von Julia Büttner

Online-Netzwerke für die Karriere nutzen

Die Spielregeln des Networkings

Die hohe Kunst des Networkings: Kontakte knüpfen, ohne sich anzubiedern. Sich subtil ins beste Licht rücken ohne peinliche Selbstbeweihräucherung. So geht's.

Neuen Job suchen, ohne den Chef zu verprellen

Du bist mit deinem Job zwar prinzipiell zufrieden, wärst aber bei einem guten Angebot zum Wechsel bereit? Dann solltest du das möglichst subtil kommunizieren. Wer "Suche neue Herausforderungen" oder "Bin offen für Neues" in sein Profil einträgt, riskiert Ärger mit dem Chef. Wer seinen Lebenslauf detailliert abbildet und das gesamte Profil sehr genau ausfüllt, signalisiert indirekt, dass er Jobangeboten gegenüber offen ist.

Gefunden werden

"Die richtigen Schlagworte eintragen" - was heißt das eigentlich? Zunächst einmal nur, dass du deine Fähigkeiten, Talente und Fachgebiete in Schlagworten ("Tags") in dein Profil einträgst - je nach Plattform getrennt durch Komma, Semikolon oder Leerzeichen. Stelle dir die Begriffe vor, mit denen dein Wunscharbeitgeber nach einem Bewerber suchen würde. Zum Beispiel: Web 2.0, Linux, Controlling, Promotion oder ähnliches. Trägst du dagegen vollständige Sätze ein, wird der ganze Satz als ein Schlagwort ("Tag") gewertet. Nur jemand, der exakt nach dem gleichen Satz sucht, findet dann dein Profil - und das ist sehr unwahrscheinlich.

Schwache Bindung, starke Chance

Eine übertriebene Liste mit über tausend Kontakten kann unseriös und oberflächlich wirken. Andererseits hat schon der US-Soziologe Mark Granovetter in seinem Klassiker "The Strength of Weak Ties" (1973) herausgefunden, dass vor allem lose Verbindungen zu neuen Jobchancen führen: Als er untersuchte, wie Ingenieure in Boston an eine neue Stelle kamen, gaben 56 Prozent an, dass sie ihren Arbeitsplatz über eine persönliche Verbindung gefunden hätten. Doch nur 16,7 Prozent beschrieben die Intensität der Verbindung als "regelmäßig". So gelangte Granovetter zu seiner Theorie der schwachen Bindungen: Beschäftigungsmöglichkeiten werden vor allem über lose Bekanntschaften weitergegeben. Es sind also die Freunde der Freunde deiner Freunde, über die du an deinen neuen Job kommst.

People e-fellow Katrin Meier Social Networks Fokus 77x100

Wenn du einem Unternehmensvertreter eine Kontaktanfrage bei Facebook stellt, bringst du diesen in eine Zwickmühe, findet e-fellow Katrin (29). Doch sie hat eine Lösung für dieses Problem:

"Wäre ich Unternehmensvertreter, wäre es mir unangenehm, wenn mich ein Geschäftspartner, mit dem mich nichts Persönliches verbindet, bei Facebook hinzufügt - egal ob er mich dann duzt oder siezt. Ablehnen ist irgendwie auch blöd - schon ist man in einer Zwickmühle. Ich würde entweder die 4,95 pro Monat für eine Xing Premium-Mitgliedschaft investieren oder per E-Mail kommunizieren. Das macht das Leben für beide entspannter."

In English, please

Wer sich für eine Stelle in einem Unternehmen interessiert, in dem vor allem Englisch gesprochen wird, der sollte sich auch in einem englischsprachigen Netzwerk wie LinkedIn eintragen.

Das Netz zur Recherche nutzen

Welches Image hat ein Unternehmen als Arbeitgeber? Wie ist die Stimmung in einer bestimmten Abteilung? Wie familienfreundlich ist mein Wunscharbeitgeber? Über informelle Kontakte kannst du an Informationen gelangen, die nicht auf der Unternehmens-Website stehen. Dafür sind zum Beispiel die Inside-Gruppen in der e-fellows.net community hilfreich - hier stellst du deine Frage direkt an Mitarbeiter des Unternehmens.

Glaubwürdig bleiben

Nirgendwo trifft man so viele erfolgreiche Menschen wie in Business-Netzwerken. Kein Wunder, denn diese sind Verkaufsplattformen für die eigene Person. Wer falsche Angaben macht und dabei erwischt wird, zerstört seine Reputation dauerhaft. Deshalb gilt: glaubwürdig bleiben!

Aktiv sein

Fast jede Community bietet Themenforen an. Als Moderator oder aktiver Diskussionsteilnehmer signalisierst du Fachkompetenz und Engagement. Dafür sind die Gruppen in der e-fellows.net community gedacht - und auch in Fragen & Antworten wird diskutiert, gefachsimpelt und gestritten.

Gezielt Informationen über dich streuen

Wenn du einen interessanten Fachbeitrag veröffentlicht hast, eine Veranstaltung organisiert oder ein Projekt an Land gezogen hast, solltest du das auch über dein Netzwerk verbreiten: Twittern, bei Facebook posten, in passenden Diskussionen oder Gruppen darauf verweisen (mehr dazu auf Seite 4).

Geben und Nehmen

Mit Geben fängt es an. Das können Kleinigkeiten sein: Einen guten Hoteltipp weitergeben oder einen Artikel weiterleiten. Beim Empfänger kommt an: Da hat jemand extra an mich gedacht. Das nächste Mal denke ich an ihn.

So triffst du den richtigen Ton

PEOPLE Bosch Mentor Lutz Kniprath 77x100

Dr. Lutz Kniprath, Senior Legal Counsel in der Rechtsabteilung bei Bosch, ist Mentor und einer der aktivsten Unternehmensvertreter in der

e-fellows.net community. Sein Tipp für die Kontaktaufnahme in Online-Netzwerken: "Keine Freundschaftsanfragen an Unternehmensvertreter - und unbedingt beim "Sie" einsteigen!"

Im Zweifelsfall formell

Der Austausch unter Berufstätigen ist grundsätzlich etwas formeller als im Studium. Sicheren Grund hat man daher immer dann unter den Füßen, wenn man angemessen formell beginnt. Letztlich schadet es mehr, zu vertraulich zu beginnen und dann zurückzurudern, als höflicher als erforderlich einzusteigen und dann eine Einladung auf eine informellere Ebene zu erhalten. Also unbedingt beim "Sie" einsteigen! Der Ältere fordert vielleicht eines Tages zum Wechsel auf.

Freundschaftsanfrage? Zu gewagt

Einem Unternehmensvertreter beim ersten Kontakt gleich eine "Freundschaftsanfrage" bei Facebook zu schicken, finde ich persönlich etwas gewagt. Ich würde stattdessen eine Nachricht versenden oder - wenn die E-Mail-Anschrift bekannt ist - eine simple E-Mail in angemessen förmlichem Ton.

Direkt gewinnt

Über Xing (oder ähnliche Netzwerke) erreicht Ihre Nachricht den Empfänger direkt. Gleiches gilt, wenn Sie die E-Mail-Anschrift des Empfängers kennen. Wenn Sie sich über die Firmen-Website bewerben, landen Ihre Unterlagen meist zunächst bei einer zentralen Stelle oder der Sekretärin. Überlegen Sie sich vorher, ob Ihre Nachricht durch mehrere Hände gehen soll, bis sie den Empfänger erreicht oder nicht! Ich habe überhaupt nichts dagegen, über Xing oder die e-fellows.net community angesprochen zu werden. Mir sind alle Kanäle recht.

Kontakteknüpfen über Foren-Postings?

Diskussions-Beiträge, Postings und Ähnliches haben als Mittel der Kontaktaufnahme den Nachteil, dass sie nicht sonderlich zielgerichtet sind. Sie wissen nicht, ob Ihr Wunscharbeitgeber Ihre Beiträge überhaupt jemals zu Gesicht bekommt. Ich zum Beispiel lese Diskussions-Beiträge dann und wann, aber sicherlich nicht vollständig und verpasse ganz bestimmt viele interessante Postings. Daher: Wenn Sie jemandem etwas sagen möchten, schreiben Sie ihm direkt. Mir war noch keine Nachricht von e-fellows.net-Stipendiaten unangenehm.

Dos & Don'ts

Dos

  • Das Profil vollständig ausfüllen und aktuell halten.
  • Ein professionelles Foto mit guter Auflösung wählen. Bilder in Freizeitkleidung sind in informelleren Netzwerken wie Facebook üblich, bei Xing nicht. In der e-fellows.net community lädst du einfach ein professionelles Bild für die Unternehmensvertreter hoch und ein Freizeitbild für die e-fellows hoch.
  • Systematisch Kontakte in einer Branche aufbauen: Experten kontaktieren, Veranstaltungen besuchen, sich in entsprechenden Foren engagieren.
  • Vor einem Vorstellungsgespräch die Profile der Gesprächspartner besuchen oder der Gruppe des Unternehmens beitreten und dort im Forum ein paar Beiträge posten. Das zeugt von Interesse. Die meisten Mitglieder in Netzwerken sehen nach, wer in der letzten Zeit auf ihrem Profil war.
  • Prüfen, mit wem du dich virtuell verbindest. Welche Kontakte du hast, sagt auch etwas über dich aus.
  • Die Richtigen kontaktieren: Die Fachabteilung ist meist interessanter als die Personalabteilung, denn dort entsteht Bedarf zuerst. Für e-fellows gibt es hierfür zum Beispiel die Mentoren.
  • Einträge von anderen Personen auf dem eigenen Profil regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls löschen.
  • Neben dem virtuellen auch ein Offline-Netzwerk aufbauen. Häufig gibt es lokale Treffen wie zum Beispiel die City-Group- oder Xing-Stammtische. Dort kann man Kontakte intensivieren.
  • Ausführliche und intelligente Fragen stellen.

Don'ts

  • Du bist zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Dann nicht gleich den Ansprechpartner als Kontakt hinzufügen. Das kann anbiedernd wirken.
  • Keine übertriebene Kontakterei. Massenhaft Kontaktanfragen an Personalverantwortliche zu verschicken, kann leicht als Belästigung missverstanden werden.
  • Keine Rundmails.
  • Bei Kontaktanfragen nicht nur "Darf ich Sie als Kontakt hinzufügen?" schreiben. Lieber kurz Ziele, Gründe und Nutzen des Kontakts schildern.

Buchtipp

Ausführlich erklärt Svenja Hofert in "Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0", wie man sich bei Karrierenetzwerken am besten präsentiert. Angefangen vom professionellen Foto bis hin zu Tipps, welche Begriffe man in seinen Lebenslauf einbauen sollte, um von Personalern gefunden zu werden. Außerdem kommentiert sie anschaulich die Profile verschiedener Xing-Nutzer. Hier kann man sich gute Ideen abschauen und Fettnäpfchen umgehen. Dank einer Liste mit Web-2.0-Stellenmärkten kann man sich mit dem neu gewonnenen Wissen gleich in der virtuellen Welt austoben.


Titelbild Svenja Hofert "Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0. Wie Sie das Internet als Karrieresprungbrett nutzen"

Svenja Hofert:
Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0 Wie Sie das Internet als Karrieresprungbrett nutzen.
Eichborn 2008, 128 Seiten. 9,95 Euro.
ISBN: 978-3-8218-5951-4
Erschienen im März 2008.

Bestellen bei buecher.de