twitter und Flickr sehr aktiv. Natürlich beobachten wir auch Arbeitnehmer-Plattformen wie zum Beispiel kununu.

Wie nutzen Sie die e-fellows.net community, und wie sind hier Ihre Erfahrungen bisher?

Judith Charles: Wir sehen da noch Ausbaumöglichkeiten. Wir haben bisher wenige direkte Anfragen, freuen uns aber immer, wenn von den Stipendiaten etwas kommt. Wir selbst sind im Moment eher reaktiv als aktiv.

Und wie nutzen Absolventen das Web 2.0, um mit Ihnen in Kontakt zu treten?

Jacqueline Albers: Der Trend geht dahin, dass man sich vorab informiert und die Chance nutzt, auf informellem Wege Kontakt aufzubauen. Die Bewerbung wird das aber nicht ersetzen.

Wie sollte man einen Unternehmensvertreter in einem Social Network ansprechen?

Judith Charles: Das ist der erste Eindruck vor dem Gespräch, deswegen sollte man sich überlegen, wie man auftritt und über welches Medium man jemanden anspricht. Also nicht unbedingt über Facebook, wo das Startfoto ein Urlaubsfoto ist. Die Ansprache kann kürzer sein als im formellen Bewerbungsschreiben, aber alle sonstigen Kriterien gelten auch im Internet: dass man sich vorstellt, keine Rechtschreibfehler macht und in ganzen Sätzen schreibt.

Jacqueline Albers: Wenn man Kontakt aufnimmt, muss man das nicht so förmlich machen wie bei einer Bewerbung, aber auch nicht zu flapsig. Mir ist es schon passiert, dass ich gleich geduzt wurde. Manchmal hieß es auch bei der Kontaktanfrage ganz direkt: "Ein Bertelsmann-Kontakt macht sich gut in meinem Profil, bitte bestätigen." Da sollte man auf den Tonfall achten.

Viele Studenten haben Angst, dass Arbeitgeber private Profile einsehen und einen schlechten Eindruck gewinnen könnten.

Jacqueline Albers: Wir googeln nicht nach Bewerbern. Ich weiß aber von Kollegen aus anderen Unternehmen, dass sie es tun. Wenn ich durch Zufall ein Bild sehe, auf dem jemand feiert und Alkohol trinkt, sehen wir das nicht pauschal negativ. Es gibt da aber natürlich auch Grenzen, und jeder sollte sich bewusst sein, dass alle Fotos im Internet für jeden sichtbar sind. Bei sehr privaten Dingen sollte man über geschützte Fotoplattformen nachdenken.

Wie gehen Sie mit kritischen Beurteilungen in Social Networks um?

Judith Charles: Man kann nicht alles kontrollieren. Wir nehmen kritische Beurteilungen ernst und versuchen, sie zu kommentieren. Beurteilungen jeder Art sehen wir als Feedback, mit dem wir arbeiten können. Ich würde das weniger als Gefahr denn als Chance verstehen. Das Risiko ist, dass sich negative Einschätzungen schneller verteilen, ein Schneeballsystem entsteht. Je zurückhaltender man dann ist, desto schlimmer wird es. Wenn wir offen auf jeden Kommentar antworten, glauben wir, dass das als positiv aufgenommen wird.

Was halten Sie davon, wenn jemand anonym postet?

Judith Charles: Wenn jemand eine provokante Frage anonym stellt und ich würde herausfinden, wer das ist, würde das bei mir einen schlechten Eindruck über den anonymen Absender hinterlassen. Es spricht eher für jemanden, dass er zu seiner Frage steht. Da muss man natürlich unterscheiden: Will jemand provozieren, um schlechte Stimmung zu verbreiten oder für eine sinnvolle Diskussion? Provokative Fragen, die sich mit aktuellen Debatten und Bertelsmann befassen, würde ich jederzeit als positiv bewerten. Es zeigt, dass ein Student ernsthaftes Interesse am Unternehmen hat.

Wie beurteilen Sie den Trend zur Kontaktaufnahme via Social Networks insgesamt?

Judith Charles: Grundsätzlich positiv. Die Möglichkeiten für uns als Unternehmen sind sehr vielfältig, es erleichtert unsere Arbeit und es macht Spaß, damit zu arbeiten. Viel mehr Unternehmen sollten sich darauf einlassen. Von Bewerberseite wird das stark genutzt, aber die Unternehmen sind noch sehr zurückhaltend.


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